US-Anwalt will alle Urteile gegen Filesharer kippen

Recht, Politik & EU Kiwi Camara, ein Anwalt aus den USA, will die RIAA, den Branchenverband der Musikindustrie, vor Gericht dazu zwingen, sämtliche bisher von Filesharern eingeklagten Geldbeträge zurück zu zahlen. Den ersten Schritt will er dafür in einem Einzelverfahren gehen, das aktuell stattfindet. Seine Argumentation: Die Beweise, die die RIAA-Anwälte gegen Tauschbörsennutzer vorbringen wurden nicht gemäß der US-Gesetzgebung zusammengetragen und sind damit samt und sonders ungültig, erklärte er gegenüber dem Magazin 'ArsTechnica'.

Unter anderem will er die Zusammenarbeit der RIAA mit der Firma MediaSentry für die Verteidigung seines Mandanten nutzen. Von dem Unternehmen stammen sämtliche IP-Adressen, von denen aus Urheberrechtsverletzungen begangen worden sein sollen. MediaSentry ist an ihrem Sitz im US-Bundesstaat Minnesota aber nicht als Privatermittler zugelassen und die von der Firma gesammelten Beweise seien daher unzulässig, so Camara.

Camara führte weiterhin aus, dass die RIAA in keinem bisherigen Prozess ihre Rechte an dem getauschten Material in einer Art und Weise belegt hat, wie es nötig wäre. Laut der Verfahrensrichtlinien müssten zertifizierte Kopien der Copyright-Registraturen vorgelegt werden, was aber bisher nicht der Fall war.

Die RIAA-Anwälte legten zwar stets Dokumente vor, die den Richtern in den bisherigen Verfahren genügten - immerhin müssten zertifizierte Kopien stets in einem bürokratischen und teuren Verfahren vom US Copyright Office beschafft werden. Camara sieht hier aber eine Chance, nahezu alle bisherigen Urteile wegen Verfahrensfehlern zu kippen.

Sollte dies im aktuellen Einzelfall gelingen, will der Anwalt in Zusammenarbeit mit Charles Nesson, einem Jura-Professor der renommierten Harvard-Universität, eine Sammelklage anstrengen und sämtliche bisher von der RIAA erstrittenen Beträge zurückholen.

Dieses Vorhaben klingt zwar nach einem gewissen Grad an Größenwahn - immerhin stehen hinter der RIAA mächtige Medienkonzerne. In Juristenkreisen werden ihm aber durchaus Chancen eingeräumt. Immerhin gilt er als einer der vielversprechendsten Junganwälte der USA und hat als bisher jüngster Jurist das Auswahlverfahren der Harvard Law School bestanden.
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