Neues Recht auf Reparatur:
Die 10 wichtigsten Fragen und Antworten

Seit Ende Juli müssen Hersteller viele Elektrogeräte auch nach Ablauf der Gewährleistung reparieren. Doch für welche Geräte gilt das, was darf die Reparatur kosten und wann winkt ein Extra-Jahr Absicherung? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Reparatur, defekt, Faq, Austausch, kaputt, Elektroschrott, Reparierbarkeit, werkzeug, Reparaturprogramm, Ersatzteile, Recht auf Reparatur, Right to Repair, reparieren, Ersatzteil
WinFuture/KI-generiert
  • In Deutschland gilt seit dem 31. Juli 2026 das neue Recht auf Reparatur
  • Das Gesetz verpflichtet Hersteller dazu, Ersatzteile jahrelang anzubieten
  • Ein Anspruch auf kostenfreie Reparaturen durch die Hersteller besteht nicht
  • Bei Nachbesserung im Gewährleistungsfall verlängert sich diese um ein Jahr
  • Kopplungen von Bauteilen an Seriennummern sind Herstellern nun untersagt
  • Der Reparatur­anspruch betrifft Geräte mit Vorgaben durch die EU-Ökodesign

Kaputt heißt nicht mehr Müll

Display gesprungen, Waschmaschine streikt kurz nach Ende der Gewährleistung: Bisher bedeutete das oft einen Neukauf. Seit dem 31. Juli 2026 gilt in Deutsch­land das Recht auf Reparatur, das Verbrauchern erstmals einen direkten Anspruch gegenüber dem Hersteller verschafft.

Warum das Thema gerade jetzt wichtig wird: Mit dem Black Friday am 27. November, dem Vorgeplänkel in den "Black Weeks" und dem Weihnachtsgeschäft 2026 steht die beliebteste Shopping-Zeit des Jahres an. Und einige Neuerungen gelten ausschließlich für Geräte, die seit Ende Juli gekauft wurden.

Inhaltsverzeichnis:

Was genau ist das Recht auf Reparatur?

Dahinter steckt die EU-Richtlinie 2024/1799, die Deutschland mit einem eigenen Gesetz umgesetzt hat. Es trat formal am 23. Juli in Kraft, anzuwenden sind die Regeln seit dem 31. Juli 2026, dem Stichtag, den Brüssel allen Mitgliedstaaten vorgegeben hatte. Kurios: Der Bundestag hat in das deutsche Umsetzungsgesetz nachträglich noch Regeln zum Zentralen Vorsorgeregister gepackt. Re­pa­ra­tur­recht und Vorsorgeverfügungen in einem Gesetz, das gibt es nicht alle Tage.

Inhaltlich ruht die Reform auf zwei Säulen: Die neuen Paragrafen 479a bis 479g im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) schaffen einen eigenständigen Reparatur­anspruch gegenüber dem Hersteller. Zudem wurde die Gewährleistung ge­gen­über dem Händler angepasst. Ziel ist weniger Elektroschrott, ähnlich wie bei der USB-C-Ladepflicht, die seit Ende 2024 gilt. Recht auf Reparatur FAQDer globale Elektroschrott-Gap, Quelle: Statista

Für welche Geräte gilt der Anspruch?

Nur für Produktgruppen mit EU-Ökodesign-Vorgaben, also europäischen Mindestanforderungen an Haltbarkeit, Ersatzteile und Reparaturinformationen. Die Liste umfasst derzeit:

  • Waschmaschinen, Waschtrockner, Wäschetrockner und Geschirrspüler
  • Kühlgeräte wie Kühlschränke und Gefriertruhen
  • Elektronische Displays, also Fernseher und Monitore
  • Smartphones, Tablets und schnurlose Telefone
  • Staubsauger sowie Server, Datenspeicherprodukte und Schweißgeräte
  • Waren mit Akkus für leichte Verkehrsmittel (LMT-Batterien, Light Means of Transport), etwa E-Bikes und E-Scooter

Notebooks, Desktop-PCs, Spielkonsolen, Kopfhörer oder Smartwatches sind bislang nicht dabei. Auch Drucker, die in manchen Übersichten auftauchen, stehen nicht im maßgeblichen Anhang II der Richtlinie. Für Staubsauger, bestimmte Akkus und Datenspeicher fehlt zudem noch eine ausdrückliche Pflicht zur Ersatzteilhaltung. Die EU-Kommission kann und sollte die Liste erweitern.

Wie lange müssen Hersteller Ersatzteile liefern?

