Netz-Drossel lässt Gigabit-Gesellschaft umkippen

Der heutige Stand der Vernetzung zeigt erst in Ansätzen, wie die Gesellschaft und das All­tagsleben in einigen Jahren aussehen könnten. Einige Szenarien hat das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) beschrieben.

Darin gehen die beteiligten Wissenschaftler davon aus, dass der Ausbau der Internet-Infrastruktur weiter vorangetrieben und nicht durch bremsende Konzepte, wie sie beispielsweise die Deutsche Telekom vorantreiben will, stagniert. So soll der Weg von der Informationsgesellschaft in die Gigabitgesellschaft geebnet werden, die auch im Mobilfunk mit entsprechend hohen Datenraten und einer ständigen Verfügbarkeit von Netzzugängen arbeitet.

Im Vordergrund der Fraunhofer-Studie "Szenarien für die Gigabitgesellschaft" stand das Zusammenspiel von gesellschaftlichen Entwicklungen und technischen Möglichkeiten. Die Szenarien zeigen, wie das Leben und Arbeiten zukünftig aussehen könnte, sie weisen aber auch auf mögliche negative Entwicklungen hin.

Ein Szenario basiert auf dem Trend der Öffnung und Enthierarchisierung. Diese Entwicklungen zeichnen sich dadurch aus, dass mit Hilfe netzbasierter Innovationen größere Transparenz und mehr Partizipation ermöglicht werden. Das "gläserne Rathaus" ist ein Beispiel für mehr Transparenz und mehr Beteiligungsmöglichkeiten am politischen Geschehen, da sich die Bürger zum Beispiel über kommunale Vorhaben jederzeit umfassend über das Internet informieren können. In der Wirtschaft wird dabei mit einem Umdenken weg von starren Hierarchien hin zu neuen und flexibleren Modellen des Ideen- und Innovationsmanagements − auch über Unternehmensgrenzen hinweg - gerechnet.


Ein weiterer Aspekt stellt nach Ansicht der Forscher das "Alles in Echtzeit"-Prinzip dar. Überall verfügbare mobile Internetverbindungen in Kombination mit entsprechenden Geräten und Anwendungen sorgen in diesem Szenario nicht nur dafür, ad hoc Zugriff auf alle Informationen zu erhalten, sie ermöglichen auch eine neue Qualität der Alltagsorientierung. Beispielsweise ist in diesem Szenario Fernsehen auf Abruf Alltag geworden, weil es flächendeckend, mobil, ohne Aussetzer und in hoher Auflösung verfügbar ist. Cloud Computing, Videostreams, Videokonferenzen, Filme, Konzert- und Sportübertragungen sowie Spiele stehen ständig und on Demand zur Verfügung.

Die Kombination von ortsspezifischen Informationen und persönlichen Daten der Nutzer ist eine weitere wichtige - wenngleich nicht unumstrittene - Komponente. "Vielleicht zeigt das Smartphone zukünftig an, wer sich von den Freunden alles in der Bar aufhält oder welche Besucher ähnliche Interessenprofile haben, wer gerade sein Auto verkaufen will oder für den Heimweg eine Mitfahrgelegenheit anbietet", erklärte Bernd Beckert, der Leiter der Studie am Fraunhofer ISI.

Im Szenario "Vernetzte Mobilität" geht man davon aus, dass sich das Mobilitätsverhalten der Menschen grundlegend ändert: Insbesondere in den Städten geht es nicht mehr um den Besitz eines Fahrzeugs, sondern darum, ressourcensparend und flexibel von A nach B zu kommen. In diesem Szenario setzen sich vernetzte Verkehrskonzepte flächendeckend durch. Zahlreiche Mobilstationen ermöglichen die spontane Nutzung verschiedener Verkehrsmittel je nach Bedarf. Stark befahrene Routen können vermieden und spontane Mitfahrgelegenheiten genutzt werden.

Diesen drei positiven Szenarien ist jeweils auch ein negatives Pendant gegenübergestellt. So können beispielsweise die Transparenz- und Beteiligungstrends in Zukunft auch an Kraft verlieren oder sich gar in ihr Gegenteil verkehren. Das Resultat wäre ein Szenario, in dem die gesellschaftlichen Erwartungen der Teilhabe und Mitgestaltung enttäuscht werden und der Eindruck überwiegt, dass sich trotz der vielen Beteiligungsplattformen und Kommunikationsangebote doch nichts ändert.

Für Beckert, ist die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit von Breitbandnetzen im Festnetz- und Mobilfunkbereich die zentrale Voraussetzung für die Realisierung aller Positivszenarien: "Fehlt es an den Netzen, drehen viele unserer Szenarien ganz schnell in den negativen Bereich, ein klares Zeichen für das überragende Gewicht des Faktors 'Netzinfrastruktur'. Hier sind die Netzbetreiber, aber auch der Staat als Rahmensetzer für Wettbewerb und Investitionen in der Pflicht, die Übertragungskapazität des Internets mit geeigneten Maßnahmen zu sichern beziehungsweise auszubauen", mahnte er.
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Das ist eine sehr nette und ausführliche Umschreibung für: "Die Telekom wirft uns in die Internetsteinzeit zurück"
 
[re:1] ZappoB am 15.05.13 19:29 Uhr
(+15
@Draco2007: Nein, die Telekom DROHT mit einem Rückwurf in die Internetsteinzeit, man kann sich aber mit "10-20 Euro" freikaufen. Ich möchte hier fast den Tatbestand der Erpressung erkennen...
 
@ZappoB: Nein, wenn die Drossel durchkommt und auch auf die Netzneutralität geschissen wird und damit Contentanbieter erpresst werden, befinden wir uns auch ohne "Zusatzzahlungen" im Internetsteinzeitalter.
 
@Draco2007: genau - es geht nicht hauptsächlich um das Zusatzgeld, sondern um die Netzneutralität und das - insbesondere die eigenen - Dienste bevorzugt werden.
 
@ZappoB: Gabs das nicht schon einmal früher? Wie hieß das noch gleich... sekunde... ah genau, Ablassbriefe :)


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