China: Schüler werden zur Arbeit in PC-Fabriken gezwungen

Produktion, Foxconn, Arbeiter Bildquelle: N­icola­s Bou­llosa­
Viele der auch in Deutschland verkauften PCs namhafter Hersteller werden offenbar von Schülern gebaut, die in China zur Arbeit an den Fließbändern in den Computer-Fabriken von Vertragsfertigern gezwungen werden. Es sind dabei die Schulen, die die Jugendlichen zur Arbeit in den Fabriken zwingen, heißt es.
Wie das Wall Street Journal berichtet, verlangt die chinesische Regierung seit 2010, dass Berufsschüler während ihrer Ausbildung auch ein Praktikum machen. Dabei gibt es allerdings konkrete Vorgaben, die unter anderem festlegen, dass die zwischen drei Monate und ein Jahr dauernden Praktika so gestaltet sein müssen, dass die Schüler nicht mehr als acht Stunden am Tag arbeiten und es keine Nachtschichten gibt. Genau daran halten sich jedoch die wenigsten Arbeitgeber.

PC-Fertigung verlagert sich ins Inland

Weil die Fertigung von Elektronikprodukten von den östlichen Provinzen Chinas zunehmend ins Landesinnere und den Westen verlagert wird, da die Löhne in den Ballungszentren an der Küste bereits deutlich höher geworden sind, sind die Berufsschüler gefragte Arbeitskräfte. Weil das Praktikum vorgeschrieben ist, üben die Schulen angeblich Druck aus, um die Schüler zur Arbeit zu bewegen.

Außerdem werden sogar direkte Verträge mit diversen Unternehmen geschlossen, so dass die Schüler einer Schule meist allesamt bei den gleichen Firmen ihr "Praktikum" absolvieren müssen. Die Region um die Stadt Chongqing entwickelt sich dabei immer mehr zum neuen Schwerpunkt in der Notebook-Produktion

HP, Acer, ASUS & Co wissen von den Bedingungen

Zwar werden die Schüler von den Unternehmen bezahlt, doch oft müssen sie ihr Einkommen angeblich an die Schule zahlen. Wie hoch der Anteil der Schüler in den PC-Werken ist, wird unterschiedlich angegeben. Beim HP-Zulieferer Wistron soll die Mehrzahl der Arbeiter an den Fertigungslinien für Laptops aus Schülern bestehen, wobei das Unternehmen selbst beteuerte, dass der Anteil auf 48-49 Prozent gefallen ist. HP selbst sprach von einem Anteil von nur 12 Prozent. Diese Diskrepanz soll nun in Treffen zwischen HP und Wistron besprochen werden.

Bei Acer gestand man ein, dass der große Anteil von Schülern unter den Arbeitskräften bei seinen Vertragsfertigern als ernstzunehmendes Problem schon länger bekannt ist und man deshalb im letzten Jahr begonnen hat, sich mit dem Thema aktiv auseinanderzusetzen. Es wurde ein entsprechendes Programm gestartet, das angeblich bereits zu einer Halbierung des Schüleranteils in der Fertigung geführt hat. Bei ASUS war davon die Rede, dass man eine gründliche Untersuchung durchführen will.

Von Toshiba war zu hören, dass man keine Informationen zu den Arbeitsbedingungen in Chongqing vorliegen habe. Die Vertragsfertiger sind auch für Apple tätig, doch wegen der großen medialen Aufmerksamkeit rund um den Hauptlieferanten Foxconn ist der Anteil der Jugendlichen und Schüler in dessen Werken bereits massiv zurückgegangen.

Verdacht auf Korruption

Die beschriebenen schlechten Bedingungen bestehen aber vor allem bei den großen PC-Vertragsfertigern Quanta, Compal, Wistron und Pegatron weiter. Die aus Taiwan stammenden Unternehmen zahlen in China für jeden Praktikanten eine Provision an Vermittler, sparen aber gegenüber normalen Beschäftigungsverhältnissen Geld, weil sie weniger für Versicherung und andere Kosten ausgeben müssen.

Es gibt außerdem Anschuldigungen, laut denen die Schulen ihre Schüler exklusiv an die PC-Fertiger vermitteln, obwohl ihre Studienfächer nichts mit dem Elektronikgeschäft zu tun haben. Dementsprechend gibt es Gerüchte, laut denen unrechtmäßige Zahlungen fließen, um die Schüler ausschließlich bei den Vertragsfertigern arbeiten zu lassen.

Einige Schulen haben unterdessen nach eigenen Angaben begonnen, Druck auf die Arbeitgeber auszuüben, damit diese die Arbeitszeiten der Schüler auf maximal acht Stunden am Tag begrenzen und auch die Überstunden einschränken. Bei Firmen wie Pegatron, Wistron, Compal und Quanta sollen die vielen Überstunden jedoch zum Alltag gehören. Die Schüler profitieren unterdessen angeblich kaum von ihrer Beschäftigung bei den Unternehmen - sie verbauen oft Tag für Tag die gleichen Komponenten, ohne etwas dabei zu lernen. Produktion, Foxconn, Arbeiter Produktion, Foxconn, Arbeiter N­icola­s Bou­llosa­
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