Experten: Klassifikation der Videospiel-Sucht entbehrt jeder Grundlage

Gaming, E3, Messe Bildquelle: E3
Diverse Experten haben die Aufnahme der Videospielsucht in den offiziellen Katalog der Weltgesundheits-Organisation WHO erneut scharf kritisiert. Die ganze Sache beruhe schlicht nicht auf wirklich belastbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern resultiere eher aus einer "moralischen Panik" heraus. Gegenüber der BBC erklärte der Psychologie-Dozent Peter Etchells, dass hier ein Verhalten zu einer Krankheit aufgebauscht werde, das für die meisten Leute völlig harmlos ist. Es gebe einfach gar keine hinreichende wissenschaftliche Klarheit darüber, wann die ausufernde Nutzung von Spielen als echtes Suchtverhalten eingestuft werden sollte, das alle anderen Lebensbereiche überlagert.

Seitens der WHO verteidigte man die Aufnahme der Spielesucht anhand dessen, dass ziemlich einheillige Arbeiten von Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachbereichen und Weltregionen vorlägen. Das ließ Etchells so aber nicht stehen. Er betonte unter anderem, dass die Diagnose-Definitionen sich so stark unterscheiden, dass von ihnen ein Spektrum von 0,5 bis 50 Prozent aller Spiele-Nutzer abgedeckt werde. Das deute dann doch ziemlich stark darauf hin, dass es selbst Fachleuten sehr schwer fällt zu unterscheiden, wer nun wirklich ein Problem hat und wer gerade einfach nur besonders viel Spaß am Spielen hat. "Die Folge dessen ist dann eine Überdiagnose, wir stufen Leute als krank ein, deren Verhalten für die meisten Leute gar keinen Leidensdruck mit sich bringt", führte Etchells aus.

Probleme kommen woanders her

Und der Wissenschaftler Andy Przybylski vom Internet-Institut der University of Oxford stellte heraus, dass eine Grundlage für die ICD-Klassifikation die völlig unwissenschaftlichen Vorstellungen darüber sind, wie viel Zeit vor dem Bildschirm für Kinder gefährlich sei. Jüngste Untersuchungen zu dem Thema kämen allesamt zu dem Ergebnis, dass es schlicht gar keine messbaren Zusammenhänge zwischen dem Wohlergehen von Heranwachsenden und den Nutzungszeiten gibt. Bei genauerer Betrachtung zeigte sich immer, dass Schwierigkeiten nicht auf die Nutzung von Computern, sondern auf andere, oft familiäre Faktoren zurückzuführen sind.

So betonte auch Max Davie vom Royal College of Paediatrics and Child Health, dass man zukünftig keine Empfehlungen mehr darüber geben wird, wie viel Zeit Kindern maximal am Rechner oder Smartphone gegeben werden sollte. Als einzige Maßnahme werde angeregt, die Geräte nicht im gleichen Zimmer zu belassen, in denen die Kinder schlafen - damit diese nicht heimlich weitermachen und zu wenig Schlaf bekommen. Es sei, so führte Etchells aus, eher so, dass es laut Datenlage eher problematisch ist, Kinder komplett von der digitalen Welt fernzuhalten, weil solche Zwangsmaßnahmen das Wohlergehen wesentlich stärker einschränken, als das sie etwas nutzen würden.

Siehe auch: Gaming-Abhängigkeit landet auf der offiziellen Suchtliste der WHO Gaming, E3, Messe Gaming, E3, Messe E3
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