Nokia 6 im Test: HMDs erstes Nokia-Smartphone mit Android ist ein Panzer

Performance

Das Nokia 6 basiert auf dem noch recht jungen Qualcomm Snapdragon 430, einem achtkernigen Prozessor mit ARM Cortex-A53-Kernen, die allesamt unabhängig voneinander mit bis zu 1,4 Gigahertz arbeiten können. Der Chip ist somit der unteren Mittelklasse zuzuordnen. Er wird noch immer im 28-Nanometer-Maßstab gefertigt, was angesichts der baldigen Verfügbarkeit von 10-Nanometer-SoCs nicht mehr ganz zeitgemäß erscheint und vor allem bei der Leistungsaufnahme negative Auswirkungen hat. Dazu verraten wir im Abschnitt zur Akkulaufzeit mehr.

Im Alltag macht das Nokia 6 bei allgemeinen Aufgaben in Sachen Performance eine recht gute Figur, wobei ich anmerken muss, dass wir es hier mit der chinesischen Variante mit einem durchaus in vielen Punkten veränderten Android 7.0 zu tun haben. Anscheinend fehlt es dem Gerät an einigen Stellen an Optimierungen, die man bei der für die europäischen Version geplanten Android-Ausgabe wohl dank der auf dem MWC 2017 verkündeten engen Kooperation zwischen HMD Global und Google vorfinden dürfte. Nokia 6 HMD GlobalDie Hauptplatine des Nokia 6 - links mittig sitzt der Snapdragon 430 (MSM8937) Dementsprechend läuft die Software nicht immer rund. Und anders als beim Moto G5, das ich seit einigen Tagen mit einem Gigabyte weniger Arbeitsspeicher, aber gleicher CPU sowie seinem recht nah am Stock-Android gehaltenen Betriebssystem nutzen konnte, kommt es hin und wieder zu Rucklern und die UI kann immer mal wieder ein wenig stocken. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen aber nicht, so dass davon auszugehen ist, dass das Gerät bis zu seiner Verfügbarkeit in Europa von diesen kleineren Macken befreit werden dürfte.

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Im Alltag hatten wir keine Probleme mit zu langen Ladezeiten oder ähnlichem und das Nokia 6 erledigte auch anspruchsvollere Aufgaben meist zügig. In Benchmarks bewegt sich das Gerät mit dem Snapdragon 430 wie erwähnt auf einem durchschnittlichen Niveau, so dass wir in AnTuTu rund 45.000 Punkte messen konnten, während in Geekbench 1700 Punkte drin waren. Damit liegt die Leistung in einem Bereich, den man vor zwei Jahren auch mit den damals aktuellen High-End-Geräten auf Basis von Top-Chips wie dem Snapdragon 801 erreichte.

Der interne Flash-Speicher ist wie in dieser Preisklasse üblich per eMMC angebunden und erreicht somit nicht die gleichen enormen Übertragungsraten, wie sie bei teureren Geräten mit UFS-Speicher möglich sind. Dennoch fällt die Performance überraschend gut aus, konnte das Nokia 6 doch in Androbench eine sequentielle Lesegeschwindigkeit von immerhin gut 267 Megabyte pro Sekunde vorweisen, während beim Schreiben fast 140 MB/s erreicht wurden. Gerade die hohe Schreibgeschwindigkeit weiß zu beeindrucken. Zum Vergleich: beim Moto G5 waren es jeweils 258 und 46 MB/s beim Lesen und Schreiben.

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Hitzeprobleme sind beim Nokia 6 unterdessen nicht zu erwarten, denn auch nach einer Vielzahl von Benchmark-Testläufen oder einer lange laufenden Videoaufnahme machte das Gerät keinerlei Probleme. Die Rückseite erhitzte sich bei unseren Tests mit einer Raumtemperatur von 22°C an keiner Stelle auf mehr als 32 Grad. Dabei fiel auf, dass das Metallgehäuse offenbar die Wärme sehr gut verteilt, denn große Teile der Oberfläche wiesen nach den längeren Tests eine fast identische Temperatur auf - wobei es nur an einer Stelle links neben der Kamera auf der Rückseite noch ein wenig wärmer war, wo wohl die CPU ihren Platz hat. Nokia 6 HMD GlobalDas Metall im und um das Nokia 6 führt Hitze selbst unter Volllast gut ab Insgesamt bietet das Nokia 6 eine im unteren Drittel der Leistungsskala anzusiedelnde Benchmark-Performance, die im Alltag aber durchaus ausreicht, um das Full-HD-Display problemlos zu befeuern und den Großteil der Apps flüssig laufen zu lassen. In Spielen hat das Gerät allerdings seine Probleme, denn gerade die schmalbrüstige Adreno 505 Grafikeinheit wird hier schnell zum Flaschenhals und hat Probleme, die Pixel ruckelfrei auf dem hochauflösenden Bildschirm hin- und herzuschieben. Dies gilt allerdings nur für sehr grafikintensive Titel, so dass es bei einfachen "Spielen für Zwischendurch" keine Ruckler oder andere Schwächen geben dürfte.

