MarcoK3

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KI, Wasserzeichen und die Frage: Wer hat hier eigentlich die Arbeit gemacht?

Die Diskussion um KI dreht sich für meinen Geschmack viel zu oft um zwei Extreme.

Entweder heißt es: KI ist der Untergang echter kreativer und menschlicher Arbeit.

Oder: KI ist die Lösung für alles und jeder muss sie jetzt einsetzen.

Ich kann mit beiden Positionen wenig anfangen.

Ich bin selbstständig. Ein Ein-Mann-Betrieb. Ich habe rund 25 Jahre Berufserfahrung aus einer Zeit, in der generative KI überhaupt keine Rolle gespielt hat. Heute nutze ich KI trotzdem nahezu täglich.

Nicht, weil mir das Fachwissen fehlt.

Sondern weil mir schlicht die Zeit fehlt.

KI ersetzt bei mir nicht das Können. Sie ersetzt fehlende Kapazität.

Wenn ich bei einem Kunden einen Rechner einrichte, ein Netzwerk konfiguriere, Hardware installiere, Alexa und Smart-Home-Komponenten einrichte, einen Fernseher konfiguriere, eine Sat-Anlage installiere oder eine Webseite und ein betriebliches System entwickle, dann habe ich diese Arbeit gemacht.

Vor Ort. Mit dem Kunden. An der echten Hardware. Mit echten Problemen und echten Entscheidungen.

Die KI war dabei nicht mit einem Schraubendreher unterm Schreibtisch.

Trotzdem nutze ich sie danach.

Ich diktiere beispielsweise meine Notizen und Erinnerungen zu einem Einsatz. Ich lasse daraus einen strukturierten Abschlussbericht erstellen. Ich gleiche technische Informationen ab. Ich recherchiere bestimmte Details. Ich lasse Texte kürzen, verständlicher formulieren oder sauber strukturieren.

Früher hätte ich für manche dieser Arbeiten abends noch zwei, drei oder vier Stunden am Rechner gesessen.

Heute erledige ich Teile davon in Minuten.

Der Inhalt entsteht dadurch aber nicht plötzlich aus dem Nichts.

Die Informationen stammen aus meinem Kopf. Aus meiner Erfahrung. Aus meinen Entscheidungen. Aus dem, was ich beim Kunden tatsächlich gemacht habe.

Die KI hilft mir dabei, dieses Wissen schneller in eine nutzbare Form zu bringen.

Genau das ermöglicht mir meine heutige Selbstständigkeit

Ohne solche Werkzeuge sähe meine wirtschaftliche Realität wahrscheinlich deutlich anders aus.

Ich müsste bestimmte organisatorische, administrative, kreative und technische Aufgaben an Mitarbeiter verteilen.

Mitarbeiter kosten Geld.

Und als kleiner Selbstständiger hat man dieses Geld gerade am Anfang eben nicht automatisch herumliegen, auch wenn manche Diskussionen über Unternehmertum manchmal so klingen.

Ohne KI hätte ich wahrscheinlich deutlich mehr Kapital gebraucht. Möglicherweise einen größeren Kredit. Vielleicht mehrere Mitarbeiter für unterschiedliche Aufgabenbereiche.

Und irgendwann wäre die Rechnung ganz einfach gewesen:

Die Selbstständigkeit lohnt sich nicht.

Dann hätte ich auch weiterhin irgendwo angestellt meine 40 Stunden verbringen können, Ideen in irgendwelchen Schubladen verschwinden sehen und Projekte nicht umsetzen können, weil Zeit und Ressourcen fehlen.

Heute kann ich deutlich mehr selbst abdecken.

Und vor allem kann ich davon leben, meine Kinder versorgen und gleichzeitig eine Arbeit machen, die mir Spaß macht.

Meine Kunden bekommen weiterhin die Qualität und den persönlichen Kontakt, den ich ihnen bieten möchte.

Von Mensch zu Mensch.

Nur dass im Hintergrund inzwischen Werkzeuge arbeiten, die meine organisatorische Kapazität erheblich erhöhen.

Deshalb finde ich auch die Wasserzeichen-Diskussion interessant

Ich bin grundsätzlich gar nicht gegen Kennzeichnungen.

Im Gegenteil.

Ich glaube nur, dass die simple Kennzeichnung "mit KI erstellt“ oft völlig am Problem vorbeigeht.

Die wichtigere Frage wäre:

Wie ist dieser Inhalt entstanden?

Denn zwischen diesen Dingen liegen Welten:

Ein Mensch schreibt einen Artikel vollständig selbst und lässt anschließend Rechtschreibung und Stil prüfen.

Ein Mensch diktiert seine eigenen Gedanken und lässt daraus einen strukturierten Text erstellen.

Ein Mensch recherchiert ein Thema selbst und benutzt KI zur Zusammenfassung seiner Quellen.

Ein Designer entwickelt ein vollständiges Konzept und generiert einzelne Bildelemente.

Jemand schreibt über Wochen einen Songtext, entwickelt die musikalische Idee und verwendet anschließend generative Werkzeuge für die Umsetzung.

Oder jemand schreibt einen Satz in einen Generator, bekommt zehn Ergebnisse und lädt eines davon hoch.

Alles davon einfach mit demselben Stempel "KI-generiert“ zu versehen, ist mir zu grob.

