Nokia 6 im Test: HMDs erstes Nokia-Smartphone mit Android ist ein Panzer

Sound

Das Nokia 6 hat, anders als die meisten Geräte seiner Preisklasse, gleich zwei Lautsprecher. Auf den ersten Blick entdeckt man nur den am unteren Rand platzierten Lautsprecher, doch wie bei einigen anderen Geräten steckt auch am oberen Ende ein zweiter Lautsprecher. Der eigentlich hauptsächlich für Telefonate genutzte Lautsprecher am oberen Rand, also das, was früher als Hörmuschel bezeichnet wurde, dient nämlich bei der Audiowiedergabe ohne Kopfhörer als zweiter Lautsprecher und gibt ausschließlich hohe Töne aus.

In Sachen Klangqualität und Lautstärke kann der obere Lautsprecher freilich keineswegs mit dem unteren mithalten, sondern gibt deutlich leisere und weniger warnehmbare Klänge aus - man merkt deutlich, dass hier einfach der Telefonlautsprecher lauter gedreht wird. Der untere Lautsprecher versucht hingegen die gesamte Frequenzbreite abzudecken und liefert einen für Handy-Verhältnisse hinnehmbaren Klang. Tiefe Bässe sucht man hier ebenso vergeblich wie ein besonders rundes Klangbild, doch trotzdem klingt das Nokia 6 keineswegs so dünn wie viele andere Telefone.
Nokia 6 HMD GlobalBrauchbarer Sound von unten... Nokia 6 HMD Global...und von oben gleichermaßen
In Sachen Lautstärke sticht der Speaker also keineswegs im Vergleich zu anderen Geräten hervor, er ist aber laut genug, um keinen Anruf zu verpassen. Bei voller Lautstärkeeinstellung kann es leicht verzerrte Klänge geben, aber insgesamt machen die beiden Lautsprecher einen guten Job. Bei Telefonaten war unser Gegenüber stets gut hörbar und auch in lauten Umgebungen noch gut wahrzunehmen. Umgekehrt konnten unsere Gesprächspartner uns gut verstehen, an der Sprachqualität gibt es beim Nokia 6 also nichts auszusetzen. Über Kopfhörer liefert das Gerät einen ordentlichen Klang, wobei wir darüber abgesehen von einer mehr als ausreichenden Lautstärke keine Angaben machen können.

Kamera

HMD verpasst dem Nokia 6 auf der Rückseite einen 16-Megapixel-Sensor, der einen Phase-Detection-Autofokus mitbringt. Die Sensorpixel sind hier mit nur einem Mikrometer sehr klein, während die F/2.0-Blende eher durchschnittlicher Natur ist. Hinzu kommt auch noch ein Dual-LED-Blitz. Die Fotos, welche die Kamera des Nokia 6 mit ihrem Sensor produziert, sind für ein Smartphone dieser Klasse trotz möglicher Bedenken wegen der Eckdaten der Kamera überraschend gut. Zwar braucht unser chinesisches Modell relativ lange, um auch wirklich auszulösen, die Ergebnisse können aber durchaus überzeugen, zumindest wenn die Bedingungen stimmen.
Nokia 6 HMD GlobalDie 8-Megapixel-Cam auf der Front... Nokia 6 HMD Global...und der 16-MP-Sensor auf der Rückseite
Betrachtet man Aufnahmen, die bei normalem Tageslicht, aber bedecktem Himmel aufgenommen wurden, zeigt das jeweilige Bild eine gute Detailauflösung, wirkt aber leicht unterbelichtet, so dass die Farben etwas weniger kräftig erscheinen, als sie tatsächlich sind. Geht man näher an das Motiv heran, liefert das Gerät erneut viele Details und die Blende sorgt dafür, dass der Hintergrund eine angenehm zu betrachtende Unschärfe erhält. Gerade in ungleichmäßig ausgeleuchteten Innenräumen kann die Kamera teilweise nicht den erhofften Dynamikumfang liefern, was auch im Freien häufiger auffällt. Helle Bereiche werden dann oft zu hell dargestellt, wobei auch einiges an Details verloren geht.

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Im Dunkeln kann die Kamera des Nokia 6 ebenfalls durchaus gute Ergebnisse liefern, vorausgesetzt die dunkle Szenerie wird nicht von sehr hellen Objekten unterbrochen. Ist das Motiv einigermaßen gleichmäßig ausgeleuchtet, zeigen die Fotos erstaunlich viel Schärfe, geben die Farben gut wieder und auch der Dynamikumfang weiß zu überzeugen. Natürlich treten auch beim Nokia 6 wie bei allen Smartphones im Dunkeln recht schnell Bildrauschen und Verwacklungen auf, wobei letzteres neben der Dunkelheit natürlich auch an einem fehlenden optischen Bildstabilisator liegt.

