NIU MQi GT: Elektro-Roller für Eilige bringt es auch mal auf 70km/h

Es bieten sich heutzutage viele Möglichkeiten, um mit der Elektromobilität in Kontakt zu kommen. Da unser Kollege Timm Mohn mit dem Leihangebot von Süwag2Go in Sachen E-Roller Blut geleckt hat, fährt er inzwischen seinen eigenen Roller: den NIU MQi GT.

Den MQi GT gibt es in zwei verschiedenen Varianten, die 45km/h sowie 70km/h schnell sind. Für die 45km/h-Variante benötigt man keinen extra Führerschein, während man B196 oder mindestens A1 für die schnellere Variante vorweisen muss. Über verschiedene Fahrmodi lässt sich die Höchstgeschwindigkeit auf 25km/h (E-Save) sowie 55km/h (Dynamic) begrenzen. Im Sportmodus fährt der MQi GT die vollen 70km/h. Die verschiedenen Modi haben keinen Einfluss auf die Führerschein-Pflicht. Da die 45km/h Variante vor allem innerorts punkten kann, dürfte für viele Pendler die 70km/h Version interessanter sein. Erfahrungsgemäß wird man aber selbst mit dieser auf Bundesstraßen regelmäßig überholt. Spätestens bei Steigungen verringert sich die Höchstgeschwindigkeit dazu oftmals auf 50-60km/h, da der 3.000-Watt-Bosch-Motor auch auf Hochtouren nicht gegen eine ansteigende Fahrstrecke ankämpfen kann.

Damit man sicher im Verkehr unterwegs ist, sollte man sich in fast jedem Fall neue Rückspiegel kaufen: die Standard-Spiegel sind auch für kleinere Personen viel zu kurz. Schon während der Probefahrt merkten nicht nur Timm, sondern auch seine Freundin, dass man kaum etwas vom Verkehr hinter sich mitbekommt. Zwar ist ein Schulterblick immer unerlässlich, das Upgrade auf verlängerte Rückspiegel beim MQi GT allerdings auch.

Gut im Blick hingegen hat man das monochrome Dashboard: In großen Lettern wird die aktuelle Geschwindigkeit angezeigt. NIU nutzt den Platz auf dem Display aus, um alle notwendigen Informationen darzustellen. Auch bei starker Sonneneinstrahlung bleibt die Anzeige gut ablesbar. NIU hat dem MQi GT 14-Zoll-Räder spendiert. Den Unterschied zu Rollern mit kleineren Reifen merkt man schnell. Innerorts fühlt man sich mit der Reifengröße sehr wohl. Geht es ans Pendeln in die nächste Stadt, dürften bei 70km/h die Reifen gern noch etwas größer und breiter sein. Der MQi GT wird standardmäßig mit Sommerreifen geliefert. Das kann, wenn man nur bei schönem Wetter fährt, ausreichen. Ist man aber bspw. für den Arbeitsweg bei jedem Wetter auf den Roller angewiesen, kann es sich lohnen, direkt bei der Vertragswerkstatt Allwetterreifen zu bestellen.

App inklusive

Beim MQI GT handelt es sich um einen Dauersender: mit Hilfe einer Vodafone-Simkarte gibt der Roller ständig die Position an die App weiter, sodass man den Roller leicht wiederfindet. Aktuell (Stand August 2021) macht die Anwendung leider einige Probleme, sodass Fahrer von den smarten Features erst im späteren Verlauf profitieren werden. Da für das grundsätzliche Fahrvergnügen die App nicht ausschlaggebend ist, kann dieser Fakt aber vernachlässigt werden. Es bleibt zu hoffen, dass NIU hier Updates nachschiebt. Da NIU nur 3 Jahre App-Support garantiert, dürften die meisten Fahrer sowieso länger ohne als mit Anwendung fahren.

Mit Strom wird der Roller durch die derweil vierte Generation an Akkus versorgt. Hierzulande gibt es den MQi GT aktuell nur als Standard Range-Version mit einer Reichweite von um die 70 bis 80 Kilometer. Im umliegenden EU-Land ist teils bereits die Extended Range Variante auf den Markt gekommen. Mit jener können bis zu 96 Kilometer gefahren werden. Dass die Extended Version deutlich teuer ist, dürfte viele Interessenten abschrecken. Die Akkus können bei der Standard sowie Extended-Range ex- oder intern geladen werden. Je nachdem, wo der Roller steht, kann das Tragen der 11 Kilo Akkus schnell zum kleinen Workout werden. Leider ist der Ladevorgang nicht gerade leise: im Wohn- oder Schlafzimmer wird man die Batterie so wohl nicht oder nur im Notfall nachladen.

Für viele dürfte aktuell die Frage im Raum stehen, ob man sich für den NIU MQi GT oder den neuen UNU Scooter entscheiden soll. Im Vorfeld zum oben stehenden Video bestand bei unserem Kollegen die gleiche Frage. Allerdings bietet der MQi GT einige Extra-Features (wie etwa Tempomat oder die akustische Begleitung des Blinkers), über die der UNU Scooter nicht verfügt. Außerdem bietet der MQi GT einen großen Vorteil: Sollte man einmal die ECU-Batterie geleert haben, lädt sich diese problemlos im Roller wieder auf, sobald die großen Akkus eingesetzt werden. Beim UNU ist das nicht so einfach möglich.

Wer den MQi GT einmal Probefahren möchte, kann dies bei verschiedenen Händlern in Deutschland anfragen. Meist ist, falls überhaupt notwendig, ein Termin kurzfristig möglich. Eine Probefahrt ist unbedingt anzuraten, um sich bspw. zu vergewissern, dass der Roller einem nicht zu groß ist. Nur einen Nachteil hat eine solche Probefahrt: Die Zeit zwischen der Bestellung und der Lieferung kann je nach aktuellem Bestand bis zu vier Wochen dauern. Blickt man auf die aktuellen Lieferzeiten mancher Autohersteller ist das allerdings immer noch sehr schnell.

Vorteile

  • 45km/h und 70km/h Varianten preisgleich
  • Hohe Sitzbank (gut für große Fahrer)
  • Große Sitzbank ermöglicht Fahrt zu zweit
  • Große 14 Zoll Räder
  • Tempomat für bspw. Tempo 30 Zonen
  • Blinker schalten sich (meist) automatisch ab
  • Verschiedene Farben verfügbar
  • Geringe Instandhaltungskosten
  • Haupt- und Nebenständer vorhanden
  • Akkus können in- und extern geladen werden
  • Schnelle Ladezeit (Dual: 4,5 Stunden)
  • Ladegerät passt unter Sitzfläche
  • ECU-Batterie kann, einmal leer, problemlos wieder aufgeladen werden
  • Trotz Chip-Knappheit schnelle Lieferzeit

Neutral

  • App macht (vielfach) Probleme
  • Nur in Glossy verfügbar
  • Bodenmatte leicht in Position zu verschieben
  • 3000 Watt Motor bei Steigung zu schwach
  • Zweiter Ready-Button fragwürdig
  • (Externer) Ladevorgang (zu) laut (für Wohnbereich)

Nachteile

  • Rückspiegel viel zu kurz
  • Ab Werk nur Sommerreifen
  • Scheinwerfer bei Nacht zu dunkel
  • Kaum Stauraum ohne Topcase

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