Display

Der Bildschirm des Nokia 6 ist ein weiteres Highlight, gerade wenn man bedenkt, dass wir es hier mit Hardware zu tun haben, die deutlich weniger als 250 Euro kostet. Dass die Oberfläche extrem glatt und gleitfreundlich ist, haben wir ebenso schon erwähnt, wie die sehr schmal geratenen Ränder. Das Display selbst kann sich aber ebenso sehen lassen, auch weil es direkt mit dem Coverglas verbunden ist und somit ohne eine Luftkammer zwischen Bildschirm und Glasabdeckung auskommt. Dies hilft, die ansonsten recht starken Reflexionen zu reduzieren. Nokia 6 HMD GlobalHMD Global verbaut ein gutes Display, das allerdings in der Standardeinstellung etwas zu kalt wirkt Das Display selbst ist ein IPS-Panel mit 5,5 Zoll Diagonale und Full-HD-Auflösung, bei dem dank einer Pixeldichte von 403 Pixel pro Zoll keine Treppchenbildung oder einzelne Pixel zu erkennen sind, so dass alle Schriften und anderen Inhalte mit ordentlicher Schärfe dargestellt werden. Die Farbwiedergabe ist kräftig, aber nicht übertrieben. Auch bei Kontrast und Schwarzwerten leistet sich das Panel keine Schwächen. Ab Werk ist das Display in der Standardeinstellung allerdings sehr kalt, so dass die Inhalte potenziell einen gewissen Blaustich aufweisen, der aber erst auffällt, wenn man ein anderes Smartphone mit einer natürlicheren Farbtemperatur daneben hält.

Zum Glück verpasst HMD Global seiner Software gleich mehrere Möglichkeiten, um der leichten Blaufärbung Herr zu werden. Einerseits kann man einen integrierten Blaufilter aktivieren, der eigentlich helfen soll die Belastung der Augen bei der Nutzung des Telefons in dunklen Umgebungen zu reduzieren. Dieser lässt sich in Stufen von 10, 30, 50 und 75 Prozent aktivieren. Außerdem kann man in den Display-Einstellungen zwischen drei Farbtemperaturen wählen, wobei man aber nur die Wahl zwischen "kalt", "normal" und "warm" hat. Wer ein recht natürliches Weiß anstrebt, kann entweder den 10-prozentigen Blau-Licht-Filter aktiveren, oder aber die "warme" Farbtemperatur auswählen, um so von fast 7500 auf rund 6500 Kelvin zu kommen, was deutlich natürlicher wirkt.
Nokia 6 HMD GlobalDer Blaufilter soll die Augen schonen Nokia 6 HMD GlobalDie Farbtemperatur lässt sich einstellen
Die Helligkeit des Displays ist beim Nokia 6 mehr als ausreichend, konnten wir mit unserem Colorimeter doch eine maximale Leuchtstärke von rund 530 Candela pro Quadratmeter messen. Damit kann das erste Nokia-Smartphone mit Android zwar nicht in der absoluten Oberliga mitspielen, in der Top-Smartphones mit Helligkeitswerten im Bereich zwischen 600 und 700 Candela auftrumpfen, gehört aber durchaus zu den am hellsten leuchtenden Geräten in seiner Preisklasse. Das Panel ist dadurch auch im Freien stets bestens ablesbar, wobei man dank ordentlichem Kontrast auch im direkten Sonnenlicht keine Probleme haben sollte, die Bildschirminhalte erkennen oder lesen zu können. Nokia 6 HMD GlobalDer Bildschirm des Nokia 6 ist auch im Freien gut ablesbar Einen Wermutstropfen gibt es allerdings neben der ab Werk etwas zu kalten Farbtemperatur: bei unserem aus China importierten Gerät war in sehr dunklen Umgebungen an den Rändern teilweise ein leichtes Durchscheinen der Hintergrundbeleuchtung zu erkennen. Konkret betraf dieser sogenannte Lightbleed den unteren Teil des linken Display-Rands und die rechte obere Ecke, wobei sich das Phänomen aber einigermaßen in Grenzen hält. Man muss schon die Helligkeit auf das absolute Maximum hochdrehen und sich in einer dunklen Umgebung aufhalten, bevor das Durchscheinen der Display-Beleuchtung eventuell störend werden könnte. Nokia 6 HMD Global'Lightbleed' beim Nokia 6 (das Foto verstärkt den Effekt) Insgesamt verbaut HMD Globals Fertigungspartner FIH Mobile hier ein überraschend gutes Display, dessen guter Gesamteindruck auch durch den leichten Lightbleed und eine etwas zu kalte Farbdarstellung nicht geschmälert wird. Das Panel ist hell, scharf, gut ablesbar und liefert eine insgesamt sehr ordentliche Performance, gerade wenn man bedenkt, in welcher Preisregion wir uns mit dem Nokia 6 bewegen.

