UK: Urheberrecht für verwaiste Werke stark gelockert

Foto, Haus, Historisch, Alt Bildquelle: Paul Townsend (CC BY-SA 2.0)
Die britische Regierung hat mit einem neuen Gesetz einen Vorstoß zu einer Auflockerung des Urheberrechts beim Umgang mit so genannten verwaisten Werken gemacht. Deren Verwendung wurde nun weitgehend freigegeben.
Von verwaisten Werken wird gesprochen, wenn der Urheber nicht oder wahrscheinlich nur mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand ermittelt werden kann. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn ein Autor gestorben ist und lange keinen Kontakt mehr zu Angehörigen hatte, denen eigentlich das Erbe zustünde. Aber auch zahlreiche Fotos im Web, bei denen weder auf der Plattform, auf der sie veröffentlicht wurden, noch anhand der Meta-Daten ein Bezug zum Urheber hergestellt werden kann, fallen darunter.

Wer solche Werke weiterverwenden wollte, steht bisher vor einem Problem: Kann der Rechteinhaber nicht ausfindig gemacht und eine Zustimmung eingeholt werden, stellt eine Verwendung eine Urheberrechtsverletzung dar. Einige Publikationen versuchten in der Vergangenheit das Problem mit dem Hinweis zu umgehen, dass man gerne zur Zahlung einer marktüblichen Lizenzgebühr bereit sei, wenn der Urheber sich doch noch meldet. Rechtssicher war dies allerdings nicht. Vor allem Wissenschaftler, die häufig mit entsprechenden Materialien zu tun haben und diese für ihre Veröffentlichungen brauchen, drängten daher schon länger auf eine politische Lösung.

In Großbritannien hat man sich hier für einen ebenso einfachen wie radikalen Schritt entschlossen. Laut der neuen Regelung muss der Nutzer jetzt im Zweifelsfall nur noch glaubhaft darlegen können, dass er gewissenhaft nach dem Urheber eines Werkes gesucht hat. Kann der Rechteinhaber trotzdem nicht ausfindig gemacht werden, steht es ihm frei, das Werk nach Belieben zu verwenden. Für den Fall, dass der Urheber doch noch auftaucht, soll eine bestimmte Lizenzgebühr treuhänderisch bei einer unabhängigen Stelle hinterlegt werden.

Damit wird die Nutzung verwaister Werke einer breiten Öffentlichkeit möglich gemacht. Allerdings gibt es auch Bedenken, dass nun eine regelrechte Industrie entstehen könnte, die beispielsweise Fotos, die von private Nutzern millionenfach irgendwo ins Netz gestellt werden, zu eigenem Nutzen kommerziell vermarktet. Denn nach dem Gesetz ist es durchaus möglich, beispielsweise eine kostenpflichtige Bilddatenbank aufzubauen und diese mit Fotos zu füttern, die nicht problemlos einem bestimmten Urheber zugerechnet werden können.

Um auf dieses scheinbare Problem aufmerksam zu machen, wurde die Gesetzesnovelle teils als "Lex Instagram" bezeichnet. Dies soll den Eindruck erwecken, dass sich nun jedermann auf Foto-Plattformen frei bedienen und die dort veröffentlichten Bilder kommerziell weiterverwenden kann. Angesichts dessen, dass die Aufnahmen dort aber in der Regel mit einem aktiven Nutzer-Account verbunden sind, ist dies in der Praxis eher nicht der Fall.

Vielmehr geht die Regelung in eine Richtung, die Befürworter einer radikalen Urheberrechtsreform seit einiger Zeit fordern: Schutzrechte sollen ihrer Ansicht nach nur gelten, wenn der Urheber diese explizit anmeldet. Ist dies nicht der Fall, soll davon ausgegangen werden, dass einer freien Nutzung stillschweigend zugestimmt wird. In Deutschland wurde das Thema der verwaisten Werke recht lange ignoriert und erst kürzlich wurde ein Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der in den kommenden Monaten eine Debatte im Bundestag ermöglichen wird. Foto, Haus, Historisch, Alt Foto, Haus, Historisch, Alt Paul Townsend (CC BY-SA 2.0)
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