Flucht nach vorn: Amazon baut neue, unabhängige EU-Tochter auf
Amazon muss angesichts des zunehmenden Misstrauens europäischer Kunden gegenüber US-Cloud-Anbietern mit dem Verlust lukrativer Aufträge rechnen. Um dies zu verhindern, baut der Konzern nun im Eilverfahren eine europäische Tochter auf.
Das neue Unternehmen wird von Staatsbürgern aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union geleitet und unterliegt lokalen rechtlichen Anforderungen. Kathrin Renz, derzeit Vice President AWS Industries, wird erste Geschäftsführerin der Gesellschaft, teilte Amazon mit. Berichte, nach denen die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam der Sitz der Firma sein wird, bestätigte der US-Konzern bisher nicht. Wohl aber, dass dort 7,8 Milliarden Euro in den Bau von Rechenzentren investiert werden.
Die Initiative erfolgt vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen zwischen den USA und Europa. Insbesondere seit dem Amtsantritt der zweiten Trump-Regierung, die durch unvorhersehbare außenpolitische Maßnahmen, wie Strafzölle und territoriale Ansprüche, klarmachte, dass sie kein verlässlicher Partner mehr ist, wächst in Europa die Sorge um die Kontrolle über sensible Daten. Europäische Unternehmen stellen zunehmend Anforderungen an Datensouveränität - ein Thema, das inzwischen zentral bei Vertragsverhandlungen mit Cloud-Anbietern ist.
Nach ähnlichen Vorstößen von Microsoft und Google kündigte nun auch AWS umfassende Schritte zur Stärkung des Vertrauens europäischer Kunden an. Kernstück ist die Gründung eines europäischen Mutterunternehmens mit drei Tochtergesellschaften in Deutschland - neben dem Cloud-Betrieb wird es beispielsweise auch eine eigene Security-Tochter geben. Zur Wahrung der Unabhängigkeit und Transparenz soll ein beratendes Gremium aus vier EU-Bürgern eingerichtet werden, darunter mindestens ein unabhängiges Mitglied ohne Verbindung zu Amazon. Dieses Gremium soll über operative Sicherheitsfragen und Zugriffsrechte wachen und sicherstellen, dass die ESC auch bei globalen Störungen eigenständig weiterbetrieben werden kann.
Trotz dieser Maßnahmen bleibt AWS ein US-Unternehmen - und damit möglicherweise weiterhin dem US-amerikanischen Cloud-Act unterworfen, der den Zugriff amerikanischer Behörden auf gespeicherte Daten erlaubt. Wie gut die Trennung daher in der juristischen Praxis funktionieren wird, muss sich zeigen.
Siehe auch:
- Amazon gründet unabhängige EU-Tochter als Reaktion auf Kundenbedenken
- AWS European Sovereign Cloud soll bis Ende 2025 eigenständig agieren
- Von EU-Bürgern geleitetes Unternehmen mit geplantem Standort in Potsdam
- Investition von 7,8 Milliarden Euro für Rechenzentrumsinfrastruktur
- Vollständige technische Trennung vom globalen AWS-Netzwerk geplant
- Beratendes Gremium aus EU-Bürgern soll Unabhängigkeit gewährleisten
- Trotz Maßnahmen bleibt die rechtliche Unabhängigkeit vom US Cloud Act fraglich
Potsdam steht im Zentrum
Der Ableger der Amazon Web Services (AWS) soll als weitgehend unabhängige Organisation in Europa agieren. Im Rahmen des Projekts "AWS European Sovereign Cloud" (ESC) will das Unternehmen bis Ende 2025 eine eigenständige Cloud-Infrastruktur bereitstellen, die den europäischen Anforderungen an Datenschutz, Sicherheit und rechtliche Unabhängigkeit gerecht wird.Das neue Unternehmen wird von Staatsbürgern aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union geleitet und unterliegt lokalen rechtlichen Anforderungen. Kathrin Renz, derzeit Vice President AWS Industries, wird erste Geschäftsführerin der Gesellschaft, teilte Amazon mit. Berichte, nach denen die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam der Sitz der Firma sein wird, bestätigte der US-Konzern bisher nicht. Wohl aber, dass dort 7,8 Milliarden Euro in den Bau von Rechenzentren investiert werden.
Die Initiative erfolgt vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen zwischen den USA und Europa. Insbesondere seit dem Amtsantritt der zweiten Trump-Regierung, die durch unvorhersehbare außenpolitische Maßnahmen, wie Strafzölle und territoriale Ansprüche, klarmachte, dass sie kein verlässlicher Partner mehr ist, wächst in Europa die Sorge um die Kontrolle über sensible Daten. Europäische Unternehmen stellen zunehmend Anforderungen an Datensouveränität - ein Thema, das inzwischen zentral bei Vertragsverhandlungen mit Cloud-Anbietern ist.
Nach ähnlichen Vorstößen von Microsoft und Google kündigte nun auch AWS umfassende Schritte zur Stärkung des Vertrauens europäischer Kunden an. Kernstück ist die Gründung eines europäischen Mutterunternehmens mit drei Tochtergesellschaften in Deutschland - neben dem Cloud-Betrieb wird es beispielsweise auch eine eigene Security-Tochter geben. Zur Wahrung der Unabhängigkeit und Transparenz soll ein beratendes Gremium aus vier EU-Bürgern eingerichtet werden, darunter mindestens ein unabhängiges Mitglied ohne Verbindung zu Amazon. Dieses Gremium soll über operative Sicherheitsfragen und Zugriffsrechte wachen und sicherstellen, dass die ESC auch bei globalen Störungen eigenständig weiterbetrieben werden kann.
Alles mit EU-Bürgern
Technisch setzt AWS auf eine vollständige Trennung vom globalen AWS-Netzwerk. Infrastruktur, Personal und Führungskräfte sind ausschließlich in Europa angesiedelt. Eine dedizierte Version des DNS-Dienstes Route 53 sowie eine europäische Zertifizierungsstelle sollen vollständige Autonomie bei der Verschlüsselung und Namensauflösung gewährleisten. Ein speziell eingerichtetes Security Operations Center (SOC), geführt von einem EU-Bürger, wird die Sicherheit der ESC überwachen und Ansprechpartner für Regulierungsbehörden sein.Trotz dieser Maßnahmen bleibt AWS ein US-Unternehmen - und damit möglicherweise weiterhin dem US-amerikanischen Cloud-Act unterworfen, der den Zugriff amerikanischer Behörden auf gespeicherte Daten erlaubt. Wie gut die Trennung daher in der juristischen Praxis funktionieren wird, muss sich zeigen.
Siehe auch:
Christian KahleRedakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt
Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.
Amazons Aktienkurs in Euro
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