Künstliche Intelligenz fällt Urteile: Forscher entwickeln Richter-AI

Künstliche Intelligenz, im englischen Artificial Intelligence (AI) genannt, soll nach Wunsch vieler Forscher in immer mehr Bereichen den Menschen ergänzen oder sogar übertrumpfen können. Jetzt wurde ein Algorithmus entwickelt, der über ... mehr... Gericht, Gesetz, Urteil, Hammer Bildquelle: Dumfries Museum Gericht, Gesetz, Urteil, Hammer Gericht, Gesetz, Urteil, Hammer Dumfries Museum

Diese Nachricht vollständig anzeigen.

Jetzt einen Kommentar schreiben
 
Ich sehe da gleich mehrere Vorteile...

Zum einen können bei den Unmengen an 0815 Fällen die vollkommen überlasteten Gerichte entlastet werden. Hier würde ich einer KI gestatten ein erstes Urteil fällen zu können, bei welchem, wie bei jedem einfachen Gerichts-Urteil, Einspruch erhoben werden kann.

Zum anderen kann bei sehr komplexen oder umstrittenen Fällen die KI als eine Art zusätzliche unabhängige Instanz genutzt werden. Bestechung/Beeinflussung ausgeschlossen. Deutlich besser als bei den amerikanischen Geschworenen-Gerichten.
 
@Draco2007: Bin da indifferent. Einerseits könnte man einer KI die notwendige Neutralität unterstellen - allerdings ist es manchmal nicht gerecht, Sachverhalte rein "Neutral" zu betrachten.

Aber eine automatisierte Vor-Instanz - warum nicht.
 
@dognose: im Prinzip sagen wir beide das gleiche....

Die "absolute" Neutralität kann natürlich auch zum Problem werden, weshalb ich in wichtigen Fällen die KI auch nur als unterstützend sehen. Aber in den Tausenden 0815 Fällen könnte die KI wirklich alleine Entscheidungen treffen. Am Ende sitzen ja immer noch Menschen, die entscheiden können ob sie das Urteil akzeptieren oder doch lieber in die nächste Instanz wollen.
 
@dognose: Diese "KI" ist nicht neutral. Sie hat ihre "Meinung" aus den gelernten Fällen adaptiert. Wenn man hier Fälle mit einer gewissen Tendenz hat, dann geht das auch so in die Wissenbasis mit ein.

Das Algorithmus sucht dann nur nach dem passendsten Fall und adaptiert diesen ggf. für den aktuell vorliegenden Fall. Dabei werden sehr wahrscheinlich die Tendenzen der damaligen Urteilssprechnung übernommen, d.h. die Neutralität ist nie gegeben. Zwar mag das System neutral sein, jedoch der damals aufgenommene Fall kann es nicht sein.

Hier zeigt sich vor allem ein Problem: Das System ist nur so gut wie seine Fälle, die es kennt. Und die "bringen" ja Forscher ins System, zumindest initial. Somit können diese Forscher maßgeblich beeinflussen wie ein System reagiert.
 
@Fallen][Angel: im Prinzip wie ein Mensch auch. Auch der trifft Entscheidungen aufgrund von Erfahrungen...

Der Unterschied ist, die Erinnerungsfähigkeit einer KI ist praktisch unbegrenzt. Die KI könnte schlicht mit ALLEN dokumentierten Fällen arbeiten, die existieren...ohne dabei einen zu vergessen oder einen besonders tragischen Fall stärker zu bewerten...

Ich würde das schon als Neutral bezeichnen.
 
@Draco2007: Man könnte die KI zumindest als "zusätzlichen" Richter mit involvieren, sodass man bspw. menschliches und künstliches Urteil hat und aus beiden unter Abwägung der Gesamtumstände und der Begründungen der Urteilssprüche ein Gesamturteil fällt.

Letztlich käme es drauf an, in welchen Bereichen die KI Urteile fällt (Strafrecht, Verkehrsrecht, ...). Man muss aufpassen, dass man nicht wie im Film "Judge Dredd" für eine Tat ein Pauschalurteil serviert bekommt.

Für Falschparken auf dem Behindertenparkplatz kann eine KI aber ratzefatze urteilen, Bescheid ausstellen und die Katze ist im Sack.
Wenn es um bspw. Totschlag gehen würde, wäre ich da noch vorsichtig (Notwehr, Vorsatz oder Affekt, keine Beweismittel übersehen oder ausgelassen, Wichtung und Einschätzung der Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen, ...).
 
Ich verfolge die Fortschritte in der KI-Forschung ja mit großen Hoffnungen und großem Interesse, aber über den Satz "Wie der Guardian berichtet, stimmt die Software dabei sehr oft mit dem Urteil der menschlichen Richter überein." bin ich ein bisschen gestolpert. Ich nehme mal stark an, dass die Urteile der menschlichen Richter der Maßstab für das "fitting" sind, dann ist es natürlich keine Überraschung wenn dabei eine KI herauskommt, die auf weitere Beispieleingaben ebenfalls mit den menschlichen Richtern übereinstimmt.

Nicht, dass das schlecht wäre ich bin nur etwas skeptisch bezüglich des Informationswertes dieser Beobachtung.

Nachtrag: Für einen Bereich indem jeder einzelne Fall ein hohes Gewicht hat, ist die Lücke zwischen 79% und 100% verdammt groß. Oder gibt es Gründe zu Annahme, dass die menschlichen Richter in 21% falsch entschieden hätten?
 
@dpazra: Naja, einen gewissen Nutzen könnte so eine KI schon haben, besonders wenn die Trefferquote weiter verbessert wird: Sie lässt im Vorfeld eine Tendenz des Richterspruchs erkennen. So könnte man eventuell bei geringfügigen Fällen, die sonst nur die wichtigen Fälle blockieren, erstmal die KI entscheiden lassen und erst wenn die Konfliktparteien dann noch immer Lust auf einen Prozess haben, das ganze vor einen menschlichen Richter bringen. Der hätte durch das Prozedere dann wahrscheinlich auch einen einigermaßen gut vorbereiteten Fall zu entscheiden, was das Verfahren sicherlich beschleunigen würde.
Außerdem könnte so eine KI in der Ausbildung von Juristen und vielleicht auch Ermittlern hilfreich sein.

Zu deinem Nachtrag: Wenn eine Abweichung zur KI bereits vor dem Urteil dafür sorgt, dass der Fall nochmal auf Fehler überprüft wird, hätte das auch Vorteile.
 
Die 79% Treffergenauigkeit sagen nicht wirklich viel aus. An sich ist das schon mal gar nicht schlecht, wenn es aber eine solche Übereinstimmung mit dem LG Hamburg gäbe, wäre das allerdings höchst bedenktlich.
Man muß immer wissen mit wem man vergleicht.
 
Selbst wenn die AI noch im Alpha-Studium wäre, wäre sie wahrscheinlich schon schlauer als das LG Hamburg.
 
An sich nix großes und neues. Das ist ganz normales fallbasiertes Lernen, was auch nicht wirklich sooo viel mit künstlicher Intelligenz zutun hat, wie man auf den ersten Blick meinen möchte.

Das System bekommt eine große Fallbasis und anhand einiger Algorithmen geht es dann darum, dass der passendste Fall für den aktuell vorliegenden genommen und adaptiert wird.

Wer sich dafür interessiert: https://de.wikipedia.org/wiki/Fallbasiertes_Schlie%C3%9Fen
Kommentar abgeben Netiquette beachten!

Video-Empfehlungen