Speicher

HMD Global lässt sich beim Nokia 6 nicht lumpen und legt für wenig Geld eine erstaunlich üppige Speicherausstattung vor - zumindest bei unserem chinesischen Modell. Bei einem Preis von 1899 Yuan, also umgerechnet gut 255 Euro, enthält unser Gerät ganze vier Gigabyte Arbeitsspeicher und 64 GB internen Flash-Speicher, die mittels MicroSD-Kartenslot bequem erweitert werden können. Die für Deutschland und Europa angekündigte Variante wird allerdings mit weniger auskommen müssen, aber dafür eben auch günstiger ausfallen. Drei Gigabyte RAM und 32 GB Flash-Speicher sind für das EU-Modell vorgesehen, das dann mit einer vorläufigen offiziellen Preisempfehlung von 229 Euro auf den Markt kommen soll.

Bei unserem Gerät sorgt der große Arbeitsspeicher, welcher angesichts des Prozessors auf den ersten Blick schon fast übertrieben scheint, jedenfalls für flüssiges Hantieren mit diversen Apps im Multitasking und einen flotten Umgang mit zahlreichen Tabs im Browser, da diese weniger häufig neu geladen werden müssen. Auch mit drei Gigabyte Arbeitsspeicher sollte das "deutsche Nokia 6" letztlich in Zukunft recht problemlos auskommen. Es dürfte einige Zeit dauern, bis man bei diesem Modell an die Speichergrenzen stößt.

Anders sieht es beim Flash-Speicher aus, denn dieser füllt sich in Zeiten, in denen das Smartphone endgültig zum Ersatz für Kompaktkameras geworden ist, immer schneller. Begrenzend wirkt hier sicherlich, dass Videos auf dem Nokia 6 "nur" maximal mit Full-HD-Auflösung aufgenommen werden können. Die 16-Megapixel-Kamera geht bei maximaler Auflösung freilich nicht sonderlich sparsam mit dem Speicher um, so dass allein eines ihrer Fotos nicht selten mehr als sechs Megabyte Speicher belegen kann. Nokia 6 HMD GlobalWer die China-Variante ordert, muss wohl bald eine MicroSD-Karte einsetzen Vor allem das Betriebssystem frisst bei unserem Testgerät allerdings besonders rücksichtslos Speicher, was aber an seiner Herkunft liegt. Von den 64 GB internem Flash-Speicher sind nur noch gut 51 GB für den Nutzer frei verfügbar, allein das hier installierte Android belegt also schon fast 13 GB. Ausmaße, die man sonst eher von Windows-Installationen kennt.

Dies dürfte damit zu begründen sein, dass das Gerät aus China stammt und ab Werk eine Vielzahl von mehr oder weniger sinnvollem Klimbim vorinstalliert ist. HMD muss zwar wie alle Hersteller in China auf die Google Play-Services verzichten, verpasst aber im Gegenzug wie die Konkurrenz seinen Geräten schier unfassbare Mengen an Bloatware. Zu allem Überfluss ist diese hier, wie bei chinesischen Smartphones üblich, leider sehr häufig direkt in das System "eingebacken", so dass sie in den wenigsten Fällen auch entfernt werden kann.

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In Sachen Speicher können wir anhand unseres Importgeräts also nicht wirklich zuverlässige Angaben machen, die auch für Käufer des deutschen Modells relevant sind. Normalerweise dürfte das von HMD für die weltweit vertriebenen Varianten des Nokia 6 angekündigte, sehr Stock-nahe Android 7.x eigentlich nicht mehr als fünf oder sechs Gigabyte des internen Speichers belegen. Wer mehr Speicher benötigt, als die beim günstigeren Modell verbauten 32 GB, kann in Europa künftig auch zur sogenannten Arte Edition greifen, die neben einem stark glänzenden Gehäuse auch einen auf vier GB RAM und 64 GB Flash aufgestockten Speicher bietet, genau wie unser Testgerät.
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