- 11.07.23
- 13:40
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Hüllen zerbröseln: Neuer Rückschlag fürs französische Atomprogramm
Leider ist die Mär des Verlustgeschäftes aus dem grenzüberschreitenden Stromhandel keine Mär, wie unter entsoe.eu für jeden zugänglich ist.
Man sieht dort (oder bei den verlinkten RTE Echtzeitdaten), dass die Europäischen Strompreise an der Strombörse mittags ihr Minimum erreichen (letzten Sonntag 1,702 ct pro kWh) und im Winter nach Sonnenuntergang ihr Maximum (z.B. am 16. Januar um 18h00 stellenweise 29,6 ct pro kWh). Das spiegelt eindeutig das Ungleichgewicht von Produktion und Nachfrage, wenn Wind und Sonne anders ticken als wir Verbraucher. Im Sommer können die Kernkraftwerke mittags ruhen, im Winter leisten sie Volldampf - zumal die Franzosen überwiegend mit Strom heizen, was bei 16-18 ct/kWh Endkundenpreis verständlich ist. Noch besser machen es die Tschechen, die ihren Kernkraftstrom in österreichische Pumpspeicher exportieren, was sich abends als grüne Wasserkraft mit Bonus nach Deutschland weiterverkaufen lässt. Leicht erkennbar in der Electricity App, die die entsoe.org Stromtransferdaten grafisch darstellt.
Dass unsere Europäischen Nachbarn dieses "sehr deutsche" Experiment mittragen, grenzt an ein Wunder. Ich kann es mir nur so erklären, dass dadurch der deutsche Außenhandelsüberschuss durch den Stromhandelsverlust stillschweigend einvernehmlich abgeschwächt wird. Vermutlich denken benachbarte Wirtschaftsminister auch, dass eine kostenbedingte Abwanderung der Industrie aus Deutschland ihnen auf lange Sicht in die Karten spielt. Deutschland in 50 Jahren als reine Servicegesellschaft ohne nennenswerte Exporte! Und ohne Importe - mangels Devisen.
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Hüllen zerbröseln: Neuer Rückschlag fürs französische Atomprogramm
@The_Xar:
Ich glaube gerne, dass wir in all den Jahren, in denen wir uns im Winter selber versorgen konnten beim Stromhandel kein Minus gemacht haben.
Ist das im Winter 2023 auch noch so? Und nach unserem Kohleausstieg, sofern er denn stattfindet...?
Hüllen zerbröseln: Neuer Rückschlag fürs französische Atomprogramm
@Breaker: Vom Fach?
Meine Wortwahl "die französischen Kernkraftwerke können mittags ruhen" war wohl zu flappsig, natürlich laufen sie im Regelbetrieb weiter, allerdings nachmittags mit 2000-3000 MW (je nach Wetter und Abnahme) weniger als vormittags, so auch heute. Die Aussage "Tage bis Wochen zum Herunterfahren" eines Reaktors gilt ja auch nur für das Abkühlen auf unterkritischen Reservebetrieb, und darum geht es ja hier nicht.
Den Kohleausstieg hat Frankreich geschafft, mit weniger als 0,05% Kohleanteil. Der deutsche Überschussstrom muss also durch Abregeln anderer Erzeuger aufgenommen werden, und da bleibt nach Abzug von Gas und Wasserkraft kaum noch etwas übrig. Niemand will in Frankreich weitere Speicherseen oder Gasturbinen zur Lösung eines deutschen Problems bauen.
Folgerichtig hat Frankreichs Präsident Macron eine Initiative ausgerufen, die französische Kernkraft zunehmend regelfähig zu machen, mit der Entwicklung kleiner SMR und schneller MSR Reaktoren ebenso wie der Weiterentwicklung klassischer Leichtwasserreaktoren. Zwar lohnt sich das Abregeln von Kernkraftwerken nicht finanziell, da die Brennstoffkosten kaum zu den Betriebskosten beitragen. Aber die Aufnahme von Überschussstrom gegen Bezahlung und die Mitversorung des bedürftigen Nachbarn im Winter stellen ein tragfähiges Businessmodell dar, ganz zu schweigen vom politischen Gewicht. Und wo Geld ist, findet sich ein Weg.
PS. Welche Schuld sollen wir unseren Europäischen Nachbarn in die Schuhe schieben? Wir sollten dankbar dafür sein, dass sie unseren Alleingang (noch) tolerieren und abfedern.
Hüllen zerbröseln: Neuer Rückschlag fürs französische Atomprogramm
Leider ist die Mär des Verlustgeschäftes aus dem grenzüberschreitenden Stromhandel keine Mär, wie unter entsoe.eu für jeden zugänglich ist.
Man sieht dort (oder bei den verlinkten RTE Echtzeitdaten), dass die Europäischen Strompreise an der Strombörse mittags ihr Minimum erreichen (letzten Sonntag 1,702 ct pro kWh) und im Winter nach Sonnenuntergang ihr Maximum (z.B. am 16. Januar um 18h00 stellenweise 29,6 ct pro kWh). Das spiegelt eindeutig das Ungleichgewicht von Produktion und Nachfrage, wenn Wind und Sonne anders ticken als wir Verbraucher. Im Sommer können die Kernkraftwerke mittags ruhen, im Winter leisten sie Volldampf - zumal die Franzosen überwiegend mit Strom heizen, was bei 16-18 ct/kWh Endkundenpreis verständlich ist. Noch besser machen es die Tschechen, die ihren Kernkraftstrom in österreichische Pumpspeicher exportieren, was sich abends als grüne Wasserkraft mit Bonus nach Deutschland weiterverkaufen lässt. Leicht erkennbar in der Electricity App, die die entsoe.org Stromtransferdaten grafisch darstellt.
Dass unsere Europäischen Nachbarn dieses "sehr deutsche" Experiment mittragen, grenzt an ein Wunder. Ich kann es mir nur so erklären, dass dadurch der deutsche Außenhandelsüberschuss durch den Stromhandelsverlust stillschweigend einvernehmlich abgeschwächt wird. Vermutlich denken benachbarte Wirtschaftsminister auch, dass eine kostenbedingte Abwanderung der Industrie aus Deutschland ihnen auf lange Sicht in die Karten spielt. Deutschland in 50 Jahren als reine Servicegesellschaft ohne nennenswerte Exporte! Und ohne Importe - mangels Devisen.