DSL-Drossel: Router-Anbieter wirft Telekom Lüge vor

Nach der Ankündigung der faktischen Abschaltung von Internet-Zugängen ab einem bestimmten Traffic-Volumen durch die Deutsche Telekom hat ein Hersteller von Routern den Konzern der Lüge bezichtigt.

Denn die Telekom hatte in ihrer Mitteilung den Eindruck erweckt, dass das stetig steigende Datenvolumen ihre Netze überlastet und deshalb Milliarden in deren Ausbau investiert werden müssten. Seitens der Firma Viprinet, die Router für den Business-Bereich anbietet, bezeichnete man dies als "hanebüchen". In Deutschland gebe es gigantische Backbone-Überkapazitäten, hieß es.

Der Datenverkehr in diesem Rückgrat des Internets sei zu Spottpreisen zu realisieren. "Bei einem DSL-Zugang macht das in der Gesamtkalkulation des Providers nur Centbeträge aus. Die wahren Kosten liegen bei den Zugangsmedien - die DSL-Wettbewerber der Telekom zahlen kräftig an diese, um die vom Steuerzahler bezahlten und längst abgeschriebenen Kupferleitungen mit nutzen zu dürfen", sagte Viprinet-Geschäftsführer Simon Kissel. Dadurch schreibe die Telekom Milliardengewinne, die sie aber nicht in einen Ausbau der Zugangsnetze investiert.

Dies reiht sich nach Ansicht des Managers in das Bestreben der Telekom ein, wieder zur alten Monopolposition zurückzufinden. Dem dient beispielsweise auch der Vorstoß der Telekom, statt den Glasfaser-Ausbau bis in die Haushalte voranzutreiben, auf die DSL-Vectoring-Technologie zu setzen. Kissel zeigte sich überzeugt, dass die Telekom über dieses Vehikel die Kontrolle über die letzte Meile zurückbekommen möchte, um Mitbewerber aus dem Markt zu drängen - schließlich kann Vectoring nur funktionieren, wenn alle DSL-Anschlüsse in einem Kabelverzweiger in der Hand eines einzigen Anbieters liegen.


Der Telekom-Vorstoß ist nach Ansicht Kissels zusätzlich problematisch, weil das Gebot der Netzneutralität dadurch weiter ausgehöhlt wird. Denn die Telekom-Dienste werden von der Volumen-Begrenzung nicht betroffen sein. Andere Content-Anbieter, die beispielsweise IPTV oder Video-on-demand bereitstellen, würden damit faktisch ausgesperrt.

Da die Telekom hier Infrastruktur- und Internet-Anbieter in einem ist, setzt man sich hier laut Kissel großer Gefahr aus. Er wirft die Frage auf: "Wer weiß, ob ich über T-Entertain einen Telekom-kritischen Bericht empfangen darf?"

Die Konsequenz aus diesem Gedanken wäre letztlich eine Trennung des Netzbetriebs von den inhaltlichen Angeboten. Dies könnte entweder in einer Zerschlagung des Konzerns funktionieren, oder in einer Rücküberführung der Infrastruktur in öffentliche Hand.

Letzteres brachte der Berliner Piraten-Abgeordnete Christopher Lauer ins Gespräch: "'Netze in Nutzerhand' ist ja eine alte Forderung der Piraten. Wir sollten in der Tat die Telekom enteignen und den Bürgerinnen und Bürgern ihr Netz zurückgeben", erklärte er und forderte außerdem, die Netzneutralität in die Verfassung zu schreiben. In Ländern wie den Niederlanden sei das Prinzip immerhin auch gesetzlich verankert.
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@andreas2k: Da du die "igantische Backbone-Überkapazitäten" nachvollziehen kannst?
 
[re:2] BadMax am 24.04.13 18:05 Uhr
(+31
@kkp2321: Der Text bietet wohl mehr Inhalt ( außer Überkapazitäten ) dem man zustimmen kann.
 
@BadMax: Das ist richtig und dennoch ist das meiste für nicht-branchen-kenner absolut nicht nachvollziehbar. Man kann dem Zustimmen weil es einem gefällt das in der Sache dagegen argumentiert wird, man kann aber nicht zustimmen weil man es in der Sache bestätigen kann.
 
[re:5] Tomarr am 24.04.13 18:07 Uhr
(+31
@kkp2321: Selbst wenn die Überkapazitäten nicht ganz so gigantisch seinsollten, so ist es doch recht eindeutig dass die Telekom sich vor der Verpflichtung eines effektiven Ausbaus des Netzes drücken will und hier nicht vorhandene Probleme aus dem Nichts erzeugt.


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