Amazon Marketplace Fake-Verkäufer: LKA erklärt neue Betrugsmasche

Amazon, Logo, Versandhandel, Logistikzentrum Bildquelle: Amazon
Dass Amazon als der wohl größte Online-Händler in Deutschland für Betrüger geradezu als Eldorado gilt, ist nichts Neues. Neu ist allerdings die Dimension, die die Betrügereien annehmen. Das Landeskriminalamt Niedersachsen versucht nun erstmals alle gleichartigen Fälle zusammenzufassen.
Schon im Frühjahr hat sich eine neue Betrugsmasche bei Amazon quasi angekündigt. Betroffene klagten über vermeintliche Schnäppchen, die sich dann als Fake herausstellten. Betrüger hatten damals schon im großen Stil besonders günstige Angebote im Amazon Marketplace eingestellt, die Waren gab es aber in Wirklichkeit gar nicht. Stattdessen versuchten die angeblichen Shop-Betreiber die Schnäppchenjäger dann dazu zu bewegen, die Bezahlung selbst nicht über Amazon wie üblich abzuwickeln, sondern gaben an, zur schnelleren Abwicklung direkt per Vorkasse einen sofortigen Versand anzubieten.

System perfektioniert

Nach und nach wurde das "System" des Betrugs perfektioniert. Jetzt gibt es täglich neue Fake-Shops, die nicht existierende Waren anbieten und ihre Profile so perfekt fälschen, dass diese im ersten Augenblick auch einem erfahrenen und vorsichtigen Internetnutzer nicht auffallen. Amazon soll schon lange nicht mehr gegen die Flut solcher erfundenen Angebotsseiten ankommen. Zudem tauchen dazu jetzt auch noch Fälle auf, in denen die Betrüger bereits länger bestehende Shops durch Phishing der Zugangsdaten übernehmen und so unkontrollierten Schaden verursachen.

Abgreifen was geht und verschwinden

Häufig suchen die Betrüger ihre Opfer im hochpreisigen Markensegment. So wurden Waschmaschinen von namenhaften Herstellern statt zur UVP von 1299 Euro nur für 400 Euro angeboten, Apple Laptops für 300 statt 1499 Euro. Bei den Artikeln standen dann Verweise mit dabei wie "Bevor Sie Ihre Bestellung machen, kontaktieren Sie uns Bitte", um die Käufer weg von der Amazon-Plattform und ihren weitreichenden Garantien für Käufer zu locken. Stattdessen sollten die Geschäfte per E-Mail und Paypal, Western Union, Paysafe oder direkter Kontoüberweisung abgewickelt werden. Wer dann einfach bezahlte, schickte sein Geld ins Nirgendwo und bekam nie seine Ware zu sehen, schreibt die Süddeutsche in einem Bericht über das neue Phänomen. Die Betrüger verschwinden ebenso schnell wie sie aufgetaucht waren.

Der Betrüger auf der anderen Seite storniert dann nämlich einfach den Kauf bei Amazon. Ein Kaufvertrag ist so rechtlich gesehen nicht zustande gekommen. An die Betrüger kommt man nicht ran, und auch gegenüber Amazon hat man als Kunde dann keinerlei Mittel, um irgendwie zu seinem Recht zu kommen.

Das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen hat nun laut dem Bericht der Süddeutschen begonnen, die sich häufenden Fälle zusammenzutragen. Bisher war dies kaum möglich, da die einzelnen Polizeistationen nach einer Anzeige wenig Möglichkeit haben, die Fälle mit anderen ähnlich gelagerten Täuschungen abzugleichen. Der bisher entstandene Schaden durch die Fake-Shops sei nach bisherigen Erkenntnissen "erheblich", teilte eine LKA-Sprecherin bereits mit.

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Bisher gibt es zudem kaum verlässliche Zahlen über diese Art von Schwindel bei Amazon, denn der Online-Riese gibt dazu nichts nach außen bekannt. "Wir nehmen das Thema ernst und beschützen unsere Kunden und Händler", beteuerte Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber aber zumindest auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung.

Kunden sollten aufmerksam werden, wenn sie von einem Händler gebeten werden, den Verkauf nicht über die Amazon-Plattform abzuschließen. Außerdem empfiehlt es sich grundsätzlich sehr aufmerksam ein Angebot zu prüfen. Bei Verdachtsmomenten hilft der Kontakt zum Amazon-Kundenservice - am besten natürlich im Vorfeld einer Bestellung.

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