Der Fokus arbeitet beim Nokia 6 in unserem Fall angenehm schnell und trifft auch meist auf Anhieb den richtigen Punkt. Die Software des China-Modells bietet leider keinen Pro-Modus oder andere Möglichkeiten zum Einstellen von Belichtung, Blende oder ISO-Wert, wobei sicherlich fraglich ist, ob diese Kamera-App auch auf den europäischen Modellen Verwendung finden wird. Stattdessen muss man stets mit dem Automatikmodus arbeiten und damit klarkommen, dass die Oberfläche teilweise etwas verwirrend gestaltet ist.

Nokia 6 HMD GlobalNokia 6 HMD GlobalNokia 6 HMD GlobalNokia 6 HMD Global

Immerhin werden eine "Wasserwaage", ein Raster und ähnliches geboten, um die Kamera besser ausrichten zu können. Bei unserem Gerät zeigte die UI allerdings die Wasserwaage nicht nur seitlich versetzt an, sondern wies das Gerät teilweise auch noch als waagerecht aus, obwohl es deutlich sichtbar nach rechts geneigt war. Nach einem Neustart der App war dieser Effekt glücklicherweise meist wieder verschwunden. Die gleichen Einschränkungen gelten auch bei Videos, wobei die Qualität der Aufnahmen selbst insgesamt in Ordnung ging, wobei ähnliche Ergebnisse zu beobachten waren wie bei Fotos. Natürlich wackeln die Aufnahmen bei Bewegungen des Nutzers mit, da hier kein optischer Bildstabilisator geboten wird.

Software

Das Nokia 6 läuft wie seine künftigen Schwestermodelle mit Android 7.x, wobei unser Gerät noch mit Version 7.0 ausgestattet ist, während die Modelle für die internationalen Märkte auf dem MWC 2017 mit Version 7.1.1 ausgerüstet waren. Optisch wird von HMD bei seinen neuen Geräten wenig gegenüber dem Android-Standard verändert. Man verwendet lediglich ein Paket eigener Icons, um die Optik leicht zu verändern. Auf den internationalen Modellen bleibt also alles extrem nah an dem, was man von Android One oder den Google Pixel Smartphones kennt.

Nokia 6 HMD GlobalNokia 6 HMD GlobalNokia 6 HMD GlobalNokia 6 HMD Global
Nokia 6 HMD GlobalNokia 6 HMD GlobalNokia 6 HMD GlobalNokia 6 HMD Global

Bei unserer chinesischen Ausgabe des Nokia 6 sind uns einige Unterschiede gegenüber den auf dem MWC gezeigten Geräten aufgefallen. So wird beim Öffnen des Notification-Centers zunächst eine Reihe großer Quick-Settings-Symbole angezeigt, ohne dabei die Schaltfläche für den Zugriff auf die Einstellungen mit zu zeigen.

Die Euro-Version des Nokia 6 wird aber auch in dieser Hinsicht dem Standard entsprechen, so dass das ROM des chinesischen Modells kaum belastbare Auskunft über die Software-Qualität zulässt. Wie bereits im Abschnitt zum Thema Speicher erwähnt, landet außerdem massenhaft Bloatware auf dem China-Modell, während die für Europa zu erwartenden Geräte lediglich die Google Play Services und den Play Store ab Werk mitbringen dürften.

Akkulaufzeit

Der Akku des Nokia 6 ist mit 3000mAh genauso groß wie bei vielen anderen aktuell im Markt verfügbaren Smartphones mit 5,5-Zoll-Display. Der Stromspeicher ist fest verbaut und kann somit natürlich nicht ausgetauscht werden. Da der Snapdragon 430 Unterstützung für Qualcomms Quick-Charge-3.0-Technologie mitbringt, ist ein angenehm schnelles Laden des Geräts theoretisch möglich, nach Angaben von HMD wird dies aber noch nicht unterstützt. Innerhalb einer halben Stunde knackt das Nokia 6 trotzdem per Schnelllader ohne weiteres die 40-Prozent-Marke, wobei bis zur vollen Ladung noch einmal etwas mehr als eine Stunde vergeht. Letztlich sollte der Akku also innerhalb von gut 120 Minuten gefüllt sein.

