Forscher finden Grenze, die klassische Computer nie knacken werden

Ein Experiment, das fast unscheinbar wirkt, sorgt für eine klare Botschaft: Quantencomputer können etwas, was klassische Rechner niemals erreichen werden. Kein Trick, kein späterer Algorithmus wird daran etwas ändern - hier gibt es eine Grenze, die für immer bestehen bleibt.
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Uneinholbar: Quantencomputer sprengen Grenzen

Worum geht es dabei überhaupt? Quantencomputer gelten als Kandidaten für die nächste Rechnergeneration. Sie verarbeiten Informationen nicht in Bits, die nur 0 oder 1 sein können, sondern in Qubits, die Überlagerungen vieler Zustände tragen. Das erlaubt ihnen, bestimmte Aufgaben anders anzugehen als klassische Maschinen. Forscher haben nun einen Nachweis (ArXiv/Preprint) gefunden, nicht für eine absolute Überlegenheit in allen Dingen, aber für eine präzise Aufgabe, bei der klassische Systeme mathematisch immer ins Hintertreffen geraten.

Die Aufgabe, die hier gewählt wurde, ist ein Spiel zwischen Zufall und Muster. Ein Quantenprozessor mit zwölf Qubits erzeugt Zustände, die anschließend mit zufälligen Messungen geprüft werden. Gemessen wird, ob die Ausgaben den "wahrscheinlichen" Quantenresultaten entsprechen.


Der Maßstab dafür ist der sogenannte Cross-Entropy-Score. Die Forscher konnten beweisen: Um denselben Wert wie das Quanten­system zu erreichen, müsste ein klassisches Gerät mindestens 62 Bits an Speicher nutzen, teilweise sogar bis zu 382 Bits - während der Quantenprozessor es mit seinen zwölf Qubits schafft. Diese Grenze ist mathematisch belegt, unabhängig davon, welche neuen Ideen klassische Algorithmen noch hervorbringen. Über zehntausend Durchläufe zeigte sich: Der Vorsprung der Quantenmaschine blieb konstant.

Man kann sich das vorstellen wie zwei Spieler, die dieselbe Menge an Information transportieren müssen. Der erste muss schwere Kisten voller Akten stapeln und schleppt sie mühsam durch den Raum. Der zweite zieht lediglich einen kleinen USB-Stick aus der Tasche, auf dem alle Daten bereits gespeichert sind. Am Ende tragen beide den gleichen Inhalt ans Ziel - doch der eine ist beladen und erschöpft, während der andere leichtfüßig weitergehen kann.

Nachweisbar nicht zu schlagen

Die Autoren sprechen von "quantum information supremacy". Das bedeutet nicht, dass Quantencomputer nun alle Probleme schneller lösen. Es heißt vielmehr: Bei dieser klar definierten Aufgabe gibt es einen Vorteil, den klassische Rechner nie einholen werden. Es ist ein Fundamentaldetail der Informationsdichte, kein Rennen um Geschwindigkeit.

Die Einordnung ist wichtig, denn in den kommenden Tagen wird man vermutlich mal wieder viele Schlagzeilen über übermächtige Quantencomputer lesen. Doch es geht nicht darum, dass heutige Quantenchips plötzlich die Weltwirtschaft berechnen oder Verschlüsselungen brechen. Es geht um einen präzisen Beweis: In bestimmten Situationen ist Quantenlogik so dicht gepackt, dass kein klassisches System sie jemals imitieren kann. Ein kleiner Schritt im Labor - und ein dauerhaft gezogener Strich zwischen zwei Welten.

Was ist ein Qubit?
Ein Qubit ist die kleinste Informationseinheit in der Quanteninformatik, vergleichbar mit dem klassischen Bit. Im Gegensatz zum klassischen Bit, das entweder 0 oder 1 sein kann, kann ein Qubit dank Quantenmechanik in einer Überlagerung dieser Zustände existieren.

Diese Eigenschaft, Quantensuperposition genannt, ermöglicht es Quantencomputern, bestimmte Berechnungen wesentlich effizienter durchzuführen als klassische Computer. Qubits können aus verschiedenen physikalischen Systemen bestehen, etwa Elektronenspins, Photonenpolarisation oder supraleitenden Schaltkreisen.
Wie funktioniert ein Qubit?
Ein Qubit nutzt quantenmechanische Eigenschaften wie Superposition und Verschränkung. In der Superposition kann ein Qubit gleichzeitig teilweise im Zustand 0 und teilweise im Zustand 1 sein, was mathematisch als Überlagerung dieser Zustände beschrieben wird.

Bei einer Messung "kollabiert" das Qubit jedoch in einen der beiden Grundzustände. Die Wahrscheinlichkeit, mit der es in den jeweiligen Zustand übergeht, hängt von seinem Quantenzustand vor der Messung ab. Durch kontrollierte Operationen können Qubits manipuliert werden, um Berechnungen durchzuführen.
Wozu braucht man Qubits?
Qubits bilden die Grundlage für Quantencomputer, die bestimmte Probleme exponentiell schneller lösen können als klassische Computer. Dazu gehören die Faktorisierung großer Zahlen (relevant für Kryptografie), Quantensimulationen und komplexe Optimierungsprobleme.

