Vividstorm S Pro: High Tech-Leinwand für Kurzdistanz-Projektoren

Bei der Vividstorm S Pro handelt es sich um eine Leinwand für Kurzdistanz-Projektoren. Diese setzt auf Ambient Light Rejecting (ALR)-Material, welches Inhalte trotz Umgebungs- oder sogar Tageslicht nicht verwaschen aussehen lässt. Das Leinwandtuch verfügt über einen Gain von 0,6. Im Test zeigt sich, dass Inhalte auch am Tag konsumiert werden können, ohne dass große Kompromisse bei der Darstellung eingegangen werden müssen.

Laut Hersteller ist die Leinwand mit 4K- und 8K- Projektoren sowie 3D-Inhalten kompatibel. Die Vividstorm S Pro kann elektronisch ein- und ausgefahren werden. Sie verfügt über ein Tab-Tension-System, über das die Leinwand straff gehalten wird, wodurch Wellen im Bild verhindert werden. Gerade bei Ultra Short Throw (UST) Projektoren ist es wichtig, dass die Projektionsfläche eben, glatt und nicht verz- oder gebogen ist. Anders als bei einer fest im Raum angebrachten Rahmenleinwand verdeckt eine Kofferleinwand, wenn sie außerhalb der Betriebszeit eingefahren ist, nicht die ganze Wand.

TV-Ersatz

Der Werbeslogan des Xgimi Aura impliziert, dass Laser-Beamer herkömmliche Fernseher ablösen können. In gewisser Weise ist das mit oder ohne Leinwand richtig: Stellt man den UST-Projektor an Stelle eines Fernsehers auf, kann das Film-, Serien-, Spiel- und ggf. TV-Vergnügen beginnen. Mit 2400 ANSI-Lumen ist das Bild des Xgimi Aura hell genug, so dass es möglich ist, auch bei Restlicht im Raum Inhalte zu konsumieren. Allerdings wird das Bild trotzdem stark von Umgebungslicht beeinträchtigt. In den Kommentaren zu Aura-Artikeln finden sich deswegen immer wieder Nutzer-Stimmen, die darauf pochen, dass zu einem echten Heimkinoerlebnis bzw. einer alltagstauglichen Verwendung eines Laser-TVs als Fernseher-Ersatz auch eine Leinwand gehört.

Je nach Wohnungs- bzw. Mietsituation ist es aber nicht so einfach möglich, eine Rahmenleinwand anzubringen, weil bspw. der Vermieter das Löcherbohren verbietet. Die Vividstorm S Pro umgeht diese Hürde, indem sie nicht an der Wand fixiert werden muss. Ein Set Schrauben und eine Vorrichtung, um die Leinwand am Boden zu befestigen, liegen allerdings bei.

Der Lieferumfang der Vividstorm S Pro ist durchaus großzügig. Neben zwei Fernbedienungen in schwarz sowie weiß liegt auch ein Reinigungs-Kit bei, um die Leinwand auf sichere Art und Weiße sauber zu halten und eventuellen Staub zu entfernen. Besonders hervorgehoben werden sollte allerdings der beiliegende USB-Stick. Wird dieser in den USB-Port eines Projektors eingeführt und jener eingeschaltet, fährt sich die Leinwand automatisch aus. Im Falle einiger Android-TV Projektoren ist die Leinwand pünktlich zum abgeschlossen Bootvorgang des Betriebssystems vollständig ausgefahren.

Bei dem USB-Stick handelt es sich um einen öffentlichen Beta-Test. Der Hersteller weist allerdings explizit auf die experimentelle Seite dieses Features hin: Sollte es auf Grund der Verwendung des USB-Sticks zu Beschädigungen an der Leinwand kommen, sind diese nicht von der Garantie abgedeckt. Trotzdem stellt sich diese Funktion als sehr nützlich dar: statt zwei Fernbedienungen verwenden zu müssen, reduziert sich die Bedienung des Heimkino-Setups auf eine Fernbedienung. Sollte eine Feinjustierung der Leinwandhöhe nötig sein, kann man diese über beiliegendes Werkzeug vornehmen. Bei eventuellen Korrekturen sollte man aber sehr vorsichtig vorgehen, um eventuelle Beschädigungen an der Leinwand zu verhindern.

Die Vividstorm S Pro gibt es in verschiedenen Größen. Je nach Heimkinoplanung kann man sich zwischen 72 Zoll, 84 Zoll, 92 Zoll, 100 Zoll, 110 Zoll und 120 Zoll entscheiden. Gerade eine 120 Zoll große Leinwand kann schnell das Wohnzimmer dominieren. Wird auf der Vividstorm S Pro allerdings gerade kein Film gezeigt, ist es möglich, sie mit einem Tastendruck einzufahren und unauffällig im Leinwandkasten zu verstauen. Der Blick auf die Wand hinter der Leinwand wird in diesem Moment frei. Um Kollisionen beim Ein- und Ausfahren zu vermeiden, sollte man eventuelle Wand-Dekoration sorgfältig aussuchen. Aber allein ein Gemälde ist bereits hübscher anzusehen, als das graue Leinwandtuch einer Leinwand, während der Projektor ausgeschaltet ist.

