20 Jahre versucht: Harvard-Team fängt Moleküle für Quantencomputer

Komplexe Moleküle für Quantenberechnungen zu nutzen, galt lange als unmöglich. Nun ist Forschern der Harvard University genau das ge­lun­gen. Dieser Durchbruch könnte die Leistungsfähigkeit von Quan­ten­com­pu­tern erheblich steigern.
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Harvard-Forscher: Moleküle als Quanten-Geheimwaffe

Quantencomputer nutzen die besonderen Eigenschaften der Quantenmechanik, um bestimmte Berechnungen viel schneller durchzuführen als herkömmliche Computer. Bisher verwendeten Forscher dafür meist einzelne Atome oder künstliche Schaltkreise. Das Harvard-Team um Professorin Kang-Kuen Ni setzte jetzt erstmals erfolgreich Moleküle ein, die aus zwei verschiedenen Atomen bestehen.

Die Wissenschaftler kühlten Natrium-Cäsium-Moleküle auf Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt ab und fixierten sie mit Laserstrahlen - einer Art "optischer Pinzette". In diesem Zustand konnten sie die Moleküle als Quantenbits oder "Qubits" verwenden - die Grundbausteine der Quanteninformation. Anders als klassische Bits können Qubits mehrere Zustände gleichzeitig annehmen.


Der technische Kern des Experiments war ein sogenanntes iSWAP-Gatter, ein Quantenschaltkreiselement, das die Zustände zweier Qubits austauscht und eine Phasenverschiebung durchführt, was die Beziehung zwischen den Qubit-Zuständen verändert. Durch präzise Kontrolle der Moleküldrehung gelang es dem Team, einen Zwei-Qubit-Bell-Zustand, bei dem zwei Qubits maximal verschränkt sind, mit 94 Prozent Genauigkeit zu erzeugen. Dabei nutzten sie die elektrischen Dipol-Dipol-Wechselwirkungen zwischen den Molekülen, also die Kräfte zwischen ihren positiven und negativen Ladungen, um Quantenoperationen zu ermöglichen.

20 Jahre versucht

"Als Forschungsfeld versuchen wir dies seit 20 Jahren zu erreichen", erklärte Professorin Ni. "Und endlich ist es uns gelungen." Die Ergebnisse wurden in Nature veröffentlicht. Besonders bemerkenswert ist, dass es dem Team gelang, zwei Molekül-Qubits miteinander zu "verschränken" - ein Quanteneffekt, bei dem die Zustände der Teilchen untrennbar verbunden sind.

Die Nutzung von Molekülen als Qubits eröffnet neue Möglichkeiten für Quantencomputer. Ihre komplexe innere Struktur könnte es erlauben, mehr Informationen in einem einzelnen Qubit zu speichern. Zudem lassen sich Moleküle möglicherweise leichter mit anderen Systemen koppeln. Dies könnte in Zukunft zu leistungsfähigeren und vielseitigeren Quantencomputern führen, mit potenziellen Anwendungen in Bereichen wie Medizin, Materialforschung und Finanzwesen.

Was ist ein Quantencomputer?
Ein Quantencomputer ist ein neuartiger Computertyp, der die Gesetze der Quantenmechanik nutzt, um bestimmte Berechnungen deutlich schneller durchzuführen als klassische Computer. Anders als herkömmliche Computer arbeitet er nicht mit Bits (0 oder 1), sondern mit Qubits.

Diese Qubits können dank Quantenverschränkung und Superposition mehrere Zustände gleichzeitig annehmen. Dadurch können Quantencomputer bestimmte komplexe Probleme um ein Vielfaches schneller lösen als klassische Rechner.
Wozu braucht man Quantencomputer?
Quantencomputer sind besonders nützlich für komplexe Optimierungsprobleme, wie sie in der Logistik, Materialforschung oder Finanzwirtschaft vorkommen. Sie können chemische Reaktionen simulieren und damit die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigen.

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Kryptografie. Quantencomputer könnten bestehende Verschlüsselungsmethoden knacken, aber auch neue, abhörsichere Kommunikationswege ermöglichen.
Wie funktioniert ein Qubit?
Ein Qubit basiert auf quantenmechanischen Systemen wie Elektronen oder Photonen. Anders als klassische Bits können Qubits dank der Quantensuperposition gleichzeitig den Wert 0 und 1 annehmen.

Durch Quantenverschränkung können mehrere Qubits miteinander verbunden werden, wodurch die Rechenleistung exponentiell steigt. Allerdings sind Qubits sehr empfindlich gegenüber Störungen und müssen auf fast den absoluten Nullpunkt gekühlt werden.
Ersetzt der Quantencomputer den PC?
Nein, Quantencomputer werden klassische Computer nicht ersetzen. Sie sind Spezialrechner für bestimmte komplexe Probleme, während klassische Computer für alltägliche Aufgaben weiterhin besser geeignet sind.

Wahrscheinlich werden Quantencomputer zukünftig als Co-Prozessoren oder Cloud-Services genutzt, auf die klassische Computer bei Bedarf zugreifen können.
Wie teuer ist ein Quantencomputer?
Die aktuellen Kosten für einen Quantencomputer liegen im Bereich von mehreren Millionen Euro. Der Großteil der Kosten entsteht durch die notwendige Kühltechnik und die hochpräzise Steuerungselektronik.

Zusätzlich fallen hohe Betriebskosten an, da die Systeme permanent auf unter -270 °C gekühlt werden müssen. Experten erwarten, dass die Kosten in den nächsten Jahren deutlich sinken werden.
Sind Quantencomputer gefährlich?
Quantencomputer selbst sind nicht gefährlich, aber sie könnten bestehende Verschlüsselungsmethoden knacken. Dies könnte sensitive Daten wie Bankverbindungen oder verschlüsselte Kommunikation gefährden.

Deshalb wird bereits an quantensicheren Verschlüsselungsmethoden gearbeitet. Diese sollen auch gegen Angriffe durch Quantencomputer sicher sein und rechtzeitig implementiert werden.
Wer entwickelt Quantencomputer?
Die Entwicklung wird von großen Tech-Unternehmen wie IBM, Google und Intel vorangetrieben. Auch Startups wie IonQ und Rigetti arbeiten an der Technologie.

Daneben forschen zahlreiche wissenschaftliche Institute und Universitäten weltweit an Quantencomputern. Deutschland ist durch Forschungseinrichtungen wie das Forschungszentrum Jülich ebenfalls stark vertreten.
Zusammenfassung
  • Harvard-Forscher nutzen erstmals komplexe Moleküle für Quantencomputer
  • Natrium-Cäsium-Moleküle wurden mit Lasern auf Tiefsttemperaturen gekühlt
  • Team erreichte Zwei-Qubit-Bell-Zustand mit 94 Prozent Genauigkeit
  • Elektrische Dipol-Dipol-Wechselwirkungen ermöglichten Quantenoperationen
  • Molekül-Qubits könnten zu leistungsfähigeren Quantencomputern führen
  • Potenzielle Anwendungen in Medizin, Materialforschung und Finanzwesen

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