In der Zukunft könnten Quantencomputer revolutionäre Fortschritte in der Materialwissenschaft, Medikamentenentwicklung, künstlichen Intelligenz und Finanzmodellierung ermöglichen. Experten gehen davon aus, dass bestimmte Probleme, die für klassische Computer praktisch unlösbar sind, mit Quantencomputern berechenbar werden.
Wie werden Qubits hergestellt?
Es gibt verschiedene Ansätze zur physischen Realisierung von Qubits. Zu den gängigsten gehören supraleitende Qubits, die auf Josephson-Kontakten basieren und bei extrem niedrigen Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt arbeiten müssen.

Weitere Implementierungen umfassen Ionenfallen, in denen einzelne Ionen mit Lasern manipuliert werden, Quantenpunkte in Halbleitern, NV-Zentren in Diamant oder Photonen für optische Quantencomputer. Jede Methode hat spezifische Vor- und Nachteile bezüglich Skalierbarkeit, Fehlerrate und Kohärenzzeit.
Warum sind Qubits so instabil?
Qubits sind äußerst empfindlich gegenüber Umwelteinflüssen wie elektromagnetischen Feldern, Temperaturschwankungen oder mechanischen Vibrationen. Diese Störungen führen zu "Dekohärenz", dem Verlust der Quanteneigenschaften, die Qubits wertvoll machen.

Die Zeitspanne, in der ein Qubit seine Quanteneigenschaften behält (Kohärenzzeit), beträgt bei aktuellen Systemen typischerweise nur Mikro- bis Millisekunden. Wissenschaftler arbeiten intensiv daran, diese Zeit zu verlängern und Fehlerkorrekturmethoden zu entwickeln, um zuverlässige Quantenberechnungen zu ermöglichen.
Wann kommt der Quantencomputer?
Einfache Quantencomputer mit wenigen Qubits existieren bereits in Forschungslaboren und bei Unternehmen wie IBM, Google und anderen. Diese sind jedoch noch stark limitiert und können klassische Computer nicht in praktischen Anwendungen übertreffen.

Für kommerzielle, fehlertolerante Quantencomputer, die komplexe reale Probleme lösen können, rechnen Experten mit einem Zeithorizont von etwa 5-15 Jahren. Die größten Herausforderungen liegen in der Skalierung der Qubit-Anzahl bei gleichzeitiger Reduzierung der Fehlerraten und Verlängerung der Kohärenzzeiten.
Was ist Quantenüberlegenheit?
Quantenüberlegenheit (oder "Quantum Supremacy") bezeichnet den Punkt, an dem ein Quantencomputer eine Berechnung durchführen kann, die für klassische Supercomputer praktisch unmöglich ist. Google behauptete 2019, diesen Meilenstein mit ihrem 53-Qubit-Prozessor "Sycamore" erreicht zu haben.

Kritiker merken jedoch an, dass die gewählte Aufgabe sehr speziell und ohne praktischen Nutzen war. Für die meisten Anwendungen benötigen wir "Quantum Advantage" - den Punkt, an dem Quantencomputer praktische Probleme schneller oder besser lösen können als klassische Computer, wofür fehlerkorrigierte Qubits notwendig sind.
Brechen Qubits unsere Verschlüsselung?
Leistungsfähige Quantencomputer könnten tatsächlich viele der heute verwendeten Verschlüsselungsmethoden brechen, insbesondere solche, die auf der Schwierigkeit der Faktorisierung großer Zahlen basieren (wie RSA). Dafür würden allerdings tausende fehlerkorrigierte Qubits benötigt, die noch Jahre entfernt sind.

Als Antwort auf diese potenzielle Bedrohung entwickeln Kryptografen bereits "quantensichere" Verschlüsselungsmethoden, die auch von Quantencomputern nicht gebrochen werden können. Experten empfehlen, frühzeitig auf diese neuen Standards umzusteigen, um für die "Post-Quanten-Ära" gerüstet zu sein.
Zusammenfassung
  • Experiment zeigt eindeutige Überlegenheit von Quantencomputern bei einer Aufgabe
  • Quantencomputer verarbeiten Informationen in Qubits statt in klassischen Bits
  • 12-Qubit-Prozessor übertrifft klassische Rechner, die 62 bis 382 Bits benötigen
  • Forscher sprechen von einer mathematisch bewiesenen Informationsdichte-Grenze
  • Es handelt sich um 'quantum information supremacy' bei einer spezifischen Aufgabe
  • Der Vorsprung des Quantensystems blieb über zehntausend Durchläufe konstant
  • Diese Entdeckung markiert eine fundamentale Grenze zwischen zwei Rechenansätzen

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