Estland richtet Mathe aufs Computer-Zeitalter aus

In Estland wird in 30 Schulen ein Pilotprojekt zur Einführung eines anderen Mathematik-Unterrichtes starten. Das Unterrichtsfach soll stärker an die veränderten Gegebenheiten des Computer-Zeitalters angepasst werden.

Die Schulbildung sei derzeit noch darauf ausgelegt, Aufgaben manuell zu lösen, erklärte Jon McLoone von der Organisation Computerbasedmath.org, die das Pilotprojekt gemeinsam mit dem estnischen Bildungsministerium durchführt. Dies sei auch notwendig gewesen, da die Berechnungen an sich lange der Flaschenhals bei der Lösung von Problemen waren. "Das wirklich schwierige war es, die Gleichungen auch zu lösen, also musste das auch unterrichtet werden", so McLoone laut einem Bericht des 'Wall Street Journal'.

Das hat sich allerdings geändert. Die eigentliche Lösung einer Gleichung kann ein Computer problemlos ausführen. "Was Rechner aber nicht können, ist die Formulierung des Problems, seine Interpretation und die Entwicklung einer Strategie", sagte McLoone weiter. "Das sollten wir also unterrichten und weniger Zeit darauf verwenden, aus unseren Kindern schlechte Computer statt gute Mathematiker zu machen."


Er sei sich bewusst, dass man mit dem Projekt auf Widerstand von Traditionalisten stoßen wird, die wieder mit der Befürchtung aufwarten werden, dass ein solcher Weg zur Verdummung der kommenden Generation führt. Dem hält er entgegen: "Wenn man den Sinn der Mathematik eher darin sieht, quadratische Gleichungen zu lösen als dies einem Computer in die Hände zu legen, dann reduziert eher dies die Qualität des Prozesses."

Der Unterricht laufe zunehmend Gefahr, die Mathematik aus ihrem Kontext zu reißen und viele Dinge zu lehren, die sich im praktischen Umgang als nutzlos erweisen. Laut Conrad Wolfram, dem Gründer von Computerbasedmath.org, kommen auf die kommende Generation immer mehr Aufgaben im Alltag zu, bei denen es darum geht, komplexe Probleme zu erfassen und richtig einzuordnen. Beispielsweise wenn Mengen von Daten richtig dargestellt werden müssen. Darauf müsse sich die Ausbildung an den Schulen einstellen.

Das aktuelle Pilotprojekt, dessen Start mit der Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens zwischen der Organisation und dem estnischen Bildungsministerium festgelegt wurde, reiht sich dabei in andere Bestrebungen ein, neue Entwicklungen in den Schulen unterzubringen. So startete im vergangenen Jahr beispielsweise ein Versuch, bereits Grundschülern ab sieben Jahren erste Grundlagen in der Robotik und Programmierung zu vermitteln.
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Ich tippe dennoch auf eine Verdummung der nächsten Generationen. Geht heute denn gar nichts mehr ohne Computer? Wenn ich sehe, dass (Vor-)Schulen da mit Ihren iPads etc. im Klassenraum sitzen . . . Naja technischer "Fortschritt"...
 
@Everlite: Ich schaetze auf eine Verschiebung der Faehigkeiten. Meine Oma kann auch keine Ungleichung loesen aber im Kopfrechnen macht ihr keiner was vor
 
@-adrian-: Bis ich meine Ausbildung angefangen hab, war ich neben meinem besten Kumpel IMMER Klassenbester im Kopfrechnen, dank Taschenrechner können wir beide es nicht mehr :D
 
@Everlite: Immer wieder diese gleiche Geschichte. Warum glaubt man, dass man verdummt? Hätte man früher mit dem Buchdruck auch behaupten können. Man muss sich nichts mehr merken, man kann ja alles Nachschlagen. Ich finde es immer wieder seltsam, wie stur manche in Bezug auf Änderungen sein können. Edit: Und iPads (oder Android etc ;)) könnten extrem sinnvoll eingesetzt werden. Der Stoff kann dadruch viel anschaulicher gemacht werden. Kurvendiskussionen sind für viele Verständlicher. Warum sieht die Kurve so aus etc. Bis der Lehrer mal wieder in 10 Minuten irgendwas an die Tafel gekritzelt hat, ist das auf nem Display in 1 Minute angesehen. bleiben 9 Minuten länger, um es zu verstehen!
 
@Everlite: ich muss sagen, das ist mal eine gute entwicklung. das schlimmste an den heutigen unterrichtsmethoden, in allen bereichen, ist doch, dass man das meiste davon im täglichen arbeitsleben nicht mehr nutzt und komplett vergisst. manuell rechnen in einem büro job? das will ich sehen... nach 2 jahren im büro haben fast alle die manuellen rechenwege nicht mehr flüssig drauf. paar jahre mehr und man kriegt ne division garnich mehr hin. aber wozu auch, die wirtschaft interessiert nich ob du im kontenplan mit papier und bleistift die buchungen machen kannst, da musst du als buchhalter nur das programm beherrschen. als verkäufer sollte mit nem aktuellen warenwirtschaftssystem auch nur noch wenig manuelles rechnen notwendig sein, das kostet nämlich alles viel zu viel zeit. als mensch halte ich es für wichtig, zu wissen wie alles funktioniert, aus sicht der wirtschaft brauchts aber keiner. (spezialfälle natürlich ausgenommen)


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