Milliarde-Jahre-Lücke in der Erdgeschichte bekommt neue Erklärung

Eine der rätselhaftesten Lücken in der Erdgeschichte könnte einen anderen Ursprung haben als bislang angenommen. Die sogenannte "Great Unconformity" - die Große Diskordanz - wurde nach neuen Forschungsergebnissen nicht vom "Snowball Earth" verursacht.
Weltraum, Raumfahrt, Nasa, Weltall, Energie, Umwelt, Erde, Planet, Umweltschutz, Klimaschutz, Klima, Klimawandel, ökostrom, Sterne, Wetter, Welt, Sternenhimmel, Nachthimmel, Globus, Erderwärmung, Ozean, Klimapolitik, Klimaerwärmung, Umweltfreundlich, Erwärmung, Climate, Wald, Wolken, Earth, Regenwald, Pflanze, Urwald, wind, Weltklimagipfel, Sternschnuppen, Planet Erde, Nordpol, Plan B, Klimaziel, Blauer Planet

    Snowball Earth ist nicht Schuld

    Auf das Phänomen der Great Unconformity stieß der Geologe John Wesley Powell bereits 1869 bei seiner Expedition durch den Grand Canyon. Dort liegt vergleichsweise junges Gestein, das rund 520 Millionen Jahre alt ist, unmittelbar auf Gestein mit einem Alter von bis zu 1,8 Milliarden Jahren. Dazwischen fehlen damit Gesteinsschichten, die bis zu eine Milliarde Jahre Erdgeschichte repräsentieren. Ähnliche Lücken finden sich an zahlreichen Orten weltweit.

    Lange galt die "Snowball Earth" als mögliche Erklärung. Nach dieser Hypothese war die Erde vor etwa 700 Millionen Jahren nahezu vollständig von Eis bedeckt. Beim Vorrücken und Zurückweichen der Gletscher könnte das Eis große Mengen Gestein abgeschliffen haben. Eine internationale Forschergruppe unter Leitung von Rong-Ruo Zhan von der Northwestern University in China kommt nun jedoch zu einem anderen Schluss.


    Für ihre Studie, die in Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, untersuchten die Wissenschaftler Gesteine an fünf Fundorten in Nordchina. Mithilfe verschiedener Datierungsmethoden analysierten sie unter anderem Zirkonkristalle und rekonstruierten, wann die Gesteine abgekühlt und an die Oberfläche gelangt waren. Das Ergebnis: Die stärkste Phase der Abtragung und sogenannten Exhumierung fand bereits vor 2,1 bis 1,6 Milliarden Jahren statt, also lange vor der "Snowball Earth"-Phase.

    Dieser Zeitraum fällt mit der Entstehung des frühen Superkontinents Columbia zusammen. Die dabei wirkenden enormen tektonischen Kräfte könnten Gestein aus tieferen Erdschichten nach oben gedrückt haben. An der Oberfläche wurde es anschließend durch Erosion abgetragen.

    Neuer Blick aufs Leben

    Damit gerät auch die Vorstellung ins Wanken, dass ein einziges globales Ereignis die Große Diskordanz geschaffen hat. Wahrscheinlicher sind demnach mehrere regionale Erosionsphasen, die zu unterschiedlichen Zeiten und aus verschiedenen Gründen stattfanden. Auch im Grand Canyon gibt es Gestein aus der vermuteten "Snowball Earth"-Zeit, was gegen eine weltweite Auslöschung durch Gletscher spricht.

    Die Ergebnisse verändern die Diskussion über die Kambrische Explosion vor rund 530 Millionen Jahren. Eine frühere Theorie hatte vermutet, dass Gletscher durch die Erosion Nährstoffe in die Meere spülten und damit die Entwicklung komplexen Lebens begünstigten. Die neue Studie deutet jedoch darauf hin, dass ein Großteil der Erosion bereits mehr als eine Milliarde Jahre zuvor stattfand.

    Zusammenfassung
    • Als Große Diskordanz gilt eine riesige Lücke in der Erdgeschichte
    • Bisher wurde die Eiszeit-Hypothese weltweit als Ursache angenommen
    • Eine neue Studie widerlegt nun die globale Vereisung als Auslöser
    • Die stärkste Gesteinsabtragung fand viel früher als gedacht statt
    • Tektonische Kräfte des Superkontinents Columbia waren die Ursache
    • Mehrere regionale Erosionsphasen erklären die Entstehung der Lücke

    Siehe auch:


    Tipp einsenden