Vielleicht brauchen wir genau die andere Art von Wasserzeichen

Nicht:

"Achtung, hier war KI beteiligt.“

Sondern eine nachvollziehbare Herkunftsangabe.

Zum Beispiel:

Menschlich erstellt, KI-unterstützt.

Menschlich konzipiert, KI-generiert.

KI-generiert, menschlich kuratiert.

Vollständig synthetisch erzeugt.

Damit könnte ich deutlich mehr anfangen.

Denn dann sprechen wir nicht mehr darüber, ob irgendwann irgendein Algorithmus einen Satz angefasst hat.

Wir sprechen darüber, wo die eigentliche Leistung entstanden ist.

Bei Kunst und Musik wird die Sache noch schwieriger

Ich kann absolut nachvollziehen, warum gerade Künstler die Entwicklung kritisch betrachten.

Wenn innerhalb weniger Sekunden tausende Bilder, Texte oder Musikstücke erzeugt werden können, entsteht ein völlig anderer Wettbewerb.

Und natürlich sollte niemand so tun, als hätte er ein Instrument eingespielt, ein Bild gemalt oder einen Text vollständig selbst geschrieben, wenn das nicht stimmt.

Transparenz halte ich deshalb für wichtig.

Trotzdem finde ich auch hier pauschale Aussagen schwierig.

Was ist mit jemandem, der keine Gitarre spielen kann, aber seit Jahren eine musikalische Idee im Kopf trägt?

Der vielleicht einen Text über sein eigenes Leben schreibt.

Der wochenlang verschiedene Versionen ausprobiert, Arrangements verändert, Teile neu schreibt und sich intensiv mit dem Ergebnis beschäftigt.

Ist das dieselbe Leistung wie die eines Musikers, der den Song komponiert und selbst einspielt?

Nein.

Ist es deshalb automatisch gar keine kreative Leistung?

Für mich ebenfalls nein.

Es ist eine andere Form der Arbeit.

Und genau diese Unterschiede sollten wir benennen können.

KI demokratisiert nicht automatisch Können. Sie demokratisiert Kapazität.

Dieser Unterschied geht in vielen Diskussionen verloren.

Ein Mensch ohne technische Erfahrung wird durch ChatGPT nicht automatisch zu einem guten IT-Techniker.

Ein schlechter Handwerker wird mit einem Sprachmodell nicht plötzlich zum guten Handwerker.

Ein Mensch ohne journalistisches Verständnis wird nicht automatisch zum guten Journalisten.

Aber jemand mit Erfahrung kann plötzlich Dinge erledigen, für die früher mehrere Personen notwendig gewesen wären.

Das verändert gerade für kleine Unternehmen enorm viel.

Und genau deshalb ist KI für mich gleichzeitig Fluch und Segen.

Und ja: Auch dieser Text ist KI-unterstützt

Das gehört für mich zur Transparenz dazu.

Die Gedanken in diesem Beitrag stammen von mir.

Ich habe den ursprünglichen Inhalt eingesprochen und meine Argumentation zunächst per Sprache festgehalten, weil ich schlicht keine Zeit hatte, diesen Text in dieser Länge manuell zu tippen.

Anschließend habe ich den Text gemeinsam mit ChatGPT strukturiert, gekürzt, sprachlich überarbeitet und für diesen Blogbeitrag kuratiert.

Ich habe entschieden, welche Aussagen enthalten bleiben, welche ergänzt werden und welche Position dieser Beitrag vertritt.

Auch die finale Version habe ich geprüft und freigegeben.

Ist das deshalb jetzt ein "KI-Artikel“?

Für mich wäre die treffendere Bezeichnung:

Ein menschlicher Beitrag, KI-unterstützt erstellt.

Und genau deshalb halte ich die Frage nach Herkunft und Arbeitsanteil für sinnvoller als einen simplen KI-Stempel.

Am Ende bleibt es ein Werkzeug

Wir hatten ähnliche Diskussionen beim Internet.

Bei Smartphones.

Bei sozialen Netzwerken.

Bei WhatsApp.

Bei nahezu jeder Technologie, die unseren Alltag grundlegend verändert hat.

Und meistens lag die Wahrheit irgendwo zwischen Euphorie und Untergang.

Mit KI wird es vermutlich genauso sein.

Man kann sie sinnvoll einsetzen.

Man kann sie missbrauchen.

Man kann damit großartige Dinge erschaffen.

Und selbstverständlich wird die Menschheit damit auch wieder Dinge produzieren, bei denen man sich fragt, wer eigentlich entschieden hat, dass wir davon noch mehr brauchen.

Für mich persönlich gilt deshalb:

Ich möchte KI nicht überall einsetzen.

Aber dort, wo sie mir Routinearbeit abnimmt, Informationen strukturiert, Recherche unterstützt oder meine eigenen Gedanken schneller in eine verwendbare Form bringt, möchte ich sie nicht mehr missen.

Denn genau dort ermöglicht sie mir etwas, das für einen Ein-Mann-Betrieb früher erheblich schwieriger gewesen wäre:

Meine eigentliche Arbeit selbst zu machen, ohne an der ganzen Arbeit rundherum zu ersticken.

Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber diskutieren, ob irgendwo KI benutzt wurde.

Und häufiger darüber, wer die Idee hatte, wer die Verantwortung trägt, wer die fachliche Leistung erbracht hat und wie das Ergebnis tatsächlich entstanden ist.

Das wäre zumindest eine Debatte, mit der ich deutlich mehr anfangen könnte.

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