Bradley Manning-Anwalt tritt Flucht nach vorn an

Die Beweise, dass zahlreiche von der Whistleblower-Plattform Wikileaks veröffentlichten Dokumente vom US-Soldaten Bradley Manning stammen, sind offenbar so erdrückend, dass dessen Verteidiger nun die Flucht nach vorn antritt.

Der Anwalt David Coombs räumte auf einer Anhörung auf der Militärbasis Fort Meade faktisch ein, das Manning Dokumente aus den IT-Systemen des US-Miltärs kopiert und nach Außen gegeben hat. Allerdings habe er sorgfältig ausgewählt, welche Informationen er an Wikileaks weitergegeben habe, um sicherzustellen, dass daraus weder ein Schaden für die USA entsteht, Menschenleben gefährdet noch dem Feind Hilfestellungen gegeben würden, berichtete der 'Guardian'.

Manning war aufgeflogen, nachdem er sich mit dem Hacker Adrian Lamo per Chat über die Weitergabe der Unterlagen unterhalten hatte. Dieser hatte daraufhin die Behörden informiert, was kurz darauf zur Festnahme des US-Soldaten auf einem Stützpunkt im Irak führte. Coombs erklärte nun vor Gericht, bei der Hauptverhandlung Lamo als Zeugen der Verteidigung vorladen zu wollen.


Der Hacker soll laut dem Anwalt einen genaueren Einblick in die Inhalte der Unterhaltung geben. Das werde auch belegen, dass Manning tatsächlich eine entsprechende Auswahl getroffen hat. Immerhin sei die Motivation für die Weitergabe der Depeschen aus zahlreichen US-Botschaften sowie der Kriegstagebücher aus dem Irak und Afghanistan ein zentraler Punkt in der juristischen Bewertung von Mannings Handeln.

Denn in der Anklage wird dem Wikileaks-Informanten weiterhin Unterstützung des Feindes und Spionage vorgeworfen. Könnten diese Anschuldigungen entkräftet werden, wäre im Falle einer Verurteilung mit einem deutlich geringeren Strafmaß zu rechnen. Möglicherweise käme der Angeklagte sogar nach dem Hauptverfahren, das am 6. März beginnen soll, auf freien Fuß, wenn der Richter die Zustände in der Untersuchungshaft berücksichtigt, in der Manning teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten wurde.
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"Möglicherweise käme der Angeklagte sogar nach dem Hauptverfahren, das am 6. März beginnen soll, auf freien Fuß, wenn der Richter die Zustände in der Untersuchungshaft berücksichtigt"... Also nein!
 
[re:1] hhgs am 09.01.13 14:58 Uhr
(+2
@therealsausage: Selbstverständlich nicht, das Leben des Jungen ist zerstört.
 
@hhgs: er hat ja auch hochverrat begangen. er scheint sich dem wohl auch sehr bewusst gewesen zu sein
 
@-adrian-: war es Hochverrat.... also ich bilde mir ein das bei den Unterlagen auch das Video bei war wo die Besatzung eines Hubschraubers auf Zivilisten geschossen hat (und sich darüber lustig gemacht hat) - und das ist doch am ende das aufdecken eines Kriegsverbrechens (wenn das Video mit seinen Veröffentlichungen in Zusammenhang steht). Wenn dem so ist, ist das kein Hochverrat sondern sehr Mutig... Aber das ist nur meine bescheidene Meinung. Schönen Abend noch.
 
@Nur ein Nutzer: Auch wenn das nur deine Meinung ist, bleibt es immer noch ein Verbrechen seinerseits. Bei uns werden doch auch illegal aufgenommen Videos oder Beweise vor Gericht nicht zugelassen. Oder?


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