Das Security-Märchen: Warum teure Antiviren-Abos überflüssig sind
Viele private PC-Nutzer zahlen für Antiviren-Software. Dabei reichen integrierte Schutzprogramme wie der Windows Defender völlig aus. Externe Scanner sind oft überflüssig und können durch eigene Schwachstellen sogar ein Risiko darstellen.
Für die Anbieter ist das ein gutes Geschäft. Einmalige Lizenzen gingen zuletzt nach Angaben des deutschen IT-Branchenverbandes Bitkom für durchschnittlich 42,50 Euro über den Tisch, für Abos wurden 29,70 Euro pro Jahr ausgegeben. Dabei können Verbraucher an dieser Stelle durchaus sparen - denn es gibt gute Gründe, auf solche Antiviren-Software zu verzichten. Infografik Sicherheit im Netz: Deutsche fürchten sich vor Datenmissbrauch
Auf Smartphones sorgen die Apple-iOS- und Google-Android-App-Stores bereits für ein hohes Maß an Sicherheit, indem die Software, die bei den Anwendern landet, geprüft wird. Und in Macs arbeitet bereits seit vielen Jahren die XProtect-Antimalware-Technologie recht zuverlässig.
Auch Windows-Nutzer werden von Microsoft gut bedient: Microsoft Defender (Antivirus), das auf jedem Windows-PC installiert ist, besteht routinemäßig die Tests unabhängiger Labore, die die Wirksamkeit von Sicherheitssoftware messen. An diese Testergebnisse kommen auch die Virenscanner der Spezialisten, wie etwa Norton, Avira, McAfee und Co., nicht immer heran.
Die Grundlage von Virenscannern besteht darin, bekannte Malware in anderen Daten zu erkennen und gegen sie vorzugehen. Und hier liegt das Problem: Bekannte Schadcodes wurden bereits analysiert - es ist also klar, welche Schwachstelle sie mit einem Exploit ausnutzen.
Es liegen also grob stets ungefähr zeitgleich Updates für die Virensignatur-Datenbank der Sicherheitssoftware und Patches für das Betriebssystem vor. Letztere sind kostenlos. Wer also seine Software auf dem neuesten Stand hält, hat von bekannten Viren recht wenig zu befürchten.
Die meisten großen Cybercrime-Kampagnen - das war in den letzten Jahren meist Ransomware - sind nicht zwingend auf Sicherheitslücken angewiesen. Vielmehr hoffen die Betreiber, dass der Nutzer ihnen freiwillig Zugang zum System gewährt, indem er auf einen E-Mail-Anhang klickt, nachfolgende Sicherheitswarnungen ignoriert und die Ausführung des Codes genehmigt.
Es bleibt ein kleines Restrisiko, dass eine Malware mit einem Zero-Day-Exploit daherkommt, bevor Patches bereitstehen. Virenscanner wollen solche unbekannten Gefahren mit heuristischen Methoden auch dann erkennen, wenn ihre Signatur-Datenbank nicht aktualisiert ist. Zero-Day-Exploits sind aber wertvoll und werden normalerweise gegen Ziele eingesetzt, bei denen es sich finanziell lohnt. Für private Nutzer bleibt das Risiko daher überschaubar.
Dann könnt ihr euch das Geld für den Kauf einer Antiviren-Software bedenkenlos sparen. Das gilt ausdrücklich nicht für Security-Lösungen, die für Unternehmensnetze entwickelt wurden. Diese funktionieren auf einem anderen Niveau und sind entsprechend teurer. Wenn der Admin eurer Firma also einfordert, dass ihr die Endpoint-Monitoring-App auf dem im Homeoffice genutzten PC installiert, solltet ihr dem auch nachkommen.
Das Geschäft mit teuren Antiviren-Apps
Wenn man sich einen neuen Computer zulegt, sind häufig Testversionen von Antiviren-Tools vorinstalliert, die dann für den Abschluss einer kostenpflichtigen Lizenz werben. Dies ist nicht ganz erfolglos: Jeweils rund ein Drittel der Nutzer kauft entweder einmalig eine Nutzungslizenz oder schließt direkt ein Abo ab. Und auch auf Smartphones sind entsprechende Tools immer wieder zu finden.Für die Anbieter ist das ein gutes Geschäft. Einmalige Lizenzen gingen zuletzt nach Angaben des deutschen IT-Branchenverbandes Bitkom für durchschnittlich 42,50 Euro über den Tisch, für Abos wurden 29,70 Euro pro Jahr ausgegeben. Dabei können Verbraucher an dieser Stelle durchaus sparen - denn es gibt gute Gründe, auf solche Antiviren-Software zu verzichten. Infografik Sicherheit im Netz: Deutsche fürchten sich vor Datenmissbrauch
1. Der Schutz von Windows und Co. reicht aus
Moderne Betriebssystem-Plattformen bringen von sich aus bereits einen soliden Schutz mit. Die Hersteller haben hier über die Jahrzehnte hinweg dazugelernt und integrierten diverse Sicherheitssysteme in ihre Produkte.Auf Smartphones sorgen die Apple-iOS- und Google-Android-App-Stores bereits für ein hohes Maß an Sicherheit, indem die Software, die bei den Anwendern landet, geprüft wird. Und in Macs arbeitet bereits seit vielen Jahren die XProtect-Antimalware-Technologie recht zuverlässig.
