Neue Rekord-Kühltechnik ebnet Weg für zuverlässige Quantencomputer

Ein neuartiger Quantenkühlschrank könnte Quantencomputer effizienter und zuverlässiger machen. Das innovative System, entwickelt von einem internationalen Forscherteam, kühlt die empfindlichen Bauteile auf bisher unerreichte Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt.
Ki, Künstliche Intelligenz, Cpu, Prozessor, Chip, Hardware, SoC, Gpu, Cloud, AI, Artificial Intelligence, Prozessoren, Chips, Quantencomputer, Nanometer, System On Chip

Game-Changer: Neuer Kühlschrank für Quantenrechner

Quantencomputer nutzen sogenannte Qubits als Recheneinheiten. Diese können, anders als klassische Bits, mehrere Zustände gleichzeitig annehmen. Um diese fragilen Quantenzustände zu erhalten, müssen Qubits extrem gekühlt werden. Herkömmliche Kühlsysteme erreichen dabei Temperaturen von etwa 50 Millikelvin, also 0,05 Grad über dem absoluten Nullpunkt (-273,15 °C).

Der neue Quantenkühlschrank, entwickelt von Forschern der Chalmers University of Technology in Göteborg, Schweden und der University of Maryland, geht noch weiter. Er kühlt Qubits autonom, also nach Einrichtung selbstständig und kontinuierlich, auf rekordverdächtige 22 Millikelvin. Dies bringt die Qubits in einen stabileren Zustand für Berechnungen.


Obwohl der Unterschied gering erscheinen mag, hat er bei vielen Berechnungen einen kumulativen Effekt und führt zu einer signifikanten Leistungssteigerung von Quantencomputern.
Aamir Ali von der Chalmers University

Funktionsweise, die Alltagserfahrung widerspricht

Das System basiert auf einem raffinierten Zusammenspiel von drei Qubits: dem Ziel-Qubit, das gekühlt werden soll, und zwei Hilfs-Qubits, die als "Kühleinheiten" fungieren. Der Quantenkühlschrank nutzt dabei einen thermodynamischen Prozess, der Ähnlichkeiten mit einer Wärmepumpe aufweist. Statt elektrischer Energie verwendet er jedoch Wärme aus der Umgebung als Antriebsquelle. Quanten-Kühlschrank der Chalmers University of TechnologyQuadrat in der Mitte: Der neue Quantenkühlschrank (Bild: Lovisa Håkansson) Diese Umgebungswärme treibt eines der Hilfs-Qubits an, ermöglicht aber keinen direkten Wärmetransfer zum Ziel-Qubit. Stattdessen nutzt das System die Energie, um Wärme vom Ziel-Qubit auf das zweite Hilfs-Qubit zu übertragen. Dieses zweite Qubit ist mit einer kalten Umgebung verbunden und gibt die aufgenommene Wärme dorthin ab. Durch diesen kontinuierlichen Prozess wird das Ziel-Qubit effektiv gekühlt.

Um diesen komplexen Prozess besser zu verstehen, kann man sich das System wie eine "Wärmetreppe" vorstellen: Das erste Hilfs-Qubit wird durch die Umgebungswärme auf ein sehr hohes Energieniveau gebracht - vergleichbar mit der obersten Stufe einer Treppe. Dieses hohe Energieniveau ermöglicht es dem System, die Wärme vom Ziel-Qubit (mittlere Stufe) zum zweiten Hilfs-Qubit (untere Stufe) zu "transportieren".

"Ursprünglich hatten wir dieses Experiment als Machbarkeitsstudie geplant. Daher waren wir angenehm überrascht, als wir feststellten, dass die Leistung der Maschine alle bestehenden Reset-Protokolle übertrifft, wenn es darum geht, das Qubit auf tiefste Temperaturen abzukühlen", sagt Simone Gasparinetti, Hauptautorin der Studie "Thermisch angetriebener Quantenkühlschrank", die in Nature veröffentlicht wurde.

