Grenzen verschoben: Schlauer "M3D"-Ansatz verändert Chipproduktion

Forscher entwickeln ultrakompakte Chips für sensornahe Berechnungen durch innovative 3D-Integration von 2D-Materialien. Die neue Technik sorgt für eine höhere Dichte elektronischer Komponenten und eröffnet Perspektiven für effizientere, leistungsfähigere Sensorsysteme.
Material, Rohstoff, Graphen, Kohlenstoff

2D-Materialien ermöglichen neue Nano-Sensoren

Bisher werden hochintegrierte Sensorchips immer noch oft durch das Verbinden separater Komponenten hergestellt. Dabei werden Sensoren, Prozessoren und Speichereinheiten als eigenständige Bauteile produziert und anschließend auf einer gemeinsamen Platine zusammengeführt. Diese Methode setzte der Miniaturisierung und Leistungsfähigkeit der Chips Grenzen. Forscher haben nun einen Ansatz entwickelt, der diese Beschränkungen überwindet und eine bisher unerreichte Integration verschiedener Funktionen auf kleinstem Raum leistet.

Ein Team der Pennsylvania State University hat über 500 Chemitransistoren, die auf chemische Reize reagieren, und 500 Memristoren, welche Daten speichern und verarbeiten können, in einem einzigen Chip integriert. Dabei nutzten sie eine Technik namens "monolithische 3D-Integration (M3D)". Diese Methode stapelt verschiedene Materialschichten direkt aufeinander, anstatt separate Chips zu verbinden.


Die Forscher Subir Ghosh und Yikai Zheng erklären in ihrer Studie, dass die M3D-Integration zunehmend in der Halbleiterindustrie als Alternative zur herkömmlichen Through-Silicon-Via-Technologie (Silizium-Durchkontaktierung) eingesetzt wird. Sie ermöglicht eine höhere Dichte gestapelter, elektronischer Komponenten und bietet Vorteile wie die gezielte Anordnung einzelner Transistoren und die Kombination unterschiedlicher Materialien.

Allerdings gab es bisher nur wenige großflächige Demonstrationen der M3D-Integration mit Nicht-Silizium-Materialien. Das Team setzte sich daher zum Ziel, einen Sensor- und Berechnungschip auf Basis von 2D-Elektronik unter Verwendung der M3D-Integrationsstrategie zu entwickeln. M3D-Chip der Pennsylvania State UniversityAblauf des M3D-Fertigungsprozesses. Credit: Ghosh et al. (Nature) Die Forscher verwendeten zweidimensionale Materialien wie Graphen und Molybdändisulfid (MoS2). Graphen, eine einzelne Schicht von Kohlenstoffatomen, dient als Basis für Chemosensoren. MoS2, ebenfalls nur wenige Atome dick, wird für programmierbare Schaltkreise genutzt. Diese Materialien erlauben die Herstellung extrem dünner, flexibler und leistungsfähiger elektronischer Bauteile.

Sensor und Speicher vereint

Ein Hauptvorteil der neuen Technik ist die hohe Packungsdichte. Die Wissenschaftler erreichten eine Verbindungsdichte von 62.500 Ein-/Ausgängen pro Quadratmillimeter. Wie sie in Nature Electronics berichten, können Sensor und Recheneinheit bis auf 50 Nanometer aneinander heranrücken. Dies reduziert die Signallaufzeiten erheblich und machen schnellere Datenverarbeitung möglich.

Die Herstellung erfolgt bei Temperaturen unter 200 °C, was die Technik kompatibel mit bestehenden Halbleiter-Fertigungsprozessen macht. In einem Demonstrationsversuch nutzten die Forscher den Chip zur Identifikation verschiedener Zuckerlösungen. Die Chemitransistoren erfassten die Substanzen, während die Memristoren die Signale verarbeiteten und klassifizierten.

Zusammenfassung
  • Forscher entwickeln ultrakompakte Chips durch 3D-Integration von 2D-Materialien
  • 500 Chemitransistoren und 500 Memristoren auf einem Chip integriert
  • Monolithische 3D-Integration ermöglicht höhere Dichte elektronischer Komponenten
  • Verwendung von 2D-Materialien wie Graphen und Molybdändisulfid (MoS2)
  • Hohe Verbindungsdichte von 62.500 Ein-/Ausgängen pro Quadratmillimeter erreicht
  • Herstellung bei Temperaturen unter 200 °C ermöglicht Kompatibilität
  • Chip erfolgreich zur Identifikation verschiedener Zuckerlösungen eingesetzt

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