Vor Ort auf der Gitex Global in Dubai:
Öl ist endlich, die Zukunft nicht

Die Vereinten Arabischen Emirate dürften bezüglich IT nicht allen ein Begriff sein. Doch das soll sich ändern, denn Dubai soll - für weite Teile der Welt - zur Technologie-Hauptstadt werden. Denn in den Emiraten ist wohl den meisten klar: Was passiert, wenn es aus ist?
Dubai, Gitex, Gitex Global
Gitex

Vorbereitungen für den Tag X

Dies stellt zweifellos die zentrale Frage vieler arabischer Länder dar und gemeint ist natürlich das Öl. Denn so sehr es dieser Gegend zum Reichtum verholfen hat, dürfte hier jedem klar sein, dass die Quelle des Reichtums irgendwann einmal versiegen wird. Also investieren die Emirate einerseits massiv in den Tourismus, andererseits in Technologie.

Letzteres zeigt sich dieser Tage besonders gut bei der Gitex Global, dem eigenen Angaben nach weltgrößten Event für Technologie und Startups. Genau genommen muss man hier von zwei Veranstaltungen sprechen, da die Gitex einen kleinen Bruder namens Expand North Star hat, dieser ist in erster Linie für Startups und Fintech zuständig.

Und bereits auf der North Star kann man bestens sehen, wie die Emirate diese zentrale Frage beantworten wollen, nämlich mit Themen wie KI, Robotik, VR, also allem, was das Buzzword-Wörterbuch dieser Tage so hergibt. Das ist zweifellos in Europa und Nordamerika nicht anders, auf Expand North Star zeigt sich aber vor allem, dass der Wind aus dem Osten weht. China ist naheliegend, eine besonders große Anzahl an Besuchern und Startups aus Indien, eine überraschend starke Rolle spielt auch Afrika.

Cebit auf Steroiden

Die Gitex selbst, die einen Tag später offiziell begann, ist eine Art Cebit auf Steroiden: 6000 Aussteller aus über 100 Ländern, 1800 Startups und 1400 Speaker finden sich im Dubai World Trade Center zusammen, um vier Tage ihre Produkte zu präsentieren, Kontakte zu knüpfen und neue Geschäftspartner zu finden. Das war auf der guten, alten Cebit zwar auch nicht anders, doch die Gitex und ihre Besuchermassen zeigen, wie wichtig das Persönliche auch in einer globalen und vernetzten Welt - Video-Konferenzen, VR und was es so alles gibt zum Trotz - ist.
Gitex Global 2023Rebekka Weiß, Bitkom
Eine, die es wissen muss, ist Rebekka Weiß von der Bitkom. Sie ist die Vertreterin des Digital-Branchenverbandes auf der Gitex und hat den Deutschland-Pavillon mitorganisiert: "Die Gitex ist für die ganze Tech-Branche eine der ganz großen Leitmessen weltweit und ist deshalb auch für die Bitkom einer der großen Nordsterne, wie man heute so schön sagt", so Weiß gegenüber WinFuture. Die rund 20 deutschen Aussteller sind eine bunte Mischung aus der heimischen Digitalwirtschaft.

Wenn man durch die Gitex spaziert - man sollte aber eher von Wanderung machen sprechen - dann kann man relativ schnell Schwerpunkte erkennen. Einer der größten sind Smart Cities, also intelligente Städte. Das ergibt auch Sinn, schließlich wachsen Städte wie Dubai so schnell wie kaum andere auf der Welt. Das ist auch der Grund, warum man versucht, alle Aspekte des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens mithilfe moderner Technologien zu vernetzen und sie effektiver zu machen.

Zwar kann man angesichts des täglichen Nahezu-Verkehrskollapses in Dubai durchaus Zweifel bekommen, ob die Stadtplaner wirklich alles bedacht haben, sieht man sich die futuristische Skyline und fast alle Gebäude der Stadt an, dann scheint das mehr als ein leeres Messerschlagwort zu sein.

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Gegenseitiges Lernen

Weiß bestätigt, dass das alles "Inspiration und Hausaufgabenzettel" in einem sein sollte, damit Deutschland in vielerlei Hinsicht "nicht den Anschluss" verliert. Deutschland und Dubai können dabei aber zweifellos gegenseitig voneinander lernen. Denn während in den Emiraten teils organisiertes Chaos herrscht, wird in Europa oft zu viel durchgeplant - das bedeutet, dass wir uns schwerer tun, wenn dann die unvermeidlichen Fehler passieren, während in Dubai dann halt eben spontan umgeplant wird. Gleichzeitig, so Weiß, könnte man in Dubai durchaus besser aus Fehlern der Vergangenheit lernen, um sie nicht noch einmal zu machen - also durchaus deutsche und europäische Qualitäten.

Lange gefackelt wird in Dubai indes selten: "Wir machen lange Pläne, schreiben langfristige Fördertöpfe aus und brauchen dann 15 Jahre. Hier sind sie in drei Jahren zweimal fertig", so Weiß.

Stefan Dylka, CEO und Gründer des auf Online-Terminbuchung spezialisierten Krefelder Software-Unternehmens Smart CJM, bezeichnet Dubai als immens wichtig, weil die Stadt das Tor für den gesamten arabischen, aber auch asiatischen Markt darstellt. "Es ist die neue und größere Cebit", meint Dylka, es sei "Wahnsinn", wie viele Kontakte man auf der Gitex knüpfen kann.

Freilich ist die Gitex auch ein Sammelsurium an Kuriositäten, Taschenspielertricks und Nischenanbietern, die sich zu den ganz großen Namen des Geschäfts gesellen. Unter den Besuchern ist es ähnlich: Anzugträger, nerdige Startup-Hipster, Geschenkejäger und natürlich auch die omnipräsenten Gastgeber mit der typischen arabischen Kopfbedeckung, also Kufiya und Agal.

Von Europa aus sehen wir den arabischen Raum und seine teilweise größenwahnsinnig klingenden Projekte mit einer Mischung aus Faszination und Zweifel an. Doch nach bereits kürzester Zeit in einer Stadt wie Dubai und auf einer Messe wie der Gitex kann man nur zum Schluss kommen: Ja, die meinen das wirklich ernst. Wird das alles klappen, wie auf den Werbevideos zu sehen ist? Wahrscheinlich nicht. Aber dennoch versucht man alles, damit es dennoch gelingt. Und wenn es nicht klappt, dann folgt eben das nächste Projekt. Denn allen ist hier klar: Das Öl ist endlich, die Zukunft ist das nicht.

Zusammenfassung
  • Gitex Global in Dubai ist die weltgrößte Messe für Technologie.
  • Expand North Star fokussiert auf Startups und Fintech.
  • Die VAE investieren massiv in Technologie und Tourismus.
  • Auf der Gitex sind 6000 Aussteller aus über 100 Ländern präsent.
  • Schwerpunkte der Messe sind Smart Cities und moderne Technologien.
  • Deutschland und Dubai können gegenseitig viel voneinander lernen.
  • Dubai als wichtiges Tor für den arabischen und asiatischen Markt.



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