Je nach Gerät sieben oder zehn Jahre. Die Frist beginnt nicht mit dem Kauf, sondern sobald das letzte Exemplar eines Modells in Verkehr gebracht, also auf dem EU-Markt bereitgestellt wurde. Ein Rechenbeispiel der Ver­brau­cher­zen­tra­len: Ist ein Smartphone von Dezember 2025 bis Dezember 2027 erhältlich, müssen Ersatzteile bis Dezember 2034 verfügbar sein.

ProduktgruppeErsatzteile verfügbar*Lieferfrist
Geschirrspüler7 oder 10 Jahre (je nach Teil)15 Arbeitstage
Kühlgeräte7 oder 10 Jahre (je nach Teil)15 Arbeitstage
Fernseher und Monitore7 Jahre15 Arbeitstage
Waschmaschinen10 Jahre15 Arbeitstage
Wäschetrockner10 Jahre15 Arbeitstage
Smartphones, Tablets, schnurlose Telefone7 Jahre5 oder 10 Arbeitstage (je nach Teil)
Staubsaugerderzeit keine Pflicht zur Ersatzteilhaltung
* ab Inverkehrbringen des letzten Exemplars eines Modells

Nach Auffassung der Verbraucherzentralen können auch vor dem 31. Juli gekaufte Geräte erfasst sein, sofern für das Modell bereits Ersatzteilpflichten galten. Bei Waschmaschinen, Geschirrspülern, Kühlgeräten und Displays gilt das seit März 2021, bei Smartphones und Tablets seit dem 20. Juni 2025. Tipp für Besitzer zuverlässiger Geräte mit bekannter Schwachstelle: Kurz vor Fristende kann es sich lohnen, das typische Verschleißteil vorsorglich zu kaufen.

Muss der Hersteller kostenlos reparieren?

Nein. Erlaubt ist ein angemessenes Entgelt, das Arbeits- und Materialkosten sowie eine übliche Gewinnspanne enthalten darf. Es darf Verbraucher nur nicht von der Reparatur abhalten. Was das konkret heißt, lässt das Gesetz offen, hier dürfte es in der Praxis knirschen. Immerhin müssen Hersteller auf einer frei zugänglichen Webseite Richtpreise für typische Reparaturen veröffentlichen.

Eine niedrigere Mehrwertsteuer auf Reparaturen kam ebenso wenig wie ein bundesweiter Reparaturbonus; eine Initiative Thüringens scheiterte im Bundes­rat. Ausgerechnet Thüringen, 2021 Vorreiter beim Zuschuss, hat ihn zu 2026 gestrichen. Sachsen übernimmt derzeit die Hälfte der Kosten, maximal 200 Euro. Wer übrigens den kaputten Toaster über das neue Recht retten will, hat Pech: Toaster stehen gar nicht auf der Liste.


Was ist der Unterschied zu Gewähr­leistung und Garantie?

Die gesetzliche Gewährleistung richtet sich gegen den Verkäufer, gilt bei Neuware zwei Jahre und ist kostenlos. Sie greift aber nur bei Mängeln, die schon bei Übergabe angelegt waren. Dank der sogenannten Beweislastumkehr wird in den ersten zwölf Monaten vermutet, dass der Mangel von Anfang an bestand, danach muss der Käufer das belegen. Eine Garantie ist dagegen eine freiwillige Zusage mit frei gestaltbarem Umfang.

Das Recht auf Reparatur greift, wenn die Gewährleistung nicht (mehr) zieht, etwa nach Ablauf der zwei Jahre oder bei selbst verursachten Schäden. Das Smartphone, das beim Joggen auf den Asphalt geknallt ist, wäre also ein Fall für den Hersteller, allerdings ein kostenpflichtiger. Bei Mängeln innerhalb der Frist bleibt der Händler die erste Adresse, ein Verweis auf den Hersteller muss nicht akzeptiert werden.

Was bringt eine Reparatur trotz Gewähr­leistung?

Für Käufe ab dem 31. Juli 2026 gilt: Wer sich bei einem Mangel innerhalb der Gewährleistung für die Reparatur statt für ein Ersatzgerät entscheidet, erhält einmalig zwölf Monate zusätzliche Gewährleistung. Aus zwei werden so bis zu drei Jahre. Händler müssen außerdem ausdrücklich darauf hinweisen, dass Käufer zwischen Reparatur und Austausch wählen können. Recht auf Reparatur FAQAnsprüche gegenüber Verkäufern und Herstellern, Quelle: Verbraucherzentralen

Genau hier wird es für die Schnäppchenjagd relevant: Der Fernseher vom Black Friday oder das Tablet unterm Weihnachtsbaum profitiert bereits davon, ältere Käufe nicht. Die Beweislastumkehr endet dagegen weiterhin nach zwölf Monaten. Ein kostenloses Ersatzgerät für die Dauer der Reparatur dürfen Händler anbieten, verpflichtet sind sie dazu aber nicht.

