Obsoleszenz-Experte: "Reparieren macht glücklich"

Obsoleszenz, also der schon in der Produktion beabsichtigte Verstoß gegen nachhaltige Qualität, bleibt Verbraucher-Thema. Der Direktor des Deutschen Museums in München, Wolfgang Heckl, vertritt die These: "Reparieren macht glücklich."

Im Gespräch mit süddeutsche.de fordert Heckl: "Wir brauchen vor allem eine neue Kultur des Reparierens in der Gesellschaft. Reparatur-Cafés etwa, bei denen sich Leute übers Internet zusammen tun, sich treffen und Dinge wieder in Gang setzen." Im Herbst soll sein Buch "Die Kultur der Reparatur" erscheinen.

Der 54-Jährige nennt etwa als Beispiel für Obsoleszenz elektronische Zahnbürsten: "Ich habe mich schon oft geärgert, dass sich bei diesen Zahnbürsten der Akku nicht austauschen lässt, wenn die Lebensdauer zu Ende ist. Hier, schauen Sie, da habe ich noch zwei Bürsten, die den Geist aufgegeben haben. Könnte man die Akkus tauschen, hätte ich sie weiter verwenden können." Auch im WinFuture-Forum sind Beispiele von vermutlich absichtlichen Ingenieurs-Fehlleistungen immer wieder Thema.

Verbraucher seien deshalb gefragt, ihre Marktmacht so einzusetzen, dass kurzlebige Produkte gar nicht erst erfolgreich sind, so Heckl. Der studierte Biophysiker sagt: "Wer alle neun Monate ein neues Handy braucht, weil das cool ist, der ist natürlich mit verantwortlich. Die Industrie stellt her, was der Verbraucher akzeptiert. Es liegt an ihm zu definieren, was er für richtig hält - auch durch sein Kaufverhalten. Wenn ich etwas wertschätze, das lange hält und auch reparierbar ist, dann stellt sich die Industrie auch darauf ein."


In Deutschland ist etwa die Plattform "Murks - Nein Danke!" ein Treffpunkt von Obsoleszenz-Gegnern. Dort werden einschlägig bekannte Produkte und Tricks wie beispielsweise von Drucker-Herstellern gesammelt, dokumentiert und Strategien dagegen diskutiert. Im englischsprachigen Bereich hat sich I fix it mit seinen Einschätzungen zur Reparatur-Möglichkeiten bei gängigen Produkten wie Smartphones, Laptops und Gadgets einen Namen gemacht - auch wegen ausführlicher Anleitungen zur Selbsthilfe.
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So... und jetzt überlegt mal, warum manche Konzerne verzweifelt den klassischen PC totreden: Weil man den noch wunderbar reparieren kann. Bei Notebooks und Mini-PCs wird das schon schwieriger und bei Tablets und Handys so gut wie unmöglich. Ich vermute, dass dies bei Fernsehern ähnlich ist, sodass Röhrenfernseher leichter zu reparieren sind als LCD/LED Fernseher und darüber hinaus noch länger halten.
 
@Pizzamann: Bei LCD/ LCD Fernseher sind ja oft irgendwelche Elko's, die zuerst Probleme verursachen. Meistens sind da auch oft minderwertige drin. Vor allem bei Samsung LCD/ TFT/ LED ist das extrem.
 
@ephemunch: Lese ich zum ersten mal und kann ich nicht bestätigen. Ich habe es mit unzähligen Samsung Geräten zu tun gehabt, welche alle samt noch funktionieren und ich sie nur aufgrund modernerer Technik ausgetauscht habe. Ein 8 Jahre alter 19" monitor, ein 3 Jahre alter Fernseher und ein 1,5 Jahre alter Monitor, alle ohne Probleme.
 
@ephemunch: Ich kann es dagegen bestätigen! Habe einen Syncmaster und musste nach 2 Jahren alle Elkos im Netzteil tauschen. Das gleiche war bei meinem Kumpel. Auch Samsung. Aber Samsung ist da gar nicht so viel Vorwurf zu machen. Die Geräte stammen aus einer Zeit, als ein China-Hersteller das Rezept für günstige Elkos geklaut hat und dann den Markt mit minderwertigen aber billigen Elkos überschwemmt hat. Samsung hat halt auch dort eingekauft. Dass die nach zwei Jahren dann ihren Geist aufgeben, hat damals anscheinend keiner gewusst. Mittlerweile werden die auch nicht mehr verbaut.
 
[re:4] Link am 28.04.13 19:21 Uhr
(+5
@kkp2321: über die 8 Jahre für den einen Monitor kann man sich langsam vielleicht auch freuen (bei mir setzt die Freude bei Monitoren aber nicht vor ihrem 10 Geburtstag ein), aber 3 oder 1,5? Diese Geräte sind doch noch neu, da sollte es doch eine Selbstverständlichkeit sein, dass sie problemlos laufen.


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