EU-Kommission hielt Piraterie-Studie zurück, weil Ergebnis nicht 'passte'

Eu, Günther Oettinger, Eu-kommissar Bildquelle: Jacques Grießmayer - Wikipedia
Welchen Einfluss hat Piraterie auf Verkäufe? Das ist eine Frage, die sogar älter als das allgemein verfügbare Internet ist. Denn bereits Kassetten galten als "böse". Freilich ist digitales Filesharing besonders einfach, die Frage ist aber auch heute dieselbe: Schadet sie der Industrie tatsächlich? Das wollte 2013 auch die EU wissen. Die dazugehörige Studie lag aber zwei Jahre lang in einer Schublade.

"Verschollene" Studie

Vor etwa vier Jahren wollte die Kommission wissen, wie sich Piraterie auf die Industrie und die legalen Verkäufe auswirkt. Die immerhin mehr als 300 Seiten lange Studie ist im Mai 2015 fertiggestellt worden, wurde aber nie veröffentlicht. Die deutsche EU-Abgeordnete Julia Reda ging der Sache nach und das nur auf Basis der ursprünglichen Ausschreibung von 2013. Und Reda hatte Glück, letztlich bekam sie die seit Jahren "verschollene" Studie.

Laut einem Bericht von Netzpolitik.org, wo man die Studie auch einsehen kann (PDF) hängt das Verschwinden vor allem mit einem Umstand zusammen: Das Ergebnis hat den Auftraggebern nicht gepasst, da die EU-Kommission seinerzeit eine Rechtfertigung für die Verschärfung des EU-Urheberrechts haben wollte.

Inwieweit man die gesamte Institution dafür verantwortlich machen kann, ist aber fraglich, denn im Zuge der Angelegenheit fällt vor allem ein Name: Günther Oettinger. Der Deutsche war damals der zuständige EU-Kommissar und seine mutmaßliche Beteiligung oder Mitwisserschaft passt auch ins Bild: Denn Oettingers Nähe zur Industrie ist unbestritten, der aktuelle Haushaltskommissar ist mehrfach durch besonders enge Kontakte zur Wirtschaft auffällig geworden.

Keine "robusten" Beweise

Im aktuellen Fall stellt die Studie nämlich letztlich fest, dass man in den meisten Kategorien (untersucht wurden die Bereiche Musik, Filme und Serien, Bücher und Games) keine "robusten statistischen Beweise" finden konnte, dass Online-Urheberrechtsverstöße zu einer "Verdrängung der Verkäufe" führen.

Einzige Ausnahme waren aktuelle Kinofilme bzw. Blockbuster, hier konnte man etwa fünfprozentige Umsatzeinbußen feststellen. Doch auch hier gibt es einigermaßen komplexe Hintergründe, allen voran die Tatsache, dass Kinotickets als besonders teuer gelten.

In anderen Bereichen konnte man sogar (geringfügig) positive Effekte registrieren, etwa bei Games, denn hier half Piraterie den Verkäufen sogar etwas auf die Sprünge. Netzpolitik.org verweist übrigens auch auf den Umstand, dass Teile der Studie vom Chefökonom der Kommission für einen Aufsatz verwendet worden sind - aber nur jene, die zur eigenen Argumentation gepasst haben, also den Teil mit den Umsatzeinbußen bei Kinofilmen. Eu, Günther Oettinger, Eu-kommissar Eu, Günther Oettinger, Eu-kommissar Jacques Grießmayer - Wikipedia
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