Niederlande: Netzneutralität hat nun Gesetzesstatus

Recht, Politik & EU In den Niederlanden ist die Einhaltung der Netzneutralität nun eine gesetzliche Verpflichtung für die Betreiber von Telekommunikations-Infrastrukturen. Der Einführung einer entsprechenden Regelung hat nun nach der parlamentarischen Zweiten Kammer auch die Erste Kammer, die dem deutschen Bundesrat entspricht, beschlossen. Die Niederlande sind damit der zweite Staat nach Chile, in dem die Netzneutralität im Gesetz verankert wird.

Das Parlament hatte einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, nachdem der niederländische Telekommunikationskonzern KPN bestimmte Dienste in seinem Mobilfunknetz einschränken wollte. Angebote, die mit seinen Sprachtelefonie- und SMS-Diensten konkurrierten - wie etwa Skype oder WhatsApp - sollten nur von Kunden auf ihren Smartphones eingesetzt werden dürfen, wenn diese eine zusätzliche kostenpflichtige Erweiterung ihres Tarifes erwarben.

Diese Ankündigung wurde von KPN vor gut einem Jahr im Rahmen eines Bilanzberichtes veröffentlicht, als das Unternehmen gegenüber seinen Anlegern die stetig sinkenden Einnahmen aus der Sprachtelefonie und dem SMS-Versand rechtfertigen musste. Die Zweite Kammer reagierte darauf, indem sie den Wirtschaftsminister Maxime Verhagen damit beauftragte, einen Gesetzentwurf auszuarbeiten, mit dem die Netzneutralität im Telekommunikationsgesetz festgeschrieben wird.


Das überarbeitete Gesetz verpflichtet nun die Betreiber von Telekommunikations-Infrastrukturen, alle Dienste, die auf ihrem Netz aufsetzen, gleichrangig zu behandeln. Es ist ihnen insbesondere ausdrücklich untersagt, eigene Anwendungen in dem Netz zu priorisieren oder für konkurrierende Angebote zusätzliche Gebühren zu verlangen.

In der Praxis muss sich nun allerdings noch zeigen, wie mit Diensten umzugehen ist, die der Provider seinen Kunden nur innerhalb des eigenen Netzes anbietet - wie beispielsweise IPTV- und Video-on-demand-Services. Für diese werden in der Regel Quality-of-Service-Optionen genutzt, um die Stabilität der Streams sicherzustellen. Streng genommen bedeutet das allerdings eben auch eine Priorisierung dieser Daten gegenüber anderen Diensten.

KPN reagierte auf die Gesetzgebungsinitiative übrigens mit einer Umgestaltung seiner Tarife. Datendienste wurden etwas teurer und erhielten Volumengrenzen, nach deren Überschreiten die Verbindung gedrosselt wird, im Gegenzug stiegen aber die bereitgestellten Bandbreiten. Heute bewirbt das Unternehmen diese Tarife übrigens mit Verweis auf die Online-Angebote, für die man vor einem Jahr noch extra abkassieren wollte, mit dem Slogan: "Wer will da noch telefonieren?"
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Und wer glaubt das dort jetzt alles besser wird: bit.ly/IWCYDN
 
@tacc: Es geht ja dabei um die Beschneidung von Diensten, die im Endeffekt übner die gleiche Leitung gehen, nicht um Zensur. Wenn ich ne LAN veranstallte und den Nutzern Internet-Zugang gewähre, dann bin ich ja für dieses Wochenende quasi ein kleiner Internet-Provider. Ich würde trotzdem jegliche Dienste blockieren wollen, die die Leitung extrem belasten könnten. Wäre ich dreist(und das waren die Provider), würde ich für Geld bestimmte Dienste freigeben und darum ging es dort in erster Linie. Genau das gleiche gibts auch in Deutschland on mass. Man darf z.B. seine Mobile Internet Flat nicht von einem vollwertigen PC aus ansteuern und nutzen, obwohl es technisch ohne größeren Aufwand möglich ist. Genau das gleiche in grün.
 
@tacc: wieso sollte das jemand denken? Es wird logischerweise das besser, worum es in dem Gesetz geht und nicht alles.
 
Richtig so! Wenn ich für eine Flat bezahle, ist es meine Sache, ob ich den Traffic mit eMails oder P2P verbrauche und ob ich das mit dem Handy oder einem damit verbundenen PC mache, geht den Provider auch nichts an. Gedrosselt wird so oder so wenn das Limit erreicht ist, und das, was man hinterher an Traffic erzeugen kann, ist nicht der Rede wert.
 
Und dieses holländische Gesetz wurde auch gleich wieder gebrochen! Piratebay wurde illegal gesperrt.


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