Jeder Pinselstrich: So geht Kunst-Digitalisierung mit Google-Technik

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Der Suchmaschinenkonzern Google will mit einer neuen Kamera die Digitalisierung von Kunstwerken entscheidend voranbringen. Die Anforderungen und entsprechend auch der Prozess unterscheiden sich wesentlich vom normalen Abfotografieren.

Das Unternehmen begann schon vor einiger Zeit damit, neben Büchern auch Gemälde zu digitalisieren, um sie für die breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen und auch zu bewahren. Dafür wurde eigens das Google Cultural Institute gegründet. Dieses hatte von Beginn an auch die Aufgabe, nach besseren technischen Lösungen zu suchen, denn die bisherige Ausbeute zeigt, wie schwierig das Unterfangen bisher war: In seinem fünfjährigen Bestehen konnten bis vor einigen Monaten erst einmal nur 200 Werke digitalisiert werden.

Das änderte sich, als dann die neue "Art Camera" fertig war. In wesentlich kürzerer Zeit landeten weitere tausend Werke auf den Speichern der Initiative. Das neue System ist wesentlich einfacher einsetzbar als andere Kamera-Setups, die bisher für die fragliche Aufgabe eingesetzt wurden. Und der Zeitaufwand für den Scan eines rund ein mal ein Meter großen Gemäldes reduzierte sich von einem guten Tag auf nur noch eine halbe Stunde.

Gigapixel für Kunstkenner

Selbst die hochauflösendsten Fotos normaler Kameras reichen nicht aus, um den Ansprüchen in diesem Bereich gerecht zu werden. Denn die Werke müssen in einer Detailstufe erfasst werden, die es möglich machen, auch die feinsten Strukturen der Pinselstriche nachzuvollziehen. Denn für Kenner sind gerade diese Feinheiten oft der Schlüssel, die die Ergebnisse der großen Meister von mäßig begabten Kunsthandwerkern unterscheiden.

Die Art Camera kann nun einfach vor eine Wand im Museum gestellt werden, an der das jeweilige Werk hängt. Sie bekommt dann den genauen zu erfassenden Bildausschnitt mitgeteilt und beginnt mit der Arbeit. Die generierten Daten werden dann in einem Datenzentrum Googles zu Aufnahmen im Gigapixel-Bereich zusammengesetzt.

Google hat inzwischen 20 Kameras dieses Typs herstellen lassen und bietet diese den Kunstsammlungen weltweit als Dienstleistung an. Diese müssen selbst keine ihrer knappen Mittel mehr aufwenden, um andere Experten dafür hinzuzuziehen. Die Art Camera und die dahinterliegenden Dienste gibt es kostenlos - im Gegenzug sieht es Google natürlich gern, wenn die Aufnahmen dann öffentlich verfügbar gemacht werden, am besten auch auf der Projektseite des Unternehmens.
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Ich finde das Klasse, wer kann schon durch die Welt tingeln und Musen besuchen.

Würde sogar einer Gesetzlichen Verpflichtung zustimmen, für mit öffentlichen Mittel geförderten Musen oder in Öffentlicher Hand befindlichen, das das allen >SO< zugänglich gemacht wird.
 
@Kribs: Du würdest also einer gesetzlichen Pflicht zuzustimmen, einer Privatorganisation Daten und ein Monopol über Kunstbestände zuzuschanzen?
 
@AhnungslosER: JA!
Es steht dann "Frei" zur Verfügung für alle Interessierten, das da dann Google noch was dran verdient, stört mich auch nicht, weil auch so entstehen Kosten die irgendwo finanziert werden müssen.
Wenn es kein anderer macht, dann doch lieber so als gar nicht!
 
@Kribs: Da kann man denen auch direkt die Originale schenken oder was?
 
@Kribs: "wer kann schon durch die Welt tingeln und Musen besuchen" Es hat ja auch nicht jeder eine Muse, geschweige denn mehrere über die Welt verteilt. ;-)

Ich finds aus einem anderen Grund gut: Es gibt zuviele Idioten auf dieser Welt, die Kunst und Menschheitsgeschichte zerstören. Indem man sowas digitalisiert solange es noch nicht zerstört wurde, steigt die Chance, es der Nachwelt irgendwie zu erhalten. Gerade zerstörte Bauwerke kann man, wenn sie vorher digitalisiert wurden, vielleicht irgendwann zumindest als täuschend echtes Hologramm wieder auferstehen lassen.
 
@TiKu: + Dein Argument stimmt und ist wirklich wichtig!

Mir ging aber nur die "Profane" Verfügbarkeit der Information durch den Kopf bzw. das Zeitnahe zur Verfügung stellen der Information.
Man kann, ist ein Bild in der Datenbank, es aus verschiedenen Gründen Zeitnahe betrachten, ohne dafür dem Bild hinter herzureisen.
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