Falsches Klischee: Älteren macht neue Technik im Job kaum Probleme

Die immer wieder zitierten Stereotypen des älteren Angestellten, der mit all der neuen Technik nicht so recht klarkommen will und dem ein junger, technikaffiner Mensch gegenübersteht, ist offenbar nichts anderes als ein Mythos, dem jede Grundlage fehlt. Es gibt sogar Anhaltspunkte dafür, dass es eher umgedreht ist.
IT-Branche, Kopf, Statue
W&V
Im Auftrag des Cloud-Unternehmens Dropbox wurde untersucht, wie gut Beschäftigte mit der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt zurechtkommen. Und hier zeigte sich bei der Auswertung der Daten Überraschendes: Von den rund 4.000 Teilnehmern waren es eher die Älteren, die hier besser auf den Umgang mit neuen technischen Möglichkeiten reagierten.

Hier muss gesagt werden, dass die Befragten im weiteren Sinne dem IT-Bereich zugeordnet werden können, was ohnehin eine gewisse Offenheit für Technik mit sich bringen sollte. Alles an dem Ergebnis lässt sich damit allerdings nicht erklären.

So erklärten lediglich 13 Prozent der Befragten in einem Alter über 55 Jahren, Schwierigkeiten damit zu haben, in ihrem Job mit mehreren Geräten zu arbeiten. In der Altersgruppe von 18 bis 34 Jahren fanden das hingegen mit 37 Prozent wesentlich mehr Leute problematisch. Die Jüngeren fühlten sich auch schneller gestresst. In einer Arbeitswoche verwendeten die Älteren so im Durchschnitt auch 4,9 verschiedene technische Anwendungen, bei den jüngeren waren es 4,7.

Das subjektive Empfinden ist hingegen ein komplett anderes. Selbst unter den Älteren gab es eine Mehrheit hinter der Auffassung, dass ältere Beschäftigte sich schwerer damit tun, neue Technologien in ihrem Arbeitsalltag zu akzeptieren. Und diese - recht unbegründete Meinung - hat auch klare Folgen. Das Durchschnittsalter in den großen IT-Unternehmen ist weit unterdurchschnittlich. Wer über 40 ist, hat zuweilen schon Probleme, einen Job im Silicon Valley zu finden.

Norm Matloff von der University of California, Davis, der die Einstellungspolitik der IT-Branche untersuchte, hat dafür auch eine Erklärung: Das verbreitete Klischee wird von vielen Personalabteilungen gern als Vorwand genommen, sich auf möglichst junge Bewerber zu konzentrieren. Dabei geht es, wenn man tiefer bohrt, aber um etwas ganz anderes: Wer direkt von der Uni ins Berufsleben wechselt hat längst nicht solch hohe Gehaltsforderungen wie jemand, der schon längere Zeit eine Familie versorgt und genau weiß, wie wichtig er mit seinen Kenntnissen und Erfahrungen für ein Unternehmen sein kann.
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