KI findet in Gaia-Daten mehrere marodierende High Speed-Sterne

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Wenn eines der ambitioniertesten Raumfahrt-Projekte der letzten Jahre und die aktuellsten Algorithmen zusammenkommen, entsteht neues großes Wissen. Das zeigt aktuell das Gaia-Projekt der europäischen Raumfahrtagentur ESA. Mit einem Neuronalen Netzwerk wurden die Daten, die das Weltraum-Observatorium seit längerer Zeit liefert, nun nach schnellen Sternen durchsucht.
High Speed-Sterne
Langsam sind Sterne eigentlich ohnehin nicht - auch wenn ihre Bewegungen aufgrund der riesigen Entfernungen im All kaum auffallen. So bewegt sich beispielsweise unsere Sonne mit immerhin 220 Kilometern pro Sekunde um das Zentrum der Milchstraße herum - und benötigt so für einen Umlauf über 220 Millionen Jahre. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt eher bei 150 Kilometern pro Sekunde. Es gibt aber einige Sterne, die wesentlich schneller unterwegs sind - und das auch noch abseits der üblichen Umlaufbahnen innerhalb der Galaxie.

Während die meisten der mindestens hundert Milliarden Sterne in der Milchstraße um das Zentrum kreisen, sind einige durch verschiedene Ereignisse beschleunigt und aus ihrer Bahn geworfen worden. Bei einigen könnte ein großer, vorbeiziehender Stern als Katapult gewirkt haben, bei anderen eine Supernova in der direkten Nachbarschaft. Einige sind wohl auch durch so genannte Swing-by-Flugbahnen entlang des Schwarzen Loches im Zentrum der Milchstraße beschleunigt worden und reisen nun mit vielen hundert Kilometern pro Sekunde dahin. Damit überwinden sie die Gravitationskräfte in der Galaxie und werden irgendwann aus ihr hinausgeschleudert.

KI sucht Muster

Die Forscher der ESA hatten nun eine Künstliche Intelligenz darauf trainiert, genau solche Sterne ausfindig zu machen. Als Grundlage dienten die Daten von Gaia, einem Observatorium, das seit 2013 eine über viele Jahre angelegte Vermessung der Milchstraße durchführte, die um ein Vielfaches genauer und umfassender ist, als alles, was wir bis heute kennen. Trotzdem ist es nicht einfach, diese High-Speed-Sterne zu finden - denn auch sie wirken auf unsere Beobachtungen nur als normale Lichtpunkte, die sich kaum von der Stelle bewegen - und es sind eben einige wenige in einem Meer von normalen Sternen.

Trotzdem war die KI der ESA erfolgreich - insbesondere, weil sie nach jüngeren Objekten in Regionen Ausschau hielt, in denen ansonsten nur ältere Sterne zu finden sind. Und trotz der vergleichsweise kurzen Beobachtungszeiten konnten letztlich Flugbahnen durch die Milchstraße rekonstruiert werden. Die ESA veröffentlichte die Ergebnisse der Forschungsarbeit unter anderem in Form dieses Videos, das einen Zeitraffer über rund eine Million Jahre darstellt.

Insbesondere die High-Speed-Sterne aus dem Zentrumsbereich sind für die Astronomen extrem interessant. Denn mit ihnen hat man Objekte aus der Region in neuen Gegenden verfügbar, in denen man sie leichter beobachten und vermessen kann. Das ist im Zentrumsbereich aufgrund der dortigen hohen Ansammlung von Materie und Energie längst nicht so gut und genau möglich. So erhofft man sich neue Erkenntnisse über die Zusammensetzung und Entstehung der Milchstraße.

Gaia: Mrd. Pixel für ein neues Bild der Milchstraße
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Die im Zentrum sind besser zu beobachten als die im Zetrum, weil die im Zentrum wegen vieler anderen nicht so gut beobachtet werden können?
Ich denke im letzten Absatz fehlt ein "nicht" ;-)

Aber diese realtiven Geschwindigkeiten sind schon Wahnsinn, 220km/s. Unser schnellstes Raumschiff dürfte eher so 2km/s erreichen, mit dem es sich von der Erde entfernt (Voyager Sonden)
 
@Bautz: Alleine die ISS hat imho knappe 7200 m/s drauf, was die Voyager angeht, einfach mal in der Wiki nachschlagen. Ist aber dennoch nicht die Schnellste, nur die am weitesten entfernte. Die schnellste dürfte meines Wissens Juno sein.
 
@RaymondO: Ja, hab mich da irgendwie verrechnet, sind 20km/s, nicht 2 ;-)
 
Juno flitzt mit 266.000 km/h (73,8888km/s) durchs All... schön schnell ;-)
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