Unterseekabel: Internet-Ausfall durch Hai-Bisse - eine moderne Sage

Meer, Fisch, Walhai Bildquelle: Radiomontecarlo
Haie sind groß und haben ein beeindruckendes Gebiss. Das macht sie seit jeher zum Gegenstand von schaurigen Mythen und Sagen. Diese werden heute natürlich auf die neueren Ängste der Menschen angepasst und so sollen die Tiere plötzlich dafür verantwortlich sein, dass in ganzen Staaten das Internet ausfällt.
Aktuell machen entsprechende Gerüchte gerade wieder in Vietnam die Runde. Die wichtigste Anbindung des Landes an den globalen Daten-Backbone erfolgt über das Asia America Gateway (AAG). Dieses Unterseekabel hatte allein im vergangenen Jahr vier größere Störungen, die in weiten Regionen Vietnams das Internet nahezu unbenutzbar machten. Viele Anwender dort sind überzeugt, dass Haie für die Sabotage ihrer Netzverbindungen verantwortlich gemacht werden können.

Es ist nicht das erste Mal, dass den Tieren solche Taten vorgeworfen werden. Als Beleg wird immer wieder ein Video herangezogen, in dem zu sehen ist, wie ein Hai angeblich ein Unterseekabel angreift. Dieses stammt bereits aus dem Jahr 2010. Es begann allerdings erst richtig zu kursieren, als ein Google-Mitarbeiter erklärte, dass man die eigenen Verbindungen in einen Kevlar-Mantel einfasse, um sie vor Haien zu schützen.


Tatsächlich sieht man in dem Video einen Hai, der in ein Unterseekabel beißt. Ob das nun allerdings aus der großen Neugier, die von den intelligenten Tieren bekannt ist, geschah oder ob es auf das elektromagnetische Feld der integrierten Stromleitung reagierte und das Kabel mit einem Beutetier verwechselte, ist unklar. Deutlich zu sehen ist, dass das Kabel keinen Schaden nimmt und der Hai auch recht schnell das Interesse verlor. Von einer gezielten Attacke kann keineswegs die Rede sein.

Und auch sonst gibt es bisher keine Hinweise, dass ein Hai in den letzten Jahren Schaden an einem Unterseekabel angerichtet hätte. Anlässlich des genannten Videos nahm auch das International Cable Protection Committee (ICPC) zu der Frage Stellung. Demnach tauchen in den Statistiken der Jahre 1901 bis 1957 tatsächlich 28 Fälle weltweit auf, in denen Unterseeverbindungen von Haien und anderen Meeresbewohnern beschädigt wurden - hier handelte es sich in der Regel um Telegrafen-Verbindungen. Im drauffolgenden Zeitraum bis 2006 gab es elf Fälle - was etwa einen Anteil von 0,5 Prozent an allen Störungen ausmachte. Damals waren die Kabel auch noch deutlich dünner und weniger gut gegen Außeneinwirkungen geschützt, als die heute benötigten Backbone-Leitungen.

In den letzten Jahren habe man allerdings keinen einzigen Fall mehr verzeichnen können, in denen ein Fisch ein Unterseekabel beschädigt hätte. Die meisten Probleme entstehen statt dessen, wenn ein Kabel von einem Schiffsanker oder einem Fischereinetz erfasst und mitgeschleift wird. Es sei auch sehr unwahrscheinlich, dass hinter den 10 bis 20 Prozent ungeklärten Ursachen im Jahr Haie stehen könnten - denn Biss-Spuren wären ein ziemlich eindeutiger Beleg. Insofern sind Berichte über Haie, die das Internet kappen, heute mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit schlicht ein weiterer Hoax. Meer, Fisch, Walhai Meer, Fisch, Walhai Radiomontecarlo
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