Auch Windows-Nutzer werden von Microsoft gut bedient: Microsoft Defender (Antivirus), das auf jedem Windows-PC installiert ist, besteht routinemäßig die Tests unabhängiger Labore, die die Wirksamkeit von Sicherheitssoftware messen. An diese Testergebnisse kommen auch die Virenscanner der Spezialisten, wie etwa Norton, Avira, McAfee und Co., nicht immer heran.
2. Angriffe gehen an Antiviren-Programmen vorbei
Die meisten Gefahren, mit denen Nutzer heute konfrontiert sind, haben nur wenige Überschneidungen mit klassischen Virenscannern. Hier kommt es vielmehr darauf an, dass Nutzer mit der gebotenen Aufmerksamkeit agieren und die Betriebssystem-Anbieter nicht aktiv daran hindern, ihnen zu helfen.Die Grundlage von Virenscannern besteht darin, bekannte Malware in anderen Daten zu erkennen und gegen sie vorzugehen. Und hier liegt das Problem: Bekannte Schadcodes wurden bereits analysiert - es ist also klar, welche Schwachstelle sie mit einem Exploit ausnutzen.
Es liegen also grob stets ungefähr zeitgleich Updates für die Virensignatur-Datenbank der Sicherheitssoftware und Patches für das Betriebssystem vor. Letztere sind kostenlos. Wer also seine Software auf dem neuesten Stand hält, hat von bekannten Viren recht wenig zu befürchten.
Die meisten großen Cybercrime-Kampagnen - das war in den letzten Jahren meist Ransomware - sind nicht zwingend auf Sicherheitslücken angewiesen. Vielmehr hoffen die Betreiber, dass der Nutzer ihnen freiwillig Zugang zum System gewährt, indem er auf einen E-Mail-Anhang klickt, nachfolgende Sicherheitswarnungen ignoriert und die Ausführung des Codes genehmigt.
Es bleibt ein kleines Restrisiko, dass eine Malware mit einem Zero-Day-Exploit daherkommt, bevor Patches bereitstehen. Virenscanner wollen solche unbekannten Gefahren mit heuristischen Methoden auch dann erkennen, wenn ihre Signatur-Datenbank nicht aktualisiert ist. Zero-Day-Exploits sind aber wertvoll und werden normalerweise gegen Ziele eingesetzt, bei denen es sich finanziell lohnt. Für private Nutzer bleibt das Risiko daher überschaubar.
3. Virenscanner sind selbst problematisch
Aufgewogen wird dieses dann aber von der Gefahr, die von den Antiviren-Produkten selbst ausgeht. Bei diesen handelt es sich um komplexe Software, die entsprechend auch regelmäßig eigene Schwachstellen mitbringt. Und da diese Security-Tools immer mit sehr weitgehenden Rechten ausgestattet sein müssen - sonst würden sie schlicht nicht funktionieren - öffnen sie schnell neue Löcher, über die Malware in einem System großen Schaden anrichten kann. Infografik Cybersicherheit: E-Mails bleiben größtes Sicherheitsrisiko
Unser Fazit und Tipps:
Im privaten Bereich sollte man also für folgende Punkte sorgen:- Sicherheits-Features des Betriebssystems nicht abschalten
- Regelmäßig Patches für Windows, macOS und Co. installieren
- Automatische Updates aktivieren und nicht verhindern
- Nicht auf unbekannte E-Mail-Anhänge oder Messenger-Zusendungen klicken
Dann könnt ihr euch das Geld für den Kauf einer Antiviren-Software bedenkenlos sparen. Das gilt ausdrücklich nicht für Security-Lösungen, die für Unternehmensnetze entwickelt wurden. Diese funktionieren auf einem anderen Niveau und sind entsprechend teurer. Wenn der Admin eurer Firma also einfordert, dass ihr die Endpoint-Monitoring-App auf dem im Homeoffice genutzten PC installiert, solltet ihr dem auch nachkommen.
Zusammenfassung
- Viele Nutzer kaufen Antiviren-Software beim Kauf eines neuen PCs
- Probierversionen von Antiviren-Tools oft bereits vorinstalliert
- Einmalige Lizenzen kosten laut Bitkom durchschnittlich 43 Euro
- Abos für Antiviren-Software liegen bei etwa 30 Euro pro Jahr
- Moderne Betriebssysteme bieten bereits integrierten Schutz
- Microsoft Defender besteht regelmäßig unabhängige Sicherheitstests
- Aktualisierung des Betriebssystems schützt effektiv vor bekannten Viren
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