Snowden-Interview: ARD vergeigt den Medien-Coup

Logo, Ard, Fernsehsender, öffentlich-rechtliche Bildquelle: ARD
Tagelang hat die ARD mit Ankündigungen für das gestern ausgestrahlte Exklusiv-Interview mit Edward Snowden getrommelt, blieb dann in ihren eigenen Strukturen stecken und zog eine Menge Unmut auf sich.
Gleich eine ganze Reihe von Kritiken muss sich der öffentlich-rechtliche Sender gefallen lassen. So erhielt man das erste Interview mit dem ehemaligen Geheimdienst-Mitarbeiter, dessen Enthüllungen seit Monaten wesentliche Teile der politischen Diskussion prägen, seit dieser im letzten Sommer in Hongkong untertauchte und platziert dieses nicht etwa zur Prime-Time, sondern an einem Sonntag Abend nach 23 Uhr.

Die ARD begründet dies so: Man habe den "nächsten erreichbaren Sendetermin im Ersten gewählt, auf dem eine Begleitung durch eine politische Gesprächssendung möglich ist". Nachdem das Dreh-Team am Donnerstag Abend aus Russland, wo Snowden Asyl erhalten hat und sich aufhält, zurückgekehrt ist, sei dies halt der Sonntagabend gewesen. Außerdem erreiche man nach dem "Tatort" besonders viele Menschen.

Allerdings bestand nicht einmal die Flexibilität, das Interview selbst direkt nach dem Krimi auszustrahlen. Statt dessen mussten Interessierte erst einmal zusehen, wie in dem Talk-Format erneut mit den seit Wochen bekannten Argumenten über das Gespräch gesprochen wird. Erst im Anschluss an die darauf folgenden Tagesthemen ging es dann los.

Die ARD strahlte dann das geschnittene Interview mit deutscher Übersetzung aus. Parallel wurde es online bereitgestellt. Soweit so gut. Doch schnell zeigte sich auch hier, wie der Sender weiterhin in veralteten und etwas seltsamen Strukturen feststeckt, die einerseits mit den Gewohnheiten der jüngeren Generation als auch mit der Bedeutung des Interviews nicht zusammenpassen.

Die Redaktion der ARD erhielt schnell via Twitter und auf anderen Wegen Nachfragen, wo das Interview im englischen Originalton abrufbar wäre. Die Antwort: Nirgends. Weiterhin könnte man annehmen, die deutsche Öffentlichkeit dürfte nichts dagegen haben, das eine mit ihren Rundfunkbeiträgen finanzierte Interview-Aufzeichnung von dieser weltpolitischen Bedeutung der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wird. Doch außerhalb Deutschlands wird es auf offiziellem Weg ebenfalls nicht zu sehen sein.

Die Begründung der ARD: Die Rechtelage. Der zur ARD gehörende NDR war für die Aufzeichnung zuständig und ließ ebenfalls verlauten, dass die Rechte bei der Produktionsfirma lägen. Hier ließ sich der Sender also bei einem seiner größten Medien-Coups der letzten Zeit mit äußerst eingeschränkten Rechten abspeisen.

Produziert wurde das Interview von der Firma CineCentrum. Laut dem Magazin DWDL handelt es sich hierbei allerdings um eine hundertprozentige Tochter des Unternehmens Studio Hamburg, die über die NDR Media GmbH wiederum vollständig dem NDR gehört. Der Sender lässt sich hier also von der Tochter-Tochter-Firma diktieren, wie er mit einer aus Rundfunkbeiträgen finanzierten Aufnahme umzugehen hat, statt die Bedingungen gerade in einem solchen Fall souverän bestimmen zu können.

Update: Bei der ARD hat man auf die Kritiken nun insofern reagiert, dass das Interview im englischen Original-Ton online zur Verfügung gestellt wurde. Auch dieses kann außerhalb Deutschlands aber weiterhin nicht abgerufen werden.

Das Interview auf deutsch:


Das Interview auf englisch:
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Mehr zum Thema: Edward Snowden
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