Sans Forgetica: Font soll Lernstoff optimal ins Gehirn einbrennen

Forschung, Lernen, Font, Schriftart, Typographie, Sans Forgetica Forschung, Lernen, Font, Schriftart, Typographie, Sans Forgetica
Wer in der kommenden Zeit etwas für Tests oder Prüfungen lernen muss, könnte dem eigenen Gedächtnis mit einem neuen Font unter die Arme greifen. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen hatten sich für dessen Entwicklung zusammengetan. Das Ergebnis - die Schriftart "Sans Forgetica" - wurde nun zur freien Nutzung bereitgestellt.

Auf den ersten Blick wirkt der Font durchaus gewöhnungsbedürftig. Die einzelnen Zeichen weisen Lücken auf und sind etwas nach links geneigt. So wirkt das Ganze ein wenig wie einer der diversen Spaß-Fonts, die mal für ein spezielles Plakat, kaum aber für längere Texte eingesetzt werden können. Die Forscher von der australischen RMIT University behaupten allerdings, dass ihre Arbeit wesentlich mehr Potenzial birgt. Sans ForgeticaErinnerungshilfe in Sans Forgetica Immerhin haben sich hier Typographie-Fachleute gemeinsam mit Psychologen hingesetzt und die Erkenntnisse aus ihren jeweiligen Disziplinen zusammengeführt. Letztlich ging es darum, einen Font zu entwickeln, der ungewöhnlich genug ist, um ihn stärker ins Gedächtnis einzuprägen. Trotzdem sollten Texte in der Schriftart noch gut lesbar sein. Es galt also, den besten Kompromiss zwischen den beiden Punkten zu finden.

Der perfekte Kompromiss

Das Problem bei normalen Texten besteht darin, dass die Fonts auf gute Lesbarkeit optimiert sind und die Augen eines geübten Lesers ziemlich schnell über den Inhalt fliegen können. Dabei wird zwar meist der Kern erfasst, Details verschwinden aber schnell wieder aus dem Kopf. Das soll durch die ungewohnte Gestaltung bei Sans Forgetica vermieden werden.

Untersuchungen zeigten aber auch, dass es einen Punkt der Komplexität gibt, an dem der Erinnerungs-Effekt wieder größer wird. Mit der Zeit haben sich die Wissenschaftler immer weiter an ein Design angenähert, das in Versuchen mit rund 400 Probanden die besten Ergebnisse hervorbrachte. Das Ergebnis kann als Font-Datei und als Chrome-Erweiterung von der Webseite der Universität heruntergeladen werden.
Dieses Video empfehlen
Kommentieren0
Jetzt einen Kommentar schreiben
 
Wenn es die Font nun auch mit einer mathematischen Erweiterung gäbe, wenn würde ich es mal versuchen.
 
@Fallen][Angel: Naja, Formeln stehen sowieso hervor und verleiten weniger zum drüber hinweggleiten, oder? Über die sollte man ja sowieso nachdenken und einen Moment verharren, wenn man sie in einem Text liest.
 
Den Effekt des schnellen Lesens ohne dass etwas hängen bleibt, kenne ich vom Lesen der BWL-Skripte (Nebenfach). Ich frage mich allerdings, wie langfristig der Nutzen dieses Werkzeugs ist. Als ich angefangen habe, chinesische Schriftzeichen zu lesen, war das auch langsam und schwieriger. Es wurde allerdings bald schneller und einfacher. Was ist, wenn ich häufig genug Texte in Sans Forgetica gelesen habe, lässt die Wirkung dann nach?

Leider finde ich auf Anhieb auch nicht das Paper, indem sie ihre Methoden und Ergebnisse im Detail darlegen, auch keinen Preprint. Falls das in der Recherche aufgetaucht sein sollte, wäre es hilfreich, soetwas zu verlinken.
 
@dpazra: Ich finds toll, wie du erwähnst, dass BWL bei dir nur ein Nebenfach ist, damit du nicht mit den BWLern unter einen Deckel gepackt wirst :D

Aber mal im Ernst, ich als Ingenieur hab mich mit den BWL-Texten auch extrem schwer getan. Irgendwie konnte ich "den Kern" der Aussagen nicht finden, weil alles so diffus und allgemein gehalten wird.
 
@bigspid: Ach, ich wollte nur nicht respektlos sein. Vielleicht kommen ja in den Vertiefungen der Hauptfachhörer die komplizierten Aussagen, über die man nicht mehr mit zunehmender Schläfrigkeit drüber weglesen kann. ;)
 
@dpazra: Es geht ja nicht, darum dass man beim Lesen hängen bleibt (der Beispieltext von Winfuture war ebenfalls sehr leicht zu lesen ohne hängenzubleiben).

Um aus dem Artikel zu zitieren "Letztlich ging es darum, einen Font zu entwickeln, der ungewöhnlich genug ist, um ihn stärker ins Gedächtnis einzuprägen. Trotzdem sollten Texte in der Schriftart noch gut lesbar sein. Es galt also, den besten Kompromiss zwischen den beiden Punkten zu finden."

Sonst könnte man auch Old English nehmen, wenn man sie nicht gewohnt wäre oder eine Schriftart, die sich "transformiert".
 
Also mir ist wieder aufgefallen, was auch sehr lange in meinem Gedächtnis bleibt, das sofort ein Video mit Werbung mich angeblökt hat. Das ist wieder eine so negativ Erfahrung, die ihr gleichen sucht!

Was ist eigentlich bei der Elekrostimulation vom Gehirn raus gekommen? Irgendeine Italienische Uni hatte doch vor Jahren veröffentlicht, dass sie eine Methode gefunden haben, das Probanden für eine gewisse Zeit alles im Gedächtnis behalten, wenn man die jeweiligen Gehirnbereiche stimuliert...
Der Effekt mit der Schriftart, ist wahrscheinlich in wenigen Tagen vorbei.

Es ist das selbe Prinzip wie mit dem Urlaub und der Wahrnehmung.
 
@Sonnenschein11: Aber das reicht doch auch völlig aus. Der Inhalt muss ins Kurzzeitgedächtnis und von dort aus, über mehrere Wiederholungen in größer werdenden zeitlichen Abständen, wird das Wissen im Langzeitgedächtnis gebunkert. Sowetwas wie ein Wundermittel, um sich nach erstmaligem Lesen das Wissen direkt permanent einzuspeichern gibt es nunmal nicht.
 
Sehr cool! Könnte auch auch für unser WRIO Keyboard sehr interessant sein. :) Haben sie gerade eben als Option in die neuste Alpha eingebaut: https://imgur.com/a/1j1vdUk
Falls es jemand im Beta-Test testen will, sehr gerne: https://icoaching.polldaddy.com/s/wrio-beta-test
 
Hmm... also diesen Namen hätte ich eher für eine Schriftart gewählt, die einem das Vergessen der gelesenen Inhalte erleichtern soll...
 
@Link: "Sans" heisst auf Französisch "ohne". Das ist der Witz daran.
 
@Big_Berny: Hmm... vielleicht hätten die diese Schriftart für die Bücher verwenden sollen, aus denen ich in der Schule 3 Jahre lang Französisch gelernt habe. :D
 
Das sieht einfach nach Hebräisch ohne punkten aus find ich. xD
Kommentar abgeben Netiquette beachten!
Einloggen