Kopierer statt Download: Deutschen Unis droht Rückfall in die 80er
Im Umfeld der Universitäten kocht aktuell die Wut über den neuen Rahmenvertrag zum Umgang mit Urheberrechten hoch. Es steht zu befürchten, dass das Studium wieder technisch auf den Stand der Vor-Internet-Ära katapultiert wird - mit langen Schlangen an den Kopierern.
Bisher lief eigentlich alles immer besser. Die Professoren stellten ihre so genannten Semesterapparate - also die diversen Texte, die von den Studenten zu lesen waren - nicht mehr nur als Blattsammlung in der Bibliothek bereit, sondern in digitaler Form auf der Vorlesungs-Webseite. Dafür zahlten die Unis einen pauschalen Betrag an die Verwertungsgesellschaft VG Wort, der dann in Form von Tantiemen an die Autoren ausgeschüttet wurde.
Jetzt soll sich das aber gewaltig ändern. Ein neues Abkommen zwischen der Kultusministerkonferenz der Bundesländer und der VG Wort sieht vor, dass es schlicht keine Pauschale mehr gibt. Stattdessen soll jede Lehrkraft jeden Text, der online im Reader bereitgestellt wird, einzeln anmelden. Das würde einen erheblichen Mehraufwand bedeuten.
Immerhin ist es nicht damit getan, dass der Text einfach in einem Formular vermerkt wird. Die Lehrkräfte müssen auch prüfen, wie die weitergehenden Lizenzen für die jeweiligen Inhalte aussehen - also ob beispielsweise bereits Verlagslizenzen an der Uni vorliegen. Viele Studierende befürchten daher, dass dann in den meisten Fällen doch lieber wieder zum Papier-Reader und einem Literaturverzeichnis zurückgekehrt wird. Das würde dazu führen, dass es jeweils zum Semesterbeginn erst einmal einen Ansturm auf die Kopierer gibt und benötigte Bücher in den Bibliotheken wesentlich schwerer zu bekommen sind.
Der Streit zwischen den Unis und der VG Wort geht dabei in erster Linie zu Lasten der Studierenden. Die Sache bedeutet für diese nicht nur, die unschöne Arbeit des Kopierens erledigen zu müssen. Deutliche Nachteile haben vor allem jene, denen es aktuell ohnehin schon schwer fällt, ein Studium zu absolvieren, weil sie sich beispielsweise auch um Kinder kümmern und/oder nebenher arbeiten müssen, um ihre Ausbildung zu finanzieren.
Jetzt soll sich das aber gewaltig ändern. Ein neues Abkommen zwischen der Kultusministerkonferenz der Bundesländer und der VG Wort sieht vor, dass es schlicht keine Pauschale mehr gibt. Stattdessen soll jede Lehrkraft jeden Text, der online im Reader bereitgestellt wird, einzeln anmelden. Das würde einen erheblichen Mehraufwand bedeuten.
Immerhin ist es nicht damit getan, dass der Text einfach in einem Formular vermerkt wird. Die Lehrkräfte müssen auch prüfen, wie die weitergehenden Lizenzen für die jeweiligen Inhalte aussehen - also ob beispielsweise bereits Verlagslizenzen an der Uni vorliegen. Viele Studierende befürchten daher, dass dann in den meisten Fällen doch lieber wieder zum Papier-Reader und einem Literaturverzeichnis zurückgekehrt wird. Das würde dazu führen, dass es jeweils zum Semesterbeginn erst einmal einen Ansturm auf die Kopierer gibt und benötigte Bücher in den Bibliotheken wesentlich schwerer zu bekommen sind.
Zwei Seiten - zwei Meinungen
Bei der VG Wort sieht man die Sache nicht so eng. Die Einzelmeldung erscheine nur Anfangs als hoher Aufwand, mit etwas Routine würde es aber recht schnell gehen, erklärte Geschäftsführer Rainer Just dem Deutschlandfunk. Von Seiten der Universitäten hört sich dies anders an. "Die Einzelerfassung und -meldung ist mit einem immensen Aufwand verbunden, der den Lehrenden neben ihren eigentlichen Aufgaben nicht zuzumuten ist", so Hans-Jochen Schiewer, Vorsitzender des Universitätsverbandes German U15 und Rektor der Universität Freiburg. Die vorgesehene Umsetzung sei indiskutabel. Verschiedene Unis prüfen derzeit bereits, ob sie sich einer Unterschrift unter dem neuen Vertrag schlicht verweigern - wobei unklar ist, wie es dann weiterginge.Der Streit zwischen den Unis und der VG Wort geht dabei in erster Linie zu Lasten der Studierenden. Die Sache bedeutet für diese nicht nur, die unschöne Arbeit des Kopierens erledigen zu müssen. Deutliche Nachteile haben vor allem jene, denen es aktuell ohnehin schon schwer fällt, ein Studium zu absolvieren, weil sie sich beispielsweise auch um Kinder kümmern und/oder nebenher arbeiten müssen, um ihre Ausbildung zu finanzieren.
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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