Was gilt, wenn sich ein Gerät nicht reparieren lässt?

Für Kaufverträge ab dem 31. Juli zählt die Reparierbarkeit zur üblichen Be­schaf­fen­heit einer Ware. Lässt sich ein Produkt nicht reparieren, obwohl das bei vergleichbaren Geräten zu erwarten wäre, kann das bereits ein Mangel sein, selbst wenn noch nichts kaputt ist. Käufer könnten dann vom Vertrag zurücktreten oder den Preis mindern.

Als Beispiel nennen die Verbraucherzentralen einen Smartphone-Akku, der sich nur mit Spezialwerkzeug und hohem Beschädigungsrisiko tauschen lässt. Ob das vor Gericht trägt, solange verklebte Akkus branchenüblich sind, bleibt abzuwarten.

Zudem verbietet Paragraf 479e BGB Hardware- und Softwaretricks, die Reparaturen behindern, etwa das Koppeln von Ersatzteilen an ein Gerät per Seriennummer (Parts Pairing). Freie Werkstätten dürfen Original-, Gebraucht-, kompatible und sogar 3D-gedruckte Teile nutzen. Ausnahmen sind bei legitimen Gründen wie dem Schutz geistigen Eigentums erlaubt. Wie weit diese Hintertür reicht, dürften Gerichte klären.

Darf ich zur freien Werkstatt oder ins Repair-Café?

Ja. Der Hersteller darf eine Reparatur nicht allein deshalb ablehnen, weil vorher schon eine andere Werkstatt oder der Besitzer selbst geschraubt hat. Ersatzteile und Werkzeuge muss er zu einem nicht abschreckenden Preis anbieten, auch an Privatleute. Teile, die mit der Geräteelektronik verbunden werden müssen, dürfen Hersteller allerdings teils nur an qualifizierte Reparaturbetriebe abgeben.

Verbraucherschützer raten zudem, während der Gewährleistung nicht selbst zum Schraubenzieher zu greifen, sonst steht der kostenlose Anspruch gegenüber dem Händler auf dem Spiel.

Wie setze ich den Anspruch durch?

Ansprechpartner ist direkt der Hersteller. Sinnvoll ist eine schriftliche Aufforderung mit Fehlerbeschreibung, Modell, Kaufbeleg und konkreter Frist. Fotos des Defekts helfen im Streitfall. Sitzt der Hersteller außerhalb der EU, richtet sich der Anspruch an seinen Bevollmächtigten in der EU, ersatzweise an den Importeur. Und falls es auch den nicht gibt, an den Händler. Das betrifft vor allem Marken, die vorwiegend über Online-Marktplätze verkauft werden.

Scheitert eine bezahlte Reparatur, greift das Werkvertragsrecht: Käufer können Nachbesserung verlangen oder den Preis mindern. Alternativ können sie nach erfolglosem Ablauf der Frist anderweitig reparieren lassen und die Kosten zurückfordern. Recht auf Reparatur FAQEU-Energielabel mit Reparierbarkeitsklasse, Quelle: EU

Worauf sollte ich beim Kauf zum Black Friday achten?

Wer ein Smartphone oder Tablet kauft, findet seit dem 20. Juni 2025 auf dem EU-Energielabel eine Reparierbarkeitsklasse von A bis E. Hersteller müssen für diese Geräte zudem mindestens fünf Jahre nach Verkaufsende eines Modells Betriebssystem-Updates liefern. Beides geht im Rabattrausch gern unter.

Kaufbelege sollte man sauber ablegen, denn das Kaufdatum entscheidet über die verlängerte Gewährleistung. Die Richtpreise des Herstellers verraten vorab, was etwa ein Displaytausch kosten würde. Die an der Kasse angebotene Garantie­versicherung halten Verbraucherschützer dagegen oft für überflüssig.

Habt ihr schon einmal ein Gerät reparieren lassen, obwohl ein Neugerät bequemer gewesen wäre, oder hat euch der Kostenvoranschlag direkt in den Elektromarkt getrieben? Verratet es uns in den Kommentaren.
Weitere Fragen:
Stefan Trunzik

Leitender Redakteur bei WinFuture.de

IT-Journalist seit 2003, der Hardware, Spiele und Gadgets selbst im Alltag testet. Sein Fokus liegt auf Kaufberatung und Verbraucherthemen.

WinFuture bei Google bevorzugenJetzt hinzufügen


Jetzt einen Kommentar schreiben


❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!