Im Video zum S7 MaxV Ultra kann man sich bei Minute 17:38 ein gutes Bild machen, wie ein dauerhaft an der Wand installierter Screen wirkt: groß und wenig dekorativ. Auf diesen Anblick würde man bei der Vividstorm S Pro verzichten. Unsichtbar ist die Leinwand dadurch aber nicht: Auch der Leinwandkasten bleibt, wenn er nicht in Möbeln versenkt ist, sichtbar im Raum.

Neulinge im Heimkinobereich dürfte überraschen, dass das Leinwandtuch der Vividstorm S Pro grau anstatt weiß ist. ALR-Leinwände verfügen über eine besondere Oberfläche, die Umgebungslicht abmildert und das vom Projektor aus projizierte Bild kräftiger erscheinen lässt. Vividstorm selbst hat auf der EU-Seite eine Wissensdatenbank zur ALR-Technologie angelegt. Wie stark das Umgebungslicht sein darf, sieht man im oben stehenden Video ab Minute 5:23. Zwar ist in voller Mittagssonne auf der Leinwand praktisch nichts zu sehen, wenn Szenen in Filmen oder Serien komplett dunkel sind, allerdings verändert sich das Bild schnell, sobald Lichtquellen im Ausgangs-Material dargestellt werden und der Zuschauer wirklich wieder etwas sehen soll. OLED-Fernseher dürften am Tag ganz sicher besser mit der Szene umgehen, allerdings besteht kein großer Unterschied zur Betrachtung auf der Vividstorm S Pro und einem herkömmlichen Fernseher. Der Hersteller spricht von einem Betrachtungswinkel von bis zu 170 Grad.

Im Praxistest können Zuschauer auf allen Plätzen einer durchaus breiten Couch Inhalte auf der Leinwand zur vollen Zufriedenheit betrachten, ohne dass sich die Farben am jeweils äußeren Rand verfärben würden. Generell dürfte es schwer sein, den 170 Grad Blickwinkel vollständig auszunutzen: wer sich nicht gerade direkt links oder rechts neben der Leinwand hinsetzt sollte kein Problem damit haben, Filme, Serien oder Spiele zu genießen. Im Test wird die Leinwand vorrangig mit dem Xgimi Aura gezeigt. Einzelne Szenen wurden mit dem Wemax Nova aufgenommen. Die Vividstorm S Pro schafft es, den 300 ANSI-Lumen Lichtunterschied zu kaschieren, sodass das Bild des Wemax Nova nicht zwangsläufig schlechter wirkt.

Neben dem Produkt selbst ist stets auch der Kundenservice selbst wichtig: Als unser Kollege Timm Mohn beim ersten Ausfahren unschöne Falten in der Leinwand entdeckte, wurde zunächst das Handbuch konsultiert. In jenem wird darauf hingewiesen, dass durch den langen Transport von der Fabrik zum Endkunden anfangs eventuell Falten vorkommen können, die sich später auflösen würden. Nach einigen Tagen mit der dauerhaft ausgefahrenen Leinwand war eine Reduzierung wenn überhaupt nur minimal zu beobachten.

Auf eine Support-Anfrage reagierte Vividstorm umgehend und versicherte, dass sich alle Wellen im Bild nach einiger Zeit der Nutzung ausgleichen würden. Mit einer solchen Rückversicherung lies sich auch ein längerer Zeitraum geduldig abwarten. Die Geduld zahlte sich aus: Einige Wochen später waren alle Wellen im Leinwandbild restlos zurückgebildet und wurden durch Ein- und Ausfahren der Leinwand nicht wiederhergestellt.

Ein weiterer Vorteil der Vividstorm S Pro ist die bedingte Portabilität. Möchte man bspw. statt im Wohn- im Schlafzimmer einen Film schauen, kann man das Setup mit etwas Hilfe leicht von einem in den anderen Raum transportieren. Je nach Größe des Leinwandtuches ist das zwar durchaus etwas aufwendig und kräftezehrend, unmöglich ist es jedoch nicht. Eine fest an der Wand verschraubte Rahmenleinwand könnte man nur mit großem Aufwand an einer Stelle ab- und an einer anderen wieder aufbauen. Der dauerhafte Raumwechsel einer normalen Rahmenleinwand würde langfristig auch das Leinwandtuch unnötig gefährden.

