Anonabox: Hype um eine letztlich trügerische Sicherheit im Tor-Netz

Netz, Stoff, Textur Bildquelle: Angela Marie Henriette / Flickr
Eine kleines, preiswertes Gerät, das sich auch Laien problemlos zwischen den Internet-Anschluss und das eigene Netzwerk hängen, soll Anonymität und Schutz bei der Internet-Nutzung bieten. Das Versprechen, das mit der Anonabox gegeben wird, ist aber trügerisch.
Das Gerät erregt derzeit einiges an Aufmerksamkeit, weil ein Kickstarter-Projekt, das zur Finanzierung gestartet wurde, deutlich durch die Decke geht. Das Ziel war mit lediglich 7.500 Dollar angegeben. Inzwischen sind allerdings bereits Zusagen von deutlich mehr als einer halben Million Dollar zusammengekommen.

AnonaboxAnonaboxAnonaboxAnonabox

Lediglich rund 50 Dollar soll der kleine Router kosten, an den Geräte über eine Ethernet-Schnittstelle oder WLAN angebunden werden können. Standardmäßig wird der gesamte Datenverkehr, der dann aus dem heimischen Netzwerk ins Internet geht, über das Anonymisierungs-Netz Tor geleitet. Das soll den Nutzer davor schützen, von datensammelnden Unternehmen oder staatlichen Stellen überwacht zu werden.

Das Projekt suggeriert dabei, dass es mit der Anonabox ein Leichtes wird, auch Nutzern mit geringen Kenntnissen über Sicherheit im Netz einen maximalen Schutz in die Hand zu geben. Es darf bezweifelt werden, ob diese Hoffnung so einfach erfüllt werden kann. Denn auch, wenn der Datenverkehr über Tor geleitet wird, gilt es doch verschiedene Maßnahmen zu beachten, wenn man geschützt sein will.

So dürfte auch die Anonabox nur einen sehr bedingten Beitrag zum Datenschutz gegenüber den großen Internet-Unternehmen bieten. Denn es darf damit gerechnet werden, dass sich viele unerfahrene Nutzer nach dem Herstellen der anonymisierten Verbindung erst einmal in ihre Accounts bei Google oder Facebook einloggen - wenn ihr Browser das nicht ohnehin automatisch tut. Der Schutz vor einem Tracking wäre damit bereits dahin.

Und auch das Ausspionieren von Geheimdiensten kann mit dem System wohl kaum verhindert werden. Diese sind in erster Linie an Metadaten interessiert, die teils mehr Aufschluss bieten, als es die direkten Inhalte tun würden. Wenn nun der gesamte Datenverkehr des Anwenders an einem bestimmten Exit-Knoten des Tor-Netzes wieder ins Internet tritt, wäre die Identifizierung nicht übermäßig schwer. Denn die Kombination aus Servern, mit denen ein Rechner schon von sich aus Kontakt aufnimmt, ist in vielen Fällen bereits ein recht eindeutiger Fingerabdruck - etwa, wenn eine Kombination bestimmter Mail-Server abgefragt wird, unter denen sich vielleicht noch das Postfach bei einer privaten Domain befindet.


Die Software des Anonabox-Projekts liegt zwar offen und kann somit überprüft werden, doch diese bildet letztlich nur einen Teil des Systems. Die Hardware, so ist bei dem Projekt zu vermuten, lässt man billig in Asien zusammenbauen, was nicht gerade zu einem Vertrauensvorschuss führen kann.

An sich ist die Anonabox eigentlich eine gute Idee. Doch kann sie nicht ersetzen, dass sich der Nutzer die Kenntnisse aneignet, die er benötigt, um das von ihm gewünschte Maß an Sicherheit zumindest halbwegs zu beherrschen. Dies muss sicherlich nicht bedeuten, selbst alle Quellcodes zu studieren. Aber grundlegende Verhaltensregeln, Wissen um die Funktionsweise des Tor-Netzes und die Methoden des Nutzer-Trekkings sind letztlich schon nötig. Netz, Stoff, Textur Netz, Stoff, Textur Angela Marie Henriette / Flickr
Diese Nachricht empfehlen
Kommentieren17
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Kommentar abgeben Netiquette beachten!

Jetzt als Amazon Blitzangebot

Ab 17:00 UhrWhatsappSIM Prepaid
WhatsappSIM Prepaid
Original Amazon-Preis
9,94
Im Preisvergleich ab
9,95
Blitzangebot-Preis
4,95
Ersparnis zu Amazon 0% oder 4,99

Video-Empfehlungen

WinFuture Mobil

WinFuture.mbo QR-Code Auch Unterwegs bestens informiert!
Nachrichten und Kommentare auf
dem Smartphone lesen.

Folgt uns auf Twitter

WinFuture bei Twitter

Interessante Artikel & Testberichte

Tipp einsenden