Mathematik: Kryptographie des Netzes ist bedroht

Die Verschlüsselungsverfahren, welche heute die Basis der sicheren Kommunikation im Internet darstellen, werden in absehbarer Zeit wohl weitgehend wertlos sein.

Das ist das Fazit eines Vortrags mehrerer Sicherheits-Forscher auf der Hackerkonferenz Black Hat in Las Vegas. Diese hatten sich zuletzt mit den neuesten wissenschaftlichen Publikationen aus der Mathematik beschäftigt. Dabei zeigte sich, dass in den vergangenen sechs Monaten deutliche Fortschritte in eine Richtung gemacht wurden, die den aktuell breit eingesetzten Verfahren RSA und Diffie-Hellman gefährlich werden könnten, berichtet das Magazin Technology Review.

Die beiden Methoden gelten heute quasi als nicht zu brechen - zumindest nicht bei einem hinreichend komplexen Schlüssel. Selbst schnelle Rechner würden derzeit unglaublich lange Zeitspannen brauchen, um einen Key herauszubekommen. Selbst deutliche Fortschritte bei der Leistungsfähigkeit von Computern würden daran nur wenig ändern.

Neue mathematische Lösungsansätze zur Entschlüsselung sind aber ein anderes Problem. "Wir sind davon abhängig, dass kein effizienter Algorithmus gefunden wird", erklärte Jarved Samuel, Kryptographie-Experte beim Beratungshaus ISEC Partners. "Wird ein solcher Entdeckt, ist das Verschlüsselungssystem kaputt."


In den letzten 25 Jahren hat es bei der Suche nach einem solchen Verfahren kaum Fortschritte gegeben. Wie Samuel ausführte, treibe dies die Wissenschaftler aber natürlich umso mehr an, das Problem endlich zu lösen, was die Zeit bis zu einem Erfolg verkürzen kann. Und tatsächlich legen auch Studien des französischen Mathematikers Antoine Joux nahe, dass die Forschung auf einem guten Weg ist, die Lösung demnächst zu finden.

Alex Stamos, Technikchef des Security-Unternehmens Artemis, geht davon aus, dass man nicht viel Zeit hat, falls die Mathematik den Durchbruch schafft. "Joux oder einer der anderen könnte eine Entdeckung machen und diese in eine Krypto-Mailingliste werfen. Bis zu einer praktischen Implementierung würde es dann nur ein oder zwei Tage dauern", sagte er. Von da an würden Angriffe auf verschlüsselte Verbindungen recht einfach möglich sein.

Und dies wäre fatal. Denn die fraglichen Verfahren schützen aktuell das Online-Banking, die Handel über das Netz, die E-Mail-Kommunikation und vieles mehr. Auch bei Betriebssystem-Updates für Windows oder Mac OS X sorgen die Technologien dafür, dass keine manipulierten Daten eingeschleust werden. Würden RSA und Diffie-Hellman also gebrochen, so Stamos, wäre die Folge der nahezu komplette Verlust vertraulicher Kommunikation im Internet.

Es besteht also berechtigter Grund zur Sorge, aber nicht zur Panik. Denn alternative Verfahren sind bereits in einigen Bereichen im Einsatz. So arbeiten US-Behörden beispielsweise zum Teil schon mit einer neueren Krypto-Technologie, die 2005 vom Geheimdienst NSA als SuiteB bereitgestellt wurde und auf dem Elliptic Curve Cryptography (ECC)-Verfahren beruht. Und auch die russische Regierung hat schon von RSA Abstand genommen und setzt auf ein eigenes System auf ECC-Basis.

Allerdings wäre bei einem Wechsel nur die dann erfolgende Kommunikation geschützt. Im Zuge des aktuellen Überwachungs-Skandals wurde deutlich, dass beispielsweise die NSA verschlüsselte Inhalte grundsätzlich erst einmal aufbewahrt - in der Hoffnung, diese später einmal dekodieren zu können. Diese Telekommunikations-Inhalte würden dann wohl analysiert werden können.
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Ach ja die NSA wieder einmal mit da bei, wen wundert es noch. Aber wen die Verschlüsselung dann offen ist, ist Polen offen. Da es die neuen System auch nicht in 1 Minute eingespielt sind.
 
@Zewa: Mittlerweile ist der NSA-Bezug hier nurnoch um Klicks zu generieren, als wäre es die einzige Institution, die mehr mit dem Internet macht als Referate zu googlen. Wie einst die Stichwörter Apple und iPhone.
 
Genau - Dem Verschluesselungsverfahren der NSA ist sicher am meisten zu trauen :)
 
[re:1] Zewa am 07.08.13 11:21 Uhr
(+2
@-adrian-: Überlege doch mal dann brauchst du keine Angst haben das sie deine Daten Speichern, denn sie können die dann gleich im Klartext Lesen. :) Das spart uns die Debate um Voratsdatenspeicherung. Irnoi[aus]
 
[re:2] dodnet am 07.08.13 11:22 Uhr
(+14
@-adrian-: Die NSA will doch nur unser Bestes (unsere Daten)! Ich frage mich sowieso, wozu ich noch Sicherungen erstelle, wäre doch einfacher da bei der NSA anzurufen...


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