Videospiele: China setzt auf heimische Games

Ende 2022 hat die chinesische Regierung 44 importierten und für den heimischen Markt aufbereiten Videospielen eine Veröffentlichungsgenehmigung erteilt und damit einen fast eineinhalbjährigen Importstopp beendet. Zu den zugelassenen Spielen gehören unter anderem Pokémon Unite und Valorant, wobei ersteres aufgrund der strengen Regularien des chinesischen Spielemarkts hinsichtlich erlaubter Inhalte nicht von Nintendo selbst, sondern durch den Medienkonzern Tencent vertrieben wird. Wie die Grafik zeigt, erhielten in den vergangenen fünf Jahren die wenigsten internationalen Spiele einen offiziellen Release in der Volksrepublik.

2018 wurden beispielsweise knapp 2.000 heimische Spiele zugelassen, während nur rund 50 Games aus Ländern wie Südkorea, Japan oder den USA eine Veröffentlichungsgenehmigung erhielten. Obschon rund 2.000 veröffentlichte Spiele pro Jahr nach einer großen Zahl klingt, veranschaulicht die Anzahl der veröffentlichten Spiele auf Steam, dem größten Online-Shop für PC-Games, die rigorose Genehmigungspolitik Chinas. So erschienen laut Daten von SteamDB 2018 etwa 9.000 Spiele auf der Plattform, 2021 und 2022 waren es etwa 11.500 respektive 13.000.

Die niedrigen Zahlen auch hinsichtlich der inländisch produzierten und erschienenen Spiele in den vergangenen zwei Jahren lässt sich mit einem Einschnitt in die Medienpolitik des Landes erklären. Im August 2021 führte die zuständige Behörde National Press and Publication Administration zusätzliche Restriktionen hinsichtlich des Games-Konsums Minderjähriger ein. Kindern und Jugendlichen ist es seit September 2021 am Wochenende nur eine Stunde pro Tag erlaubt, Online-Games zu spielen, unter der Woche herrscht ein generelles Verbot. Im Zuge dieser Neuausrichtung wurde die Zulassung nicht nur für importierte, sondern auch für inländische Spiele bis zum April 2022 komplett ausgesetzt.

Chinesische Spieler umgingen beispielsweise das Verbot der internationalen Version von Steam bereits in der Vergangenheit durch den Einsatz von VPNs, eine ähnliche Nutzung während der Zeit der Zulassungspause ist also wahrscheinlich. Belastbare Zahlen zum Ausmaß der in der Volksrepublik illegalen Tätigkeiten abgesehen von einzelnen, durch Spieleentwickler veröffentlichten Statistiken gibt es nicht.

Der Zulassungsstopp wirkte sich auch auf den Gewinn von Tencent aus: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Reingewinne im ersten Quartal 2022 im Value-Added-Service-Segment (VAS), das neben Games auch Social Media und anderen digitalen Content enthält, um rund 800 Millionen US-Dollar. Da Tencent selbst in seinen Finanzberichten keine genaueren Unterkategorien anführt, ist nicht klar, wie hoch die Einbußen im Online-Games-Bereich letztlich ausgefallen waren. Der Umsatz der Firma mit Videospielen im ersten Quartal 2022 lag laut Unternehmensangaben bei 6,5 Milliarden US-Dollar.
Florian Zandt / Statista
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