Suchtfaktor Online-Glücksspiele

Experten warnen vor Gefahren Jetzt zieht auch Deutschland nach: Im September soll in Hamburg das erste deutsche Online-Casino eröffnen. Experten warnen jedoch vor Missbrauch und Suchtgefahr bei dem Spielbetrieb im neuen Medium.
"Das Gefahrenpotenzial für Spielsüchtige ist im Internet besonders hoch", sagt Gerhard Meyer, Dozent für Psychologie an der Universität Bremen. Durch die leichte Verfügbarkeit, die fehlende soziale Kontrolle und Anonymität sowie die Abrechnung über Kreditkarte unterschieden sich die Online-Angebote deutlich von herkömmlichen Glücksspielen.

Beteiligungen an ausländischen Websites strafbar

Bislang finden deutsche Internetnutzer Online-Casinos nur auf ausländischen Webseiten - ihr Angebot ist in Deutschland jedoch illegal. "Grundsätzlich macht sich derjenige strafbar, der sich an Glücksspielen auf ausländischen Websites beteiligt, da diese keine deutsche Lizenz haben", erklärt Rechtsanwalt Michael Terhaag, Sozius der Kanzlei Strömer Rechtsanwälte in Düsseldorf, die sich hauptsächlich mit Online- und Multimedia-Recht befasst. Eine tatsächliche Strafverfolgung finde aber bislang nicht statt.

Ein großer Teil der Anbieter befindet sich in der Karibik, da dort keine Steuern auf die Einnahmen aus Glücksspielen anfallen. Vor den Spielbanken aus der Südsee warnt Rechtsanwalt Terhaag eindringlich: "Bei vielen dieser Internetseiten ist gar nicht überprüfbar, ob regelgerecht gespielt wird - das ist rein virtuell programmiert." Zudem könnten sich Nutzer im Falle eines Gewinns keine Hoffnung machen, ihr Geld notfalls einzuklagen - die Kosten für einen solchen Gerichtsstreit seien schlicht zu hoch.

Die Spielbank Hamburg benutzt dagegen keinen Zufallsgenerator, sondern lässt die Spieler am realen Geschehen im Casino teilhaben: Per Webcam können sie das Spiel am Roulettetisch live verfolgen und mitsetzen. "Der Unterschied zwischen unserem Angebot und anderen Online-Casinos ist die Nachprüfbarkeit des Spiels", sagt Gunda Windberger, Sprecherin der Spielbank Hamburg.

Kopie des Personalausweises soll Zugang zu Online-Spielen regeln

Als Altersnachweis und um gesperrte Spieler fern zu halten, müssen Interessenten Windberger zufolge für die Anmeldung zum Online-Spiel eine Kopie ihres Personalausweises einschicken. Danach erhalten sie ein Passwort und können sich damit einwählen. Das Geld für die Einsätze wird per Kreditkarte auf ein virtuelles Depot eingezahlt. Die Verbindung ist dabei - ähnlich wie beim Onlinebanking - mit einer Verschlüsselung versehen, um den Datenschutz zu gewährleisten.

Das Interesse der Deutschen am Hamburger Online-Roulette ist groß: 2300 Benutzer haben sich während des laufenden Testbetriebes bereits registriert, so Tim von Törne, Leiter der Softwarefirma e-dict in Hamburg, die für die Umsetzung des Internetauftritts der Spielbank verantwortlich ist. Sobald der reguläre Spielbetrieb startet, darf jedoch nur noch mitspielen, wer sich in Hamburg aufhält - beim Login werde der Aufenthaltsort des Nutzers anhand der IP-Adresse des Computers verfolgt.

American Express und Visa wollen nicht mitspielen

Gerade die Beliebtheit des deutschen Angebots macht Ilona Füchtenschnieder, der Vorsitzenden des Fachverbandes Glücksspielsucht e.V. in Herford, große Sorgen: "Für Spielsüchtige ist das Internet sehr verlockend, allerdings haben Online-Casinos bislang keinen guten Ruf, da die Benutzer sich unsicher sind, ob bei dem virtuellen Spiel alles ordnungsgemäß abläuft." Durch das Angebot der Spielbank Hamburg werde nun eine noch größere Zielgruppe angesprochen und die Hemmschwelle für neue Spieler gesenkt.

Die Kritik der Suchtberater bereitet den Online-Casinos jedoch weniger Probleme - die Kreditkarteninstitute wollen beim virtuellen Zocken nicht mehr mitspielen. So haben American Express und Visa ihre Verfügbarkeit bei Online-Glücksspielen nach Rechtsstreitigkeiten um Spielschulden bereits stark eingeschränkt. Des Weiteren, so klagt das Münchner Unternehmen World Wide Casino in einem Rundschreiben an die Aktionäre, könnten Spieler ihre abgebuchten Spielschulden nachträglich stornieren und würden so den Firmen sicher geglaubte Gewinne wieder wegnehmen. So könnte es - unabhängig von der gesetzlichen Lage - für einige Anbieter des Internet-Roulettes bald heißen: "Rien ne va plus - nichts geht mehr".

@ elias.e / N24 OnlineRedaktion
@ dpa


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