Trotz der Möglichkeit, die Vividstorm S Pro von einem in den anderen Raum zu schaffen, dürfte man sich dieser Option dennoch nicht allzuoft bedienen: Die Ausrichtung auf die Leinwand bedarf einiges an Fingerspitzengefühl und erfordert ein hohes Maß an Konzentration und Frustrationstoleranz. Hat man erst mal beide Teile des Heimkino-System aufeinander ausgerichtet, dürfte man wenig Lust verspüren, Beamer oder Leinwand auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Um nicht jedes Mal Projektor und Leinwand neu aufeinander auszurichten, empfiehlt es sich, für Staubsauger-Roboter strikte Saugverbotszonen einzustellen.

Dies verhindert auch, dass die Leinwand in Gefahr gebracht wird. Der Aufwand für die Feinjustierung lässt sich reduzieren, indem man vor der Anschaffung Möbel, Leinwand und UST-Projektor optimal aufeinander abstimmt. Die notwendige Planungsarbeit kann, das notwendige Budget vorausgesetzt, durch entsprechende Spezialmöbel verringert werden.

Die Platzierung von Kofferleinwänden wie der S Pro erfordert in den meisten Fällen weitere Investitionen, auch wenn diese gern niedriger ausfallen dürfen als im Beispiel der UST-Projektor-Möbel. Googelt man entsprechende Setups, sieht man, dass viele die Leinwand auf dem Boden platzieren. Der Projektor steht in diesem Fall ebenso auf dem Boden.

Der schwarze Vorlauf der Vividstorm S Pro ist dafür allerdings etwas knapp bemessen: Von der Couch oder dem Bett aus gesehen dürfte das Bild der Leinwand ohne weitere Erhöhung vielen zu niedrig sein. Ein weiterer Punkt, den Nutzer unterschiedlich handhaben ist die Ausnutzung der Bildfläche: Selbst auf den offiziellen Produktfotos lässt der Hersteller einen grauen Rahmen rund um die Projektion bestehen.

Mit dem 8-Punkte Keystone System des Xgimi Aura ist es allerdings möglich, das Bild passgenau an den Rand der Leinwand anzupassen. Richtet man Projektor und Leinwand mit oder ohne Keystone perfekt aufeinander aus, erhält man ein Bild ohne schwarzen Balken, das das Betrachtungserlebnis verintensiviert.

Dass UST-Projektor und ALR-Leinwand Synergien erzeugen, merkt man spätestens daran, wie sehr das Werbematerial beider Produkte aufeinander abgestimmt ist. Während beim Xgimi Aura zwar in Richtung alleiniger Fernsehersatz argumentiert wird, zeigt das Promo-Material zumeist auch eine Leinwand. Gleichzeitig führen die Illustrationen der Vividstorm S Pro die dargestellte Szene weiter, in dem Projektoren und Leinwand vermehrt am Tag gezeigt werden. Der wohl wichtigste Aspekt wird dabei allerdings außen vor gelassen: Die meisten Wände weisen Unebenheiten oder Muster auf, die eine alleinige Betrachtung von UST-Projektoren teils schwer erträglich machen.

Sollte man nicht gerade eine absolut glatte, musterlose Wand sein eigenen nennen, ist eine Leinwand meist direkt bei der Heimkino-Planung zu beachten und ins Budget einzurechnen. Die Optionen, für welche Leinwand man sich entscheidet, sind vielfältig. Die Vividstorm S Pro mit 120 Zoll ist für 2199 Euro direkt beim Hersteller verfügbar. Die Leinwand ist allerdings nicht nur in verschiedenen Größen und Farbe, sondern auch in unterschiedlichen Varianten zu haben. Wer bspw. das Sound-Setup hinter der Leinwand verstecken möchte, greift zur Version mit akustisch-transparentem Leinwandtuch für 100 Euro mehr. Es kommen keine weiteren Zoll- oder Versandkosten dazu. Eine gute Ausrichtung des Projektors und der Leinwand ist mit zwei Ikea Lack TV-Bänken für jeweils 49 Euro möglich.

Vorteile

  • Keine Wandmontage nötig
  • Kein Bohren notwendig
  • In verschiedenen Größen verfügbar
  • Kann auf Möbel gestellt werden, stabiler Stand
  • Wanddekoration für den Alltag weiterhin möglich
  • USB-Stick zum automatischen Ein- und Ausfahren der Leinwand (Beta-Test)
  • Kein Abdunkeln im Raum nötig
  • Alternativ auch mit Acoustic Transparent-Leinwandtuch
  • In schwarz und weiß verfügbar

Neutral

  • Macht Geräusche beim Ein- und Ausfahren
  • Schwierig zu reinigen

Nachteil

  • Durchaus eine sehr große Investition
  • Keine Garantie auf Beschädigungen, die auf den Beta-USB-Stick zurückgeführt werden

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