Der große G6-Test: LG eröffnet den Kampf um den Smartphone-Thron

Verarbeitung

Das LG G6 sieht nicht nur enorm solide aus, es liegt auch genauso in der Hand. Daneben fühlt sich das Samsung Galaxy S8 ergonomischer weil nicht so breit und eckig an. Dabei gleichen sich die Maße der beiden Kombattanten enorm: Während das Samsung auf 68 x 149 x 8,0 Millimeter kommt, werden beim LG 72 x 149 x 8,1 Millimeter gemessen.

Das Gewicht von 162 statt 151 Gramm fällt jedoch merklich höher aus beim G6. Da mag man kaum glauben, dass die Rückseite gar nicht aus Metall, sondern aus Glas besteht, genauer gesagt aus Gorilla-Glas 5 - auch wenn die Optik einen gänzlich anderen Eindruck erweckt wie in den Nahaufnahmen in folgenden Hands-on-Video zu sehen:


Trotzdem kann das G6 einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem S8 geltend machen: Der Metallrahmen fasst den Korpus gänzlich ein, während beim Samsung das um die Kanten gebogene Display den seitlich höchsten Punkt bildet. Fällt das Telefon also genau auf diese Kante, dürfte ein Glasbruch höchst wahrscheinlich sein - zumindest ohne Schutzgehäuse, das dann aber die Ergonomie des S8 obsolet macht. Das G6 hingegen dürfte deutlich bessere Chancen haben, einen Sturz zu überleben.

Ein Problem gibt es aber dennoch beim LG: Die Dual-Kamera verläuft plan zum restlichen Rücken. Das fühlt sich klasse an und sieht noch besser aus, bedeutet aber auch, dass das Telefon auf dem Schutzglas der Objektive ruht, wenn man es ablegt. Das sollte solche Beanspruchungen zwar theoretisch locker verkraften, doch Theorie und Praxis können bekanntlich mitunter voneinander abweichen. Da sollte man also lieber ein wenig Vorsicht walten lassen.


Fingerabdruck-Sensor

Ein kleines Stück unterhalb der Kamera sitzt der Fingerabdruck-Sensor. Auf jeden Fall besser platziert als beim S8, aber auch nicht ideal. Denn erstens dürfte dieser Abstand gern eine ganze Ecke größer ausfallen, und zweitens lässt sich der Scanner nicht perfekt ertasten: Weder liegt er tiefer, noch wird er von einem deutlich spürbaren Rahmen eingefasst. Man kann ihn finden, keine Frage, aber gerade am Anfang dürfte da so mancher den Finger erst einmal auf die Suche schicken müssen - und dabei womöglich dann doch zumindest teilweise auf die Linsen der Kamera touchen. Kein Ausschlusskriterium, aber wie gesagt nicht ideal.

Always-on-Display

Weggefallen ist nicht nur der Infrarot-Sender, sondern auch die Info-LED. Stattdessen werden Ereignisse wie beispielsweise verpasste Anrufe oder anstehende Termine auf dem "Always-on-Display" signalisiert. Allerdings handelt es sich wie gesehen um ein LCD-Panel, die einzelnen Pixel leuchten also nicht selbst wie beim AMOLED-Panel des Galaxy S8.

Stattdessen wird die gesamte Anzeige von hinten beleuchtet - auch wenn diese weitgehend schwarz bleibt, sind also von hinten die LEDs aktiv! LCD und Always-on sind deshalb keine sonderlich gute Kombination. Dennoch soll sich die Belastung des Akkus im Bereich von deutlich unter 1 Prozent pro Stunde bewegen, sowohl bei AMOLED als auch bei LCD. Wer jedoch den Eindruck gewonnen hat, dass dieses Feature zu viel Strom verbraucht, kann "Always-on" natürlich auch deaktivieren.

Nutzeroberfläche

Das LG G6 kommt mit Android 7.0, unterstützt bislang aber noch kein Daydream, die neue VR-Plattform von Google. Mehr zu Daydream hier:


Über Android 7 legt LG seine hauseigene Nutzeroberfläche, die inzwischen auch wieder ein Menü ("App Launcher") mitbringt, welches aber zunächst in den Einstellungen aktiviert werden muss. Mit dem Wechsel dieses Modus ändert sich auch die Anordnung der Icons auf den Home-Screens, wobei sich die Software diese merkt. Daher kann man diese Funktion also auch dazu nutzen, zwei unterschiedliche Sets von Startbildschirmen anzulegen, also beispielsweise privat und Arbeit.

Die Einstellungen lassen sich sowohl in Form von Tabs anzeigen, wie es ab Werk der Fall ist, als auch in Form einer langen Liste. Die "Smart Settings" ermöglichen das Programmieren diverser Einstellungen in Abhängigkeit von gewissen Konditionen, darunter das Anschließen von Kopfhörern, das Einschalten von Bluetooth-Geräten und der Standort. Daraufhin lassen sich dann beispielsweise Einstellungen wie das Tonprofil automatisch ändern.

