Zeitenwende: So genanntes "Mobiles Netz" ist heute "das Internet"

Noch vor wenigen Jahren war das so genannte "Mobile Internet" eine besondere Sache, über die viel berichtet und diskutiert wurde. Heute ist es quasi nicht mehr existent, weil es einfach "das Internet" geworden ist - wenn man so will.
Infografik: Deutliche Unterschiede bei mobilen Datenvolumen in der EUDeutliche Unterschiede bei mobilen Datenvolumen in der EU
Im Jahr 2010 war es ein durchaus bemerkenswerter Meilenstein, dass rund 20 Prozent der Nutzungzeit des Datennetzes über die noch relativ neuen Smartphones erfolgte. Damals war das aus vielen Gründen auch noch keine besonders tolle Erfahrung, der Vorteil der (Fast-)Überall-Verfügbarkeit lies uns aber über alle möglichen Probleme mit viel Geduld hinwegsehen.

Heute hat sich die Lage grundlegend geändert. Rund 70 Prozent der Zeit, die Anwender auf Inhalte im Netz zugreifen, kommt über Mobilgeräte zusammen. Das besagen aktuelle Berechnungen aus Daten, die in rund 50 Ländern zusammengetragen wurden, die etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung beheimaten. Die Agentur Zenith, von der die Daten ausgewertet wurden, prognostiziert auf Basis der bisherigen Entwicklung, dass der Nutzungsanteil bereits 2019 einen Wert von fast 80 Prozent erreichen wird.

Deutschland hinkt hinterher

Manche Angebote im Netz sind bereits fast komplett auf die mobilen Plattformen herübergewandert. Das gilt insbesondere für die sozialen Medien. Die Nutzer kommunizieren über Messenger-Apps statt über E-Mails und die normale Webseite spielt für Facebook im Grunde nur noch eine Nebenrolle. Das Social Network generiert sogar 88 Prozent seiner Werbeeinnahmen über Zugriffe von Smartphones aus.

Hierzulande hat die mobile Nutzung des Netzes noch nicht den Stand erreicht, der in anderen Ländern inzwischen Normalität ist. Das liegt unter anderem daran, dass bei uns die Mobilfunk-Betreiber im internationalen Vergleich nur recht kleine Volumenkontingente zu ziemlich hohen Preisen bieten. Um an diesem Modell festhalten zu können, ohne sich völlig dem Zorn der Nutzer auszusetzen, versuchen nun beispielsweise große Anbieter wie die Deutsche Telekom und Vodafone, mit Verletzungen der Netzneutralität für Wohlwollen zu sorgen.
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