Was ist ein Quantencomputer?
Ein Quantencomputer ist ein neuartiger Computertyp, der die Gesetze der Quantenmechanik nutzt, um bestimmte Berechnungen deutlich schneller durchzuführen als klassische Computer. Anders als herkömmliche Computer arbeitet er nicht mit Bits (0 oder 1), sondern mit Qubits.

Diese Qubits können dank Quantenverschränkung und Superposition mehrere Zustände gleichzeitig annehmen. Dadurch können Quantencomputer bestimmte komplexe Probleme um ein Vielfaches schneller lösen als klassische Rechner.
Wozu braucht man Quantencomputer?
Quantencomputer sind besonders nützlich für komplexe Optimierungsprobleme, wie sie in der Logistik, Materialforschung oder Finanzwirtschaft vorkommen. Sie können chemische Reaktionen simulieren und damit die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigen.

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Kryptografie. Quantencomputer könnten bestehende Verschlüsselungsmethoden knacken, aber auch neue, abhörsichere Kommunikationswege ermöglichen.
Wie funktioniert ein Qubit?
Ein Qubit basiert auf quantenmechanischen Systemen wie Elektronen oder Photonen. Anders als klassische Bits können Qubits dank der Quantensuperposition gleichzeitig den Wert 0 und 1 annehmen.

Durch Quantenverschränkung können mehrere Qubits miteinander verbunden werden, wodurch die Rechenleistung exponentiell steigt. Allerdings sind Qubits sehr empfindlich gegenüber Störungen und müssen auf fast den absoluten Nullpunkt gekühlt werden.
Ersetzt der Quantencomputer den PC?
Nein, Quantencomputer werden klassische Computer nicht ersetzen. Sie sind Spezialrechner für bestimmte komplexe Probleme, während klassische Computer für alltägliche Aufgaben weiterhin besser geeignet sind.

Wahrscheinlich werden Quantencomputer zukünftig als Co-Prozessoren oder Cloud-Services genutzt, auf die klassische Computer bei Bedarf zugreifen können.
Wie teuer ist ein Quantencomputer?
Die aktuellen Kosten für einen Quantencomputer liegen im Bereich von mehreren Millionen Euro. Der Großteil der Kosten entsteht durch die notwendige Kühltechnik und die hochpräzise Steuerungselektronik.

Zusätzlich fallen hohe Betriebskosten an, da die Systeme permanent auf unter -270 °C gekühlt werden müssen. Experten erwarten, dass die Kosten in den nächsten Jahren deutlich sinken werden.
Sind Quantencomputer gefährlich?
Quantencomputer selbst sind nicht gefährlich, aber sie könnten bestehende Verschlüsselungsmethoden knacken. Dies könnte sensitive Daten wie Bankverbindungen oder verschlüsselte Kommunikation gefährden.

Deshalb wird bereits an quantensicheren Verschlüsselungsmethoden gearbeitet. Diese sollen auch gegen Angriffe durch Quantencomputer sicher sein und rechtzeitig implementiert werden.
Wer entwickelt Quantencomputer?
Die Entwicklung wird von großen Tech-Unternehmen wie IBM, Google und Intel vorangetrieben. Auch Startups wie IonQ und Rigetti arbeiten an der Technologie.

Daneben forschen zahlreiche wissenschaftliche Institute und Universitäten weltweit an Quantencomputern. Deutschland ist durch Forschungseinrichtungen wie das Forschungszentrum Jülich ebenfalls stark vertreten.
Zusammenfassung
  • Neuer Quantenkühlschrank kühlt Qubits auf rekordverdächtige 22 mK
  • Kühlsystem arbeitet autonom und kontinuierlich für stabilere Qubits
  • Drei-Qubit-System nutzt Umgebungswärme als Antriebsquelle für Kühlung
  • Wärmetransfer erfolgt über 'Wärmetreppe' mit zwei Hilfs-Qubits
  • Leistung übertrifft bestehende Reset-Protokolle
  • Effizientere und zuverlässigere Quantencomputer durch neue Technologie
  • Geringe Temperaturunterschiede haben kumulativen Effekt bei Berechnungen

Siehe auch:


Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!