Gollum-Filmtechnik wird erheblich einfacher & besser

Eine neue Special Effect-Technologie soll Schauspieler wesentlich einfacher in künstliche Film-Welten integrieren - aber auch Medizinern und Sportlern bessere Analyse-Verfahren an die Hand geben.
Entwickelt wurde die neue Technologie am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken. Sie ermöglicht es, die Bewegungen von Schauspielern in einer echten Spielszene mit wenigen Kameras zu erfassen und äußerst realistisch auf virtuelle Charaktere zu übertragen.

Eine der bekanntesten Figuren, bei der eine solche Technik bisher zum Einsatz kam, war Gollum in der "Herr der Ringe"-Verfilmung. In Filmstudios wird dabei als gängige Methode das Motion-Capture-Verfahren angewendet. Dabei schlüpfen Schauspieler in hautenge Anzüge, die mit Markern beklebt sind. Diese reflektieren Infrarotlicht, das von einem speziellen Kamera-System ausgestrahlt und empfangen wird. Auf diese Weise werden die Bewegungen des realen Schauspielers erfasst und später mit einer Animationssoftware auf die virtuelle Figur übertragen.

"Die Anzüge sind jedoch für die Schauspieler unangenehm und auch die Marker behindern sie in ihren Bewegungen", erklärte Nils Hasler vom Max-Planck-Institut. Die Computergraphiker haben daher ein Verfahren entwickelt, das ohne Marker auskommt und dabei die Bewegungen sehr schnell und realistisch erfasst.

Dafür werden Schauspieler in ihrer normalen Kleidung von gewöhnlichen Kameras gefilmt. Im Computer werden die Bewegungen von einer speziellen Software analysiert und als Bewegungsskelett auf eine virtuelle Figur übertragen. "Wir benötigen dafür im Gegensatz zu den Trickaufnahmen in Hollywood nicht einige Dutzend Kameras, sondern nur ganz wenige. Der Computer berechnet die Bewegungen dann so schnell, dass wir sie ohne Zeitverzögerung direkt auf die zu animierende Figur übertragen können", erklärte Hasler.

Das mittlerweile patentierte Rechenverfahren konnte in den vergangenen Monaten weiter verfeinert werden. Es kommt jetzt auch mit Szenen zurecht, bei denen mehrere Personen gleichzeitig die Szene bevölkern und sich Körperteile in den Aufnahmen überlagern. "Das System erkennt die Bewegungen auch dann noch, wenn Gegenstände die Menschen verdecken oder der Hintergrund sehr unruhig ist. Das wird in Zukunft auch Trickaufnahmen außerhalb der Studios, etwa in der freien Natur ermöglichen", erwartet der Saarbrücker Forscher.

Noch ein weiteres Problem konnten die Informatiker lösen: "Wenn Schauspieler weite Mäntel tragen oder Damen in langen Ballkleidern die Szene betreten, wurde es auch für unsere Software schwierig, die Bewegungen des Körpers zu rekonstruieren. Über ein neues Rechenverfahren können wir jetzt auch Oberflächen so genau erfassen, dass man zum Beispiel den Faltenwurf der Kleidung völlig realistisch nachbilden kann. Dies hat bisher weltweit noch kein anderes Computerprogramm geschafft", so Hasler.

Die neue Technologie ist dadurch auch für viele Anwendungen jenseits der Film- und Spieleindustrie interessant. Athleten könnten sie nutzen, um ohne störende Marker am Körper einzelne Bewegungen genau zu analysieren. Sportjournalisten hätten die Möglichkeit, live am Fernsehbildschirm die Bewegungsabläufe etwa beim Stabhochsprung oder Diskuswerfen direkt zu kommentieren. Aber auch in der Medizin könnten so Heilungsfortschritte bei Gelenken genauer erkannt werden. Film, Kino, Filmrolle Film, Kino, Filmrolle
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