Telekom speichert umfassend Daten über US-Kunden

Was die Zusammenarbeit mit Überwachungs-Behörden angeht, ist Telekom-Chef René Obermann ungefähr ebenso gut über den eigenen Konzern informiert, wie die Bundesregierung über die Arbeit ihrer Geheimdienste.

Während beide nach außen hin behaupten, von nichts zu wissen, zeigen nach und nach öffentlich werdende Dokumente eine andere Realität. So war die Deutsche Telekom schon einige Zeit vor den Terroranschlägen am 11. September 2001 bereit, Informationen über ihre Kunden in den USA ausgiebig zu speichern und den dortigen Behörden zur Verfügung zu stellen. Das zeigt ein Vertragsdokument, das das Blog Netzpolitik.org jetzt veröffentlichte.

Das Abkommen wurde zwischen der Telekom, ihrer US-Tochter T-Mobile USA, die damals noch VoiceStream Wireless hieß, der US-Bundespolizei FBI und dem US-Justizministerium geschlossen. Die Unterschriften stammen aus dem Dezember 2000 und Januar 2001. In dem Vertrag verpflichtet sich die Telekom, alle Anlagen für den Mobilfunkbetrieb der US-Tochter in den USA zu betreiben, um eine elektronische Überwachung zu gewährleisten. Das Unternehmen verpflichtet sich auch, den Behörden bei Zugriffen auf die Daten zu helfen.


Neben den Rechnungs- und Bestandsdaten umfasste die Speicherpflicht, zu der sich der Konzern verpflichtete, auch das, was hierzulande unter dem Begriff Vorratsdatenspeicherung diskutiert wird - also eine komplette Erfassung der Verbindungsdaten und Transaktionen. Die Informationen sollen dabei über zwei Jahre vorgehalten werden, auch wenn ausländische Gesetze etwas anderes vorgeben sollten. Die Telekom sollte also wohl gar nicht erst auf die Idee kommen, in den USA nach den aus Deutschland gewohnten Gepflogenheiten zu agieren.

Der Konzern sicherte außerdem zu, die gespeicherten Daten vor dem Zugriff ausländischer Behörden oder Geheimdienste zu schützen und etwaige Anfragen aus dieser Richtung regelmäßig ans US-Justizministerium weiterzumelden. Weiterhin soll dem Ministerium und dem FBI jederzeit ein Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Auch sei regelmäßig darüber zu berichten, wie die Telekom den Zugang zu den gespeicherten Daten gewährleistet und den Vertrag umsetzt.

Während Obermann kürzlich noch erklärte: "Wir kooperieren nicht mit ausländischen Geheimdiensten", sagte ein Sprecher des Unternehmens gegenüber der WAZ nun, "Abhörvereinbarungen mit ausländischen Sicherheitsdiensten gebe es auch 'für andere Länder'". Die Zusammenarbeit decke dabei lediglich die US-amerikanische Gesetzeslage ab. Hier ist - sofern das Unternehmen nicht andere Belege liefern kann oder will - auch davon auszugehen, dass die Kooperation mit den nationalen Behörden in anderen Ländern ähnlich freigiebig erfolgt. So ist der Konzern unter anderem mit seiner Services-Sparte T-Systems auch in Russland und China aktiv.
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liest man von der tcom auch mal etwas positives?
 
@Mezo: Ja, die Manager bekommen eine Gehaltserhöhung.
 
@Mezo: Liest man von irgendeinem TK-Unternehmen irgendwann einmal etwas positives? Die Datenspeicherung der Telekom unterscheidet sich nicht zu der von anderen Unternehmen.
 
[re:3] Mezo am 23.07.13 17:22 Uhr
(-2
@dustyOn3: dann wird die tcom halt gerne als sündenbock hergenommen wie es scheint.
 
Mal ne Liste von Einrichtungen, die NICHT tonnenweise Daten Anderer speichen, wäre mittlerweile angebracht. Das würde die Anlegenheit wesentlich überschaubarer machen. ;)


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