Neuer Materialzustand ebnet Weg zu Hochtemperatur-Supraleitern

Einem internationalen Team aus Japan, Taiwan und den USA ist ein wichtiger Fortschritt in der Supraleitungsforschung gelungen. Insbesondere den begehrten Hochtemperatur-Supraleitern kommt man dadurch deutlich näher.
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Drei Schichten Kupferoxid

Die Wissenschaftler berichten in Nature Communications über die erstmalige Beobachtung eines neuartigen elektronischen Zustands in Kupferoxidschichten. Supraleiter leiten Strom ohne jeden Widerstand, verlieren jedoch meist schon bei geringen Temperaturschwankungen ihre besonderen Eigenschaften. Materialien zu entwickeln, die auch bei Raumtemperatur supraleitend bleiben, gilt daher als eine der großen Herausforderungen der Materialforschung.

Die jetzt entdeckte Phase, ein sogenannter "Nodal Metal"-Zustand, trat in einem dreischichtigen Kupferoxid-System auf, genau jener Struktur, die bekanntermaßen die höchsten Übergangstemperaturen unter den Kupferoxid-Supraleitern erreicht. Warum das so ist, war bislang unklar.


Mit Hilfe hochauflösender Photoelektronenspektroskopie an einem Synchrotron konnten die Forscher nun beobachten, wie sich Elektronen in den einzelnen Schichten verhalten. Dabei zeigte sich Überraschendes: Selbst bei Temperaturen, die deutlich über der eigentlichen kritischen Temperatur liegen, fanden die Forscher in den inneren Schichten elektronische Signaturen, die typisch für Supraleitung sind, und das trotz extrem geringer Dotierung.

Ein wichtiger Schritt

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Supraleitung in den inneren Schichten durch die Wechselwirkung mit den äußeren stabilisiert wird. Diese Art "Nähe-Effekt" könnte laut den Forschern der Schlüssel dafür sein, warum Dreifach-Schicht-Kuprate so hohe Übergangstemperaturen erreichen.

Zugleich stellten die Wissenschaftler fest, dass die gemessene Energielücke, ein zentrales Merkmal supraleitender Zustände, deutlich größer ist als bei herkömmlichen Supraleitern. Das spricht dafür, dass in diesen Materialien bislang unterschätzte Mechanismen wirken.

Die Entdeckung könnte künftig als Leitlinie dienen, um Materialien gezielt für noch höhere Übergangstemperaturen zu gestalten. Für die Vision eines Supraleiters, der auch bei alltäglichen Temperaturen funktioniert, bedeutet sie zumindest: Der Weg dorthin wird klarer.

Zusammenfassung
  • Internationales Forscherteam entdeckt neuartigen elektronischen Zustand
  • Nodal-Metal-Zustand in dreischichtigen Kupferoxiden erstmals beobachtet
  • Photoelektronenspektroskopie zeigt supraleitende Signaturen bei höheren Temperaturen
  • Wechselwirkung zwischen inneren und äußeren Schichten stabilisiert Supraleitung
  • Größere Energielücke deutet auf bisher unterschätzte Mechanismen hin
  • Entdeckung könnte gezielte Materialentwicklung für höhere Übergangstemperaturen ermöglichen

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