Moderne E-Book-Reader, die mit verschiedenen Zusatzfunktionen daherkommen, bringen Anwender auf lange Sicht nicht unbedingt dazu, mehr Bücher zu lesen. Im Gegenteil: Bücher erhalten auf den Geräten ungeahnte Konkurrenz.
Das geht aus einer Untersuchung der Universität Hamburg hervor, die der Fragestellung nachging, wie andere Medienmärkte durch die zunehmende Nachfrage nach E-Books beeinflusst werden. Die Forscher stellten dabei fest, dass das größte Veränderungspotenzial vor allem von der neuen Generation der E-Book-Lesegeräte ausgeht, die neben dem Lesen von E-Books eine alternative Nutzung zahlreicher digitaler Services ermöglichen, wie etwa Social Networks und Online-Zeitungen.
Denn die Verlockung ist groß, in bestimmten Situationen das Gerät nicht zum Lesen von E-Books zu nutzen, sondern auf andere Angebote zuzugreifen. "E-Books konkurrieren mit einer Vielzahl von Medienangeboten, zum Beispiel Online-Zeitungen, die je nach den individuellen Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer in bestimmten Situationen dem E-Book vorgezogen werden", fassen Edlira Shehu und Tim Prostka, die Initiatoren der Studie, die Ergebnisse zusammen. Somit laufen inzwischen die E-Books Gefahr, von den neuen Nutzungsmöglichkeiten verdrängt zu werden.
Das Kannibalisierungspotenzial in der Buchbranche ist besonders hoch, da die bisherigen Lesegewohnheiten der traditionellen Buch-Vielleser durch die neuen Möglichkeiten der Lesegeräte nachhaltig verändert werden.
Für Verlage und Buchhandel ergeben sich hieraus Konsequenzen: Nur wenn es gelingt, E-Book-Angebote so zu konzipieren, dass sie im Wettbewerb um das beschränkte Zeitbudget der Leser bestehen können, kann die Nachfrage nach Buchinhalten langfristig erhöht werden. Anderenfalls werden E-Book-Nutzer ihre Geräte zukünftig weniger zum Lesen von E-Books nutzen, sondern auf alternative Angebote wie etwa Facebook zurückgreifen.


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