Microsoft und IBM: Wie eine Partnerschaft an OS/2 gescheitert ist

Die Entwicklung des PCs war zu Beginn vor allem ein reibungsvolles Wechselspiel zwischen IBM und Microsoft. Hier wurden viele Weichen gestellt, wichtige Entwicklungen angeschoben und gravierende Fehler gemacht. Letzteres vor allem auch von IBM, das zu spät erkannte, dass Microsoft zügig mehr wurde als nur ein Zulieferer der Betriebssoftware für die eigenen Rechner. Das zeigt auch die Geschichte des grafischen Betriebssystems OS/2, von der die Kollegen von Sempervideo zu berichten wissen.

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Die Ergebnisse, die die Nutzer dabei auf dem Computer zu sehen bekamen, waren hier nur die Spitze des Eisberges. Denn das eigentlich Trennende war die grundlegend un­ter­schied­li­che Kultur der beiden Unternehmen. Auf der einen Seite stand IBM mit seiner Aus­rich­tung auf das Geschäft mit Großunternehmen und einer Organisations- und Arbeits-Weise, gegen die jede Behörde wie ein Hort der unbeschwerten Leichtigkeit wirkt.

Andererseits war da eben Microsoft, das vor allem in den 1980er Jahren noch deutlich anders funktionierte als heute. Immerhin handelte es sich hier um eine Firma, die noch weitgehend vom Universitäts-Leben geprägt war. Am Ende kam dann zwar ein OS/2 mit einer Basis von IBM und einer grafischen Oberfläche von Microsoft auf den Markt. Gegen das längst von den Redmondern vorangetriebene Windows hatte die Insellösung des blauen Giganten dann aber schlicht keine Chance.

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OS/2 war ein geniales Betriebssystem! Wesentlich weiter entwickelt zu der Zeit als Windows. Stabiler und effizienter im täglichen Arbeiten. Ich habe es im Bankenumfeld schätzen gelernt und fand es schade, daß es so schlecht vermarktet wurde. Es hätte durchaus ein ernster Gegner von MS Windows sein können!
 
@sandvik: Mit Vermarktung hatte das damals nichts zu tun. Windows ist ja nicht durch Marketing so weiter verbreitet worden, sondern durch die Zwangsvorinstallation auf allen Rechnern. Und wenn schon was drauf ist, dann denkt der Ottonormalverbraucher nicht daran, etwas anderes zu kaufen.
 
@noneofthem: Irgendeiner meiner damaligen PCs (von Vobis oder so ner Kette) wurde erstaunlicherweise mit OS/2 Warp 4 ausgeliefert. Hab sogar versucht, es zu mögen, aber am Ende ist der Funke nicht so richtig übergesprungen...
 
@noneofthem: Zur damaligen Zeit, war IBM der Platzhirsch. Rechner mit vorinstallierten Windows gab es kaum. Man musste, wenn nicht dazugeliefert Windows 3.11 von Diskette installieren. Das Änderte sich alles mit Windows 95 grundlegend.
 
@noneofthem: Vorinstallation ist Marketing! Mehr nicht :)
 
@sandvik: Es wurde nicht nur schlecht vermarktet, OS/2 1.x lief einfach völlig am Markt vorbei (sowohl Hobby, als auch Profi), und von den Verzögerungen durch den Ausstieg von MS hat sich OS/2 danach irgendwie nie so richtig erholt.
 
War OS/2 eigentlich NT-Kompatiebel? Hatten ja am Anfang zumindest die gleiche Basis.
 
@winman3000: Nein, aber in den ersten NT Versionen gab es ein Subsystem für OS/2
 
@winman3000: Nein, sie hatten niemals die gleiche Basis. Sie haben eine komplett unterschiedliche Betriebsystem-Architektur. Windows NT ist ein modular aufgebautes Betriebssystem und zum größten Teil bereits in Hochsprache programmiert. Damit konnte man das System auf verschiedenen Plattformen laufen, z.B. neben x86 auch Mips und Alpha. OS/2 war monolithisch und größtenteils in Assembler geschrieben. Etwas zur Verwirrung kann aber geführt haben, dass Microsoft Windows NT ursprünglich während der Entwicklung noch als Erweiterung von OS/2 bezeichnete. Aber schon bei Erscheinen nicht mehr. Technisch ist es das aber in keinem Stück. Und es gab in Windows NT ein OS/2 Subsystem, so dass man OS/2 Programme unter NT ausführen konnte. Leider ohne GUI, was es ziemlich witzlos machte.
 
Der wesentliche Unterschied zw. OS/2 und Windows bis Win98 war, das OS/2 Betriebssystem und grafische Oberfläche in einem gewesen ist, während Windows auf einem DOS Aufsetzte. Der zweite Unterschied, im OS/2 ist Multitasking bereits enthalten gewesen (Systemvoraussetzung 80386er) und DOS konnte das nie aus sich heraus, sondern brauchte Zusatzsoftware wie Quemm386.... damit konnte man dann z.b. auch mehrere DOS-Programme in den Arbeitsspeicher laden/starten und dazwischen hin und her wechseln. Man konnte sogar zw. einem DOS-Programm und Windows 3.x hin und her switchen, weil Windows eben auch nur ein DOS-Programm war.

Der Haken an OS2 war einerseits seine Unterirdische Übersetzung (da hieß es z.B. sehr umständlich Benutzereingabegerät statt Tastatur) und zum anderen fehlte es an Software-Auswahl, weshalb OS2-Nutzer dann oft doch wieder Windows-Anwendungen in der mitgelieferten Windows-Emulation laufen ließen, sofern die dort funktionierten ...

So richtig wirklich "stabil" habe ich OS2 nicht in Erinnerung, das schmierte auch dauernd ab.

Was das Marketing betrifft, war es zum Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre so üblich, das man sich die Hardware vom PC individuell zusammenbauen lassen und mit einem OS nach Wahl Ausstatten lassen oder von einem Filial-Händler wie Vobis oder Escom was Vorkonfiguriertes kaufen konnte. Je weiter man in der Zeit zurück geht, war es anfänglich sogar durchaus üblich PCs ohne Festplatte zu kaufen! Man hatte dann in der Regel zwei Disk-Laufwerke. Für Privatnutzer bezahlbare Festplatten kosteten in den Anfängen um die 100 Mark (50 Euro) je 10 Megabyte Kapazität. Weiß ich noch gut, da ich in den verrückten Zeiten mal 1699 Mark für 'ne 170 MB Platte auf'n Tisch gelegt hatte ... ein Irrsinn ... aber wenn man so sieht, wie viel Geld heute für Spielegrafikkarten Investiert wird ... Hobby kostet halt, man gönnt sich ja sonst nix ;-)
 
@Hobbyperte: Qemm 386 ist ein reiner Speichermanager, wie emm386.sys auch, nur dass er effektiver ist. Es gab auch eine Multitasking-Version von MS-DOS, und zwar die Version 4.00 (die 4.01 war wieder Single-Task). OS/2 sollte man auch nicht mit MS-DOS+Windows 3.11 oder später 95 vergleichen, sondern mit dem gleichzeitig vorhandenen Windows NT 3 und 4, und die brauchen auch kein MS-DOS darunter.

Die Softwareauswahl unterf OS/2 Warp 3 war richtig riesig, denn es konnte jegliche Software für Windows 3.11 problemlos ausführen, selbst die Multimedia-Sachen mit Video-4-Windows funktionierten. Zumindestens OS/2 Warp 3 lief rockstable. Wir hatten damals einen OS/2-Rechner in der Firma, auf dem lief ein Maximus-BBS mit 2 Modems, eine längere Updtime als der hatte kein anderer PC, nichtmal der Novell-Server.

Das Problem von OS/2 Warp 3 war Windows 95. Nicht das 95 technisch besser war, sondern weil es dafür auf einmal richtig viel Software gab, die unter OS/2 nicht mehr ausgeführt werden konnte. Darunter auch das ganze DirectX Gedöns (Spiele).
 
@1ST1: So hatte ich das ja selber erlebt und oben gemeint. Die Software für OS2 wurde auch nicht oder zu zögerlich weiter entwickelt, oder es haperte an der Verteilung von Updates. Es gab ja noch kein Internet so wie heute. Ein "Update" war damals einfach eine neue Version, die ggf. wiederum bezahlt werden musste ...

BBS ... kennen die allermeisten heute nicht mehr. Wofür stand doch gleich das erste B? ...Box System ??
Es handelte sich um einen Computer der quasi als Server über ein Modem per Telefonleitung erreichbar war. Wer die Zugangsdaten hatte konnte dann Texte, Bilder, Inhalte Abrufen oder auch Dateien und ggf. auch Dateien hoch laden oder verändern/überschreiben, je nach dem wie die Rechte eingestellt waren. Die Darstellung auf dem Monitor basierte rein auf ASCII-Text. Da stand etwa ein Menü und man musst dann Zahlen oder Buchstaben zur Auswahl drücken und kam damit in ein weiteres Menü usw. bis man am Ziel war. Später gab es auch Software die per Maus bedient werden konnte, immerhin ;-).
An die Telefonnummern der BBS kam man über Computer-Magazine und ggf. über Listen die auf den BBS selbst Abgelegt wurden, womit sich bspw. "befreundete" Dienste vernetzen konnten. Aber man konnte nie die Nummern aller erreichbaren Systeme kennen, weil es dafür kein allumfassendes "Telefonbuch" gab und das hätte ja auch permanent gepflegt werden müssen. viele Systeme wurden zudem privat betrieben, da war es auch üblich, das Systeme nur zu bestimmten Uhrzeiten Online waren ... zb. nur Nachts oder auch nur Tagsüber, während der Bürozeiten, oder nur am Wochenende usw.

Was den Quemm betrifft hast Du natürlich Recht. Aber wer Quemm hatte, der hatte sicherlich auch Desqview oder wie das hieß? Das war dann sozusagen der "Taskmanager" über welchen man verschiedene Programme starten und zwischen ihnen hin und her wechseln konnte.
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