Daten-GAU: BSI & Politik reagieren unangemessen

Internet, Daten, Netzwerk, Ethernet Bildquelle: Patrick Stahl / Flickr
Der gerade bekannt gewordene Fall von millionenfachem Identitäts-Diebstahl entwickelt sich zu einem Beispiel dafür, wie stark es hierzulande noch an Wissen und Professionalität bei solchen Themen mangelt.
So gerät das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nun in die Kritik, weil man die betroffenen Nutzer viel zu lange nicht informierte. Michael Hange, der Chef der Behörde, hatte eingeräumt, dass die Informationen über rund 16 Millionen entwendete Login-Kennungen schon seit Dezember vorlagen. Dass man die Öffentlichkeit erst gestern in Kenntnis setzte, entschuldigte der BSI-Chef mit der Notwendigkeit, innerhalb der Behörde erst Vorbereitungen zu treffen.

Angesichts des enormen Umfangs des Identitätsdiebstahls wäre Eile allerdings angebracht gewesen. Denn Kriminelle, die ebenfalls im Besitz der Daten waren, hatten nun weitere Wochen Zeit, um in Accounts zahlreicher Internet-Nutzer einzudringen und im schlimmsten Fall einen signifikanten finanziellen Schaden zu verursachen.

Hinzu kommt, dass das BSI offenbar nicht damit gerechnet hat, dass so viele Nutzer seiner Aufforderung folgen und auf seiner Webseite überprüfen, ob die eigene E-Mail-Adresse in den Datenbeständen enthalten ist. Über Stunden war der entsprechende Server wegen Überlastung nicht zu erreichen. Doch statt schnell zu reagieren und im Hintergrund eine ausreichend starke Lastverteilung zu realisieren, empfahl BSI-Sprecher Tim Griese laut dem Spiegel: "Die Seite ist immer wieder mal aufrufbar. Am besten probiert man es mehrfach." Damit dürfte sich die Last allerdings eher noch erhöht haben.

Auch die Politik reagierte inzwischen auf die Angelegenheit - allerdings recht durchwachsen. Diesmal nutzte der Berliner Justiz- und Verbraucherschutz-Senator Thomas Heilmann (CDU) den Vorfall, um die umfassende Speicherung von Telekommunikations-Metadaten der ganzen Bevölkerung zu fordern. "Diese Taten finden erfahrungsgemäß nur im Netz statt", wusste er zu berichten. "Ohne das Instrument der Vorratsdatenspeicherung finden wir die Täter nicht", ist sich Heilmann sicher. Angesichts dessen, dass die Informationen wohl über Jahre hinweg von Botnetzen gesammelt wurden, dürfte es fraglich sein, ob ein Rückgriff auf die Telekommunikations-Metadaten einen Erfolg bringt.

Lars Klingbeil, der netzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion forderte statt dessen, mehr dafür zu tun, dass die Nutzer schon im Vorfeld besser vor solchen Taten geschützt werden. Aufgabe der Politik sei es, für einen Ausbau der Sicherheits-Forschung zu sorgen. "Das wird Geld kosten, was wir aber investieren sollten", sagte er dem Tagesspiegel. Internet, Daten, Netzwerk, Ethernet Internet, Daten, Netzwerk, Ethernet Patrick Stahl / Flickr
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