Bedienung

Nützlich auch immer "Tap 2 Wake", also das Aufwecken des Telefons per Doppeltipp auf den Touchscreen. Oder das Schlafenlegen. Selbst bei Smartphones mit Fingerabdrucksensor ist sowas sinnvoll, nicht nur wenn dieser wie beim G6 auf der Rückseite sitzt und das Telefon auf dem Tisch liegt; schließlich wollen nicht alle Menschen ihre Fingerabdrücke preisgeben.

Nicht zuletzt sei noch erwähnt, dass sich die Einstellungen für USB-Verbindungen speichern lassen. Klingt nach einer Kleinigkeit, kann aber gewaltig nerven, wenn man sein Handy häufiger an den PC andockt und dann jedes Mal aufs Neue die Verbindung erst auf dem Telefon bestätigen oder aktivieren muss. Da sieht man, dass es auch unter Android 7 geht, wenn denn der Hersteller will.

Von daher hat sich das LG G6 das "Sehr gut" in der Handhabungswertung redlich verdient.

LG G6 und Samsung Galaxy S8 haben sich wahrlich einen harten Kampf geliefert, beide Topmodelle haben ihre Vorteile und wenige Schwächen. So sind sich die Displays in Größe, Auflösung und Qualität ebenbürtig und die Bedienung gefällt bei beiden weitgehend gut. Die Ausstattung unterscheidet sich in einigen Details: So kann das S8 mit Bluetooth 5.0, USB 3.1, drahtlosem Laden und 64 statt 32 Gigabyte erweiterbarem Speicher punkten, das G6 mit UKW-Radio, Militär-Standard 810G und wesentlich praktikabler platziertem Fingerabdruck-Sensor.

Zwar liegt der Prozessor des Samsung 110 statt 68 Prozent über dem Durchschnitt, doch in der Praxis macht sich das nur höchst selten bemerkbar, wie ein grafisch aufwändiges Spiel à la "Dead Trigger 2" beweist, bei dem beide jeweils 56 von 60 möglichen Bildern pro Sekunde darstellen.

Gravierender ist da schon die Akkulaufzeit, bei der das S8 mit 671 statt 622 Minuten respektive 30 statt 20 Prozent über Mittel ebenfalls besser abschneidet. Zwar dürften sogar die meisten Intensivnutzer mit dem LG G6 durch den Tag kommen, doch an besonders arbeitsreichen Tagen stehen die Chancen mit dem Samsung besser.

Die Kamera des G6 weist bei Fotos einen Rotstich auf und produziert bei schlechten Lichtverhältnissen ein höheres Bildrauschen als das S8, kassiert aber ebenfalls ein "Sehr gut". Zudem gefällt das Weitwinkel-Objektiv zumindest bei guten Lichtverhältnissen ausgezeichnet, ein echter Bonus! Bei den Videos in Ultra HD erweist sich der optische Stabilisator des S8 als überlegen, doch wiederum erntet auch das G6 ein "Sehr gut". Der Klang am Kopfhörerausgang kassiert dieselbe Punktzahl und das dritte "Sehr gut" - multimedial ist das G6 also top, wenn es auch nicht vollumfänglich mit dem S8 mithalten kann.

Unterm Strich summieren sich also die Vorteile des Galaxy S8, weshalb das Samsung auch weiterhin Platz 1 der Charts behält. Das LG G6 kann sich aber auf Rang 2 positionieren und damit sogar das Galaxy S7 knapp ausbooten.

Weil das G6 mit aktuellen Straßenpreisen von um 600 Euro deutlich günstiger ist als das Galaxy S8 mit 740 Euro, fällt das Preis-Leistungs-Verhältnis zugunsten des LG aus, das 45 Prozent unter Durchschnitt einsteigt, während das S8 aktuell 49 Prozent darunter rangiert. Damit bewegen sich aber beide im Rahmen des üblichen, denn Flaggschiffe steigen in aller Regel 50 bis 60 Prozent über dem Mittel ein.

Im Vergleich zum LG G5 hat sich das G6 gut zugelegt: Dank größerem Display, stärkerem Prozessor, besserer Videoqualität und vor allem einer erheblich längeren Akkulaufzeit kassiert der Novize etliche Punkte mehr als das Vorjahresmodell, das aktuell aber immer noch auf Rang 7 der Charts rangiert. Und inzwischen natürlich deutlich günstiger ist. Test LG G6 Test LG G6

Die tiefen Einblicke in das LG G6 stammen von unserem Freund und Kollegen Lutz Herkner, der sie uns freundlicherweise zur Verfügung stellte. Lutz hat seit mehr als 25 Jahren Erfahrungen als Technik-Journalist und spezialisierte sich schon vor 20 Jahren auf das Thema Mobilfunk. Ihr kennt ihn von zahlreichen Videos und als Betreiber der Webseiten MobiWatch und MoviWatch.

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