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  • 13.04.22
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Längere AKW-Laufzeit in Frankreich bremst Energiewende in der BRD

Schon die Formulierung "notwendige Energiewende" lenkt vom Wesentlichen ab: "Notwendig" im engeren Sinne sind Emissionsreduktionen, so schnell wie möglich Null-Emissionen. Die Emissionen von Atomkraft sind aber genauso wie von EE annähernd "null" (oft sogar niedriger als von EE). Ob EE durch Atom verdrängt werden, interessiert das "Notwendige", das Klima, also herzlich wenig.

Viel schlimmer ist: Die Darstellung der Studie ignoriert komplett, dass durch den Verzicht auf eine Laufzeitverlängerung die Emissionen sogar massiv steigen - und dies selbst im von der Studie analysierten Modelljahr 2030! Kahle schreibt: "In den Simulationen zeigte sich, dass nur die Laufzeitverlängerung in Frankreich dazu führen würde, dass im Jahr 2030 in Frankreich, Spanien und Deutschland zusammengenommen rund 2 Milliarden Kilowattstunden (2 TWh) Ökostrom aus dem Netz gedrängt würden, …" Aha. Nicht gesagt wird: Durch die Laufzeitverlängerung wären im Jahr 2030 Atomkraftwerke mit einer zusätzlichen Leistung von 19 GW am Netz [1], die nicht etwa 2 TWh, sondern 128 TWh emissionsarmen Strom produzieren. (19 GW*8760 h/pa *0,77CF) Schaltet man die AKWs ab, müsste unter den Modellannahmen die Differenz 128-2=126TWh durch den verbleibenden fossilen Kraftwerkspark (minus ein bisschen Wasserkraft) ersetzt werden. Je nachdem, ob man Kohle oder Gas zugrunde legt, sind das mindestens (also nur Gas) 60Mt zusätzliche CO2e-Emissionen allein im Modelljahr 2030. - Grob die Emissionen eines mittleren deutschen Bundeslandes wie Brandenburg. Noch einmal: Mindestens!

Beachtenswert ist auch, dass es bei solchen Modellen stets auf die Rahmenannahmen ankommt, zum Beispiel auf den Ausbau der Stromnetze: Je mehr exportiert werden kann, desto geringer die notwendigen Abregelungen. Auch Speicher oder Möglichkeiten zur Nachfragesteuerung spielen eine Rolle. Abregelung lässt sich in der Praxis durch geeignete Netzintegration erheblich reduzieren.
Beachtenswert ist schließlich, dass fragliche Studie von Greenpeace bzw. von Green Planet Energy in Auftrag gegeben wurde. Das Greenpeace-Unternehmen verkauft Erneuerbare Energien, die Studie ist also ein reines Lobby-Produkt. Dass Greenpeace Energy - der alte Name von Green Planet Energy letztes Jahr als Verkäufer von fossilem Gas in Schlagzeilen geriet [2], passt da ins BildEin Schelm, wer Böses dabei denkt.
In Gegensatz zum von Greenpeace suggerierten Bild, Atomstrom würde "Ökostrom aus dem Netz drängen" bzw. "die Energiewende verzögern", ist es genau umgekehrt: Relativ kleine Mengen emissionsarmer Ökostrom sollen viel größere Mengen emissionsarmen Atomstrom aus dem Netz drängen - zweifellos um Wohle der der EE-Lobbys, aber auf Kosten des Klimas.

[1] https://green-planet-energy.de/fileadmin/images/presse/220407_Energy_Brainpool_Kurzstudie_Kernkraft_GPE.pdf
[2] https://www.climateandcapitalmedia.com/is-germanys-greenpeace-energy-at-peace-with-selling-mostly-natural-gas/

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