Pharma-Investor bekommt Hasswelle aus dem Netz zu spüren

Medizin, Medikamente, Tabletten, Pillen Bildquelle: e-MagineArt.com / Flickr
Der Unternehmer und Investor Martin Shkreli stellt sich gern als selbstlosen Helfer dar - und wurde quasi über Nacht zu einem der meistgehassten Menschen der USA. Aufgrund seiner letzten Geschäftsentscheidungen bekommt er nun auch zu spüren, wie es sich anfühlt, wenn sich eine Protestwelle aus dem Internet über einen ergießt.
Der 32-jährige Shkreli ist seit einiger Zeit der Chef des Pharama-Unternehmens Turing Pharmaceuticals. Dieses hatte im August die Rechte an einem Medikament namens Daraprim aufgekauft. Dieses wird zwar nicht gerade alltäglich in größeren Mengen verabreicht, gilt aber - obwohl es schon seit Jahrzehnten zur Verfügung steht - noch immer als eine der besten Arzneien bei Toxoplasmose-Infektionen und kann so vor allem Patienten das Leben retten, die wegen Krebs- oder AIDS-Erkrankungen über ein sehr schwaches Immunsystem verfügen.

Während neue Medikamente in der Regel recht teuer sind, da mit ihrem Vertrieb auch die hohen Investitionen in die Erforschung und die langen Zulassungsprozesse wieder hereingeholt werden müssen, war Daraprim aufgrund seines Alters vergleichsweise preiswert. Doch nach der Übernahme der Rechte kündigte Turing eine massive Preiserhöhung an: Die Pille sollte statt 13,50 Dollar zukünftig satte 750 Dollar kosten.

Als die ersten Kritiken an diesem Schritt auftraten, versuchte Shkreli noch die Wogen zu glätten und die Preissteigerung als wohltätigen Zweck hinzustellen. Mit den Mehreinnahmen, so erklärte er, wolle man die Erforschung besserer Toxoplasmose-Medikamente mit geringeren Nebenwirkungen finanzieren. Allerdings glaubte ihm das in der Öffentlichkeit schlicht niemand - wohl auch, weil die Nebenwirkungen des Medikaments als gut beherrschbar gelten - und der öffentliche Auftritt ging kräftig nach hinten los.

Doxing in Action

Shkreli erlebt nun das, was im Netzjargon als "Doxing" bezeichnet wird. Von vielen Seiten wurden persönliche Informationen über den Manager zusammengetragen und veröffentlicht - darunter Adresse, E-Mail-Anschrift und Telefonnummern. Deren Verwendung durch viele verärgerte Menschen dürfte dazu führen, dass Shkreli seine gewohnten Kommunikationskanäle wohl kaum noch nutzen kann. Parallel dazu liefen auch auf vielen anderen Ebenen massive Kritiken auf - bis hin zu entsprechenden Äußerungen der US-Präsidentschaftskandidaten.

Die riesige Protestwelle, in der sich auch eine Menge weitergehende Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen Luft machte, führte inzwischen sogar zu ersten Ergebnissen. Shkreli ruderte bereits zurück und kündigte an, die Preissteigerung nicht mehr in diesem Umfang vornehmen zu wollen. Konkret wurde er dabei zwar nicht, doch berichtete die New York Times, dass Daraprim zukünftig "nur noch" das Doppelte des bisherigen Preises kosten soll. Medizin, Medikamente, Tabletten, Pillen Medizin, Medikamente, Tabletten, Pillen e-MagineArt.com / Flickr
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