BUND warnt vor massivem Mobilfunknetz-Ausbau
Es fehle an notwendigen Schutzmaßnahmen für Anwohner und Nutzer, wenn es wie geplant Anfang nächsten Jahres zur Versteigerung der Frequenzen an die Mobilfunkbetreiber komme. Außerdem befinde sich gegenwärtig ein weiteres Funknetz für die Sicherheitsbehörden im Aufbau, so dass vor allem in ländlich strukturierten Gebieten mit einer wesentlichen Zunahme der Elektrosmogbelastung zu rechnen sei.
Über die Langzeitwirkungen der Strahlung von Funkanlagen sei noch viel zu wenig bekannt. Auch das EU-Parlament halte die derzeitigen Grenzwerte nicht mehr für ausreichend, so der BUND. Schon beim bisherigen Ausbau des Mobilfunks hätten sich Tausende Bürgerinitiativen gebildet, vor allem wegen der mangelnden Berücksichtigung ihrer Anfragen und Beschwerden zu vorhandenen Anlagen.
Eine Reihe von Studien hätte gezeigt, dass die Mobilfunkstrahlung nicht nur dem Menschen, sondern auch Pflanzen und Tieren schade. Beim Menschen nachgewiesene gesundheitliche Schäden seien u. a. Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Erschöpfungszustände. Andere wissenschaftliche Untersuchungen wiesen auf Störungen des vegetativen Nervensystems sowie eine erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke hin.
Dies könne dazu führen, dass Umweltschadstoffe direkt ins Gehirn gelangen könnten. In zahlreichen Studien sei außerdem die Schädigung von Spermien nachgewiesen worden. Zudem bestehe der Verdacht auf Auslösung und Förderung von Hirntumoren. Insekten und Tiere wie Bienen, Brieftauben oder Fledermäuse verlören durch künstliche elektromagnetische Felder teilweise ihre Orientierung.
Bevor neue Frequenzen überhaupt zur Nutzung freigegeben werden dürften, müsse es eine gesetzliche Umweltverträglichkeitsprüfung geben, forderte der BUND. In Zukunft solle man die mobile Telekommunikation durch strahlungsarme Anwendungen zu gewährleisten.
"Damit künftig Umwelt- und Gesundheitsschäden begrenzt werden können, dürfen die Funknetze nicht weiter massiv ausgebaut werden. Stattdessen müssen immissionsarme Kommunikationstechnologien entwickelt werden, die Schäden für Gesundheit und Umwelt ausschließen. Nötig ist zum Beispiel die verstärkte Erforschung von Infrarot-Übertragungstechniken", sagte Bernd Rainer Müller, Mobilfunkexperte beim BUND.
In Deutschland gebe es derzeit rund 260.000 große Mobilfunk-Sendeanlagen, zirka zwei Millionen kleinere Sendeanlagen, rund 50 Millionen häusliche Sender wie WLAN, schnurlose Telefone und Anlagen zur Daten- und Videoübertragung sowie rund 100 Millionen Mobiltelefone. Viele Geräte würden die Grenzwerte der Bundesimmissionsschutzverordnung über elektromagnetische Felder überschreiten, dazu gehörten auch als "strahlungsarm" angebotene DECT-Telefone. Mobiltelefone überschritten diese Grenzwerte um bis zum Zehnfachen.
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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