Beim Akku-Test mit Geekbench 3 erreichte unser Testgerät eine Laufzeit von etwas mehr als sechs Stunden. Dabei blieb das Display dauerhaft eingeschaltet und wurde auf eine gemessene Helligkeit von 250 Candela pro Quadratmeter geregelt, ein Wert, bei dem der Bildschirm in geschlossenen Räumen bestens ablesbar ist und auch im Freien noch einigermaßen erkennbar ist. Sieben Stunden sind ein durchschnittlicher Wert, wobei das Nokia 6 von der relativ hohen Leuchtkraft seines Displays profitierte. Allerdings wären noch wesentlich längere Laufzeiten möglich, wenn HMD wie etwa Motorola bei seinem G5 Plus bereits auf den Snapdragon 625 gesetzt hätte.
Weil der Snapdragon 430 noch immer im 28-Nanometer-Maßstab gefertigt wird, hat er eine im Vergleich zu dem in 14 Nm gefertigten 625 gerade unter Last einen höheren Energiebedarf. Dies wird besonders deutlich, wenn man zum Beispiel den Vergleich mit dem Huawei Nova Plus wagt, das ebenfalls ein 5,5 Zoll großes LCD und einen 3000mAh-Akku aufweist. Dank des Snapdragon 625 hielt dieses Gerät im gleichen Test bei identischer Helligkeit gut 10 Stunden durch. Letztlich muss man also damit leben, dass HMD hier aus Kostengründen auf den etwas teureren SoC verzichtet und deshalb die Laufzeit bei geringerer Gesamtleistung des Prozessors deutlich kürzer ausfällt.

Nichtsdestotrotz bewies das Nokia 6 im Alltag eine durchaus gute Akkulaufzeit. Bei einer Screen-On-Time von rund vier Stunden, die vor allem zur Nutzung des Browsers, von Facebook sowie Slack, einigen Telefonaten, sowie auch rund zwei Stunden Hotspot-Betrieb, drei im 15-Minuten-Takt synchronisierenden E-Mail-Konten, diversen Status-Updates einiger Apps und rund einer Stunde Videokonsum genutzt wurden, war der Akku nach dem 18-Stunden-Tag noch immer bei rund 20 Prozent seiner Kapazität. Dabei wurde stets eine relativ hohe Einstellung der automatischen Regelung der Display-Helligkeit verwendet.

Gerade im Idle-Betrieb zeigt sich auch hier die Möglichkeit zum extrem stromsparenden Betrieb der Qualcomm-Prozessoren, denn auch der Snapdragon 430 bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Sobald das Telefon im Standby ist, sinkt die Energieaufnahme auf ein Minimum - natürlich. Selbst mit zwei aktiven SIM-Karten und aktivierter Synchronisation fällt die Standby-Dauer enorm aus, so dass ohne aktive Nutzung eine Woche und mehr möglich sind. Realistisch betrachtet hat das Nokia 6 somit eine ordentliche Akkulaufzeit, die bei den meisten Nutzern locker für einen ganzen Tag ausreichen dürfte, wenn nicht sogar fast zwei.

Fazit

Mit seinen klaren Formen, geraden Linien und scharf geschnittenen Kanten erinnert das Nokia 6 durchaus an frühere, "echte" Nokia-Smartphones. Auch die extrem hohe Verarbeitungsqualität und die enorme Stabilität bzw. Verwindungsstabilität dürften bei so manchem positive Erinnerungen an jene Zeit hervorrufen, als Nokia noch selbst mobile Geräte baute. In dieser Hinsicht hat HMD Global also durchaus geliefert. Das erste Android-Smartphone mit der (lizenzierten) Marke Nokia kann auch in Sachen Ergonomie und Bedienkomfort punkten, wenn man mal von der fragwürdigen Platzierung der Android-Buttons und des Fingerabdrucklesers absieht. Nokia 6 HMD GlobalNokia 6: extrem stabil bei günstigen Preisen Was das Innenleben des Nokia 6 angeht, muss sich das Gerät in seiner Preisklasse ebenfalls nicht vor der Konkurrenz verstecken. Mit der für Europa geplanten Speicherausstattung und dem Snapdragon 430 sowie dem guten Full-HD-Display ist das Nokia 6 bestens gegen Wettbewerber wie das Moto G5 gewappnet und dürfte bei Preisen von rund 230 Euro bei so manch anderem Anbieter für Schweiß auf der Stirn sorgen. Kleine Schwächen in Sachen Kamera und Performance bzw. Akkulaufzeit und eine nicht gerade kompakte Bauweise sind in dieser Preisregion zu erwarten, doch insgesamt liefert HMD als Lizenznehmer ein Produkt, das den Markennamen "Nokia" mit Würde tragen kann.

Selten haben wir ein derart hochwertiges Smartphone mit einer so ordentlichen Ausstattung für so wenig Geld in den Händen gehalten. Sofern die Finnen und ihre chinesischen Partner das Nokia 6 also tatsächlich zum angepeilten Preispunkt auf den Markt werfen können, müssen sich die anderen Hersteller warm anziehen und es dürfte eine klare Kaufempfehlung geben. Nimmt man auch noch den Umstand hinzu, dass HMD Global stets die aktuellste Android-Version inklusive der neuesten Patches bieten will - kurz nach Verfügbarkeit - dann haben wir es hier möglicherweise mit "dem neuen Nexus" zu tun, ohne dafür besonders tief in die Tasche greifen zu müssen.

Die Fotos in diesem Artikel wurden (fast) ausschließlich mit dem Samsung Galaxy